
Kokosöl gilt trotz seines Images als Superfood ernährungswissenschaftlich nicht als besonders gesund. Laut Verbraucherzentrale gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass Kokosöl der Gesundheit besonders zuträglich ist. Mit einem Anteil von rund 90 Prozent gesättigten Fettsäuren zählt es zu den fettsäuretechnisch ungünstigeren Speiseölen, und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt es ausdrücklich nicht als bevorzugtes Speiseöl.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Die Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen, unabhängigen Quellen (u. a. DGE, BZfE, Verbraucherzentrale, BfR). Bei Allergien, Vorerkrankungen oder konkreten gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.
Die Fettsäurezusammensetzung von Kokosöl
Kokosöl besteht laut Verbraucherzentrale zu etwa 90 Prozent aus gesättigten Fettsäuren und enthält im Vergleich nur wenige ungesättigte Fettsäuren. Damit unterscheidet es sich deutlich von Ölen wie Raps-, Oliven- oder Sonnenblumenöl, die einen hohen Anteil einfach oder mehrfach ungesättigter Fettsäuren liefern. Ein hoher Konsum gesättigter Fettsäuren steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Cholesterinspiegel, was wiederum das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beeinflussen kann.
Die DGE äußert sich dazu unmissverständlich: „Kokosöl ist nicht das Öl, das wir empfehlen würden“, eben wegen des hohen Anteils an gesättigten Fettsäuren. Als Alternativen mit einem günstigeren Fettsäureprofil nennt die Fachgesellschaft insbesondere Raps-, Soja-, Oliven-, Sonnenblumen- und Leinöl.

Mittelkettige Fettsäuren: Was die Studienlage wirklich zeigt
Ein Teil des Kokosöl-Hypes stützt sich auf den Gehalt an mittelkettigen Fettsäuren wie Laurin-, Capryl- und Caprinsäure. Diese Fettsäuren werden vom Körper anders verstoffwechselt als langkettige Fettsäuren und gelten als leichter verdaulich. Die verbreitete These, mittelkettige Fettsäuren würden vom Körper kaum gespeichert und deshalb beim Abnehmen helfen, ist nach Einschätzung der Verbraucherzentrale bislang nicht ausreichend durch aussagekräftige Langzeitstudien belegt. Ein direkter, wissenschaftlich gesicherter Nutzen für die Gewichtsreduktion lässt sich aus den vorliegenden Daten also nicht ableiten.
Auch auf europäischer Ebene wurde diese Wirkrichtung bislang nicht bestätigt: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat keine gesundheitsbezogenen Angaben (Health-Claims) für Kokosöl zugelassen. Werbeversprechen rund um Fettverbrennung, Stoffwechselanregung oder ähnliche Effekte sind demnach wissenschaftlich nicht abgesichert.
Wofür Kokosöl in der Küche trotzdem sinnvoll ist
Ernährungswissenschaftlich schneidet Kokosöl im Vergleich zu Raps-, Walnuss- oder Olivenöl schlechter ab, da diese Öle deutlich mehr gesundheitlich günstigere ungesättigte Fettsäuren liefern. Das bedeutet aber nicht, dass Kokosöl grundsätzlich zu meiden ist. In Maßen, etwa für asiatische Gerichte, bei denen der charakteristische Kokosgeschmack gewünscht ist, kann es Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Die Verbraucherzentrale empfiehlt hierfür idealerweise fair gehandelte Bio-Qualität.
Praktisch punktet Kokosöl durch seinen vergleichsweise hohen Rauchpunkt, wodurch es sich zum scharfen Anbraten eignet, ohne schnell zu verbrennen. Wer es regelmäßig verwendet, sollte es aber nicht als alleiniges Speiseöl einsetzen, sondern im Wechsel mit Ölen nutzen, die einen höheren Anteil ungesättigter Fettsäuren liefern.
Einordnung: Kein Wundermittel, aber auch kein Verbot
Die Bezeichnung als „Superfood“ hält einer nüchternen Betrachtung der Studienlage nicht stand. Kokosöl ist weder ein Mittel zur gezielten Fettverbrennung noch grundsätzlich schädlich, wenn es in normalen Küchenmengen verwendet wird. Wer auf eine ausgewogene Fettzufuhr achtet, sollte es aber nicht zur Hauptfettquelle machen und stattdessen überwiegend zu Ölen mit einem höheren Anteil ungesättigter Fettsäuren greifen, wie es die DGE empfiehlt.



