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Wie schmeckt Lachs als Sashimi/roh?

Lachs-Sashimi: hauchdünn aufgeschnitten und pur serviert

Rohen Lachs kennt fast jeder aus dem Sushi-Restaurant, aber selten macht man sich Gedanken darüber, wie er sich eigentlich vom gebratenen oder gegrillten Fisch unterscheidet. Als Sashimi, also pur und ohne Reis serviert, zeigt Lachs eine ganz andere Seite von sich, die durch Hitze normalerweise verloren geht. Ich habe mir angeschaut, wonach roher Lachs tatsächlich schmeckt, warum er überhaupt sicher roh gegessen werden darf und worauf es bei der Qualität ankommt.

Wie schmeckt roher Lachs wirklich?

Roher Lachs schmeckt deutlich milder und feiner als man es von der gebratenen Variante erwarten würde. Statt einer kräftigen, fast schon rauchigen Röstnote steht hier eine zarte, leicht süßliche Meeresfrische im Vordergrund. Auf der Zunge zergeht das Fleisch fast von selbst, die Textur ist buttrig-weich und seidig, fast schon cremig. Verantwortlich dafür ist der hohe Fettanteil, der beim Erhitzen normalerweise teilweise ausläuft und mit ihm auch ein gutes Stück Geschmack. Roh bleibt dieses Fett vollständig erhalten und trägt das milde, leicht nussige Aroma direkt auf der Zunge.

Wer zum ersten Mal Sashimi vom Lachs probiert, ist oft überrascht, wie wenig fischig es schmeckt. Frischer, in Sashimi-Qualität verarbeiteter Lachs riecht kaum nach Fisch, sondern eher dezent nach Meer. Ein strenger oder tranig-fettiger Geruch ist dagegen immer ein Warnsignal für mangelnde Frische. Genau diese Sortenreinheit macht auch nachvollziehbar, warum Umami bei rohem Fisch eine so große Rolle spielt: Die Aminosäuren, die für den fünften Geschmack verantwortlich sind, werden beim Kochen teils zerstört und bleiben im rohen Zustand vollständig erhalten.

Warum darf man Lachs überhaupt roh essen?

Fisch lebt bei deutlich niedrigeren Körpertemperaturen als Landtiere, weshalb sich viele der Bakterien, die rohes Fleisch gefährlich machen, in Fisch gar nicht erst vermehren. Das eigentliche Risiko bei rohem Fisch sind nicht Bakterien, sondern Parasiten wie die Larven des Fadenwurms Anisakis, die im Fischfleisch überleben können und beim Menschen Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

Aus diesem Grund schreibt die EU-Verordnung (EG) Nr. 853/2004 eine verpflichtende Gefrierbehandlung für Fisch vor, der roh oder fast roh verzehrt werden soll. Üblich sind dabei mindestens 24 Stunden bei minus 20 Grad Celsius, alternativ etwa 15 Stunden bei minus 35 Grad. Diese Kälte tötet lebende Parasiten zuverlässig ab, während zusätzliche Sichtkontrollen sichtbare Wurmreste aussortieren sollen. Der oft verwendete Begriff „Sushi-Qualität“ oder „Sashimi-Qualität“ ist dabei rechtlich nicht geschützt, er bedeutet im Kern lediglich, dass der Fisch diese vorgeschriebene Gefrierbehandlung durchlaufen hat und zum Rohverzehr freigegeben wurde. Wer zu Hause Sashimi zubereiten möchte, sollte deshalb gezielt Lachs kaufen, der explizit für den Rohverzehr ausgewiesen ist, und ihn bis zur Zubereitung durchgehend gekühlt lagern.

Wildlachs oder Zuchtlachs für Sashimi?

Nicht jeder Lachs schmeckt roh gleich, und die Herkunft macht einen spürbaren Unterschied. Zuchtlachs ist deutlich fetter als Wildlachs, mit Werten von etwa 8 bis 25 Gramm Fett pro 100 Gramm gegenüber nur 1 bis 3 Gramm bei wild gefangenem Lachs. Dieser höhere Fettanteil sorgt für die typischen buttrigen, milden Noten, die viele Sashimi-Liebhaber schätzen, und macht das Fleisch gleichzeitig weicher und sämiger auf der Zunge.

Wildlachs dagegen schmeckt intensiver, oft leicht nussig bis erdig, ist aber auch fester und magerer in der Textur. Für die rohe Zubereitung wird in der Praxis meist Zuchtlachs empfohlen, unter anderem weil er sein Leben ausschließlich im kontrollierten Netzgehege verbringt und dadurch ein geringeres Parasitenrisiko mitbringt als Wildlachs, der auch Süßwasserabschnitte durchschwimmt. Die kräftige orange-rosa Farbe des Fleischs stammt bei beiden Varianten übrigens vom Farbstoff Astaxanthin, den der Lachs entweder über natürliche Krebstiere in freier Wildbahn oder über das Futter in der Aquakultur aufnimmt.

Rohes Lachsfilet auf einem Holzbrett mit sichtbarer Fettmaserung im Fleisch
Die feinen weißen Fettadern im Filet sorgen für den buttrigen Geschmack

Sashimi, Nigiri, Poke Bowl und Tatar

Sashimi ist die puristischste Form, rohen Lachs zu genießen: hauchdünn aufgeschnittene Filetscheiben, serviert ganz ohne Reis, oft nur begleitet von Sojasauce, etwas Wasabi und eingelegtem Ingwer. Bei Nigiri kommt eine kleine Portion Sushi-Reis dazu, über die eine Lachsscheibe gelegt wird, während beim Maki der Fisch zusammen mit Reis und Gemüse in Nori-Algenblätter gerollt wird.

Daneben haben sich in den letzten Jahren auch Poke Bowls etabliert, bei denen gewürfelter roher Lachs mit Reis, Avocado, Edamame und verschiedenen Saucen kombiniert wird, sowie Lachstatar, bei dem der Fisch fein gehackt und mit Zitrone, Schalotten oder Sesamöl angemacht wird. In allen Fällen gilt: Je schlichter die Zubereitung, desto mehr hängt der Geschmack von der Qualität des rohen Ausgangsprodukts ab. Ähnlich wie bei Austern, die ebenfalls roh verzehrt werden, entscheidet hier die Frische über Erfolg oder Enttäuschung auf dem Teller.

Nährwerte von rohem Lachs

Roher Lachs ist nicht nur geschmacklich interessant, sondern auch ausgesprochen nährstoffreich. Er liefert hochwertiges Eiweiß, reichlich Omega-3-Fettsäuren sowie Vitamin D, das in vielen anderen Lebensmitteln eher knapp vorkommt. Die Omega-3-Fettsäuren, allen voran EPA und DHA, gelten als besonders herzfreundlich und werden mit einem niedrigeren LDL-Cholesterinspiegel in Verbindung gebracht. Interessanterweise enthält fetterer Zuchtlachs im Schnitt sogar mehr davon als der magerere Wildlachs, einfach weil insgesamt mehr Fett im Fleisch steckt. Dazu liefert Lachs Jod und B-Vitamine, die im Stoffwechsel und für die Nervenfunktion wichtig sind. Wer auf seinen Geschmackssinn achtet, findet in rohem Lachs also nicht nur Umami-Aromen, sondern auch einiges an Nährstoffen, die im gebratenen Filet zum Teil durch die Hitze verloren gehen.

Für mich bleibt roher Lachs eines der Lebensmittel, bei denen weniger wirklich mehr ist. Keine Panade, keine Sauce, kein langes Braten, nur der pure, buttrig-milde Geschmack des Fischs selbst. Wer noch nie Sashimi probiert hat, sollte es bei einem vertrauenswürdigen Händler oder Restaurant versuchen, am besten ganz klassisch mit nur einem Hauch Sojasauce.

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