Schlangenfleisch klingt für die meisten Europäer erst einmal nach Mutprobe, in Teilen Asiens ist es dagegen ein ganz normales Nahrungsmittel mit langer Tradition. Ich habe mir angeschaut, wie Schlangenfleisch tatsächlich schmeckt, wo es gegessen wird und was es mit dem oft zitierten Vergleich zu Huhn auf sich hat.
Wie schmeckt Schlangenfleisch genau?
Schlangenfleisch schmeckt mild, leicht süßlich und erinnert am ehesten an eine Mischung aus Hühnchen und Fisch, mit einer feinen, fast schon zarten Note, die deutlich weniger Eigengeschmack hat, als der exotische Ruf vermuten lässt. Der oft gehörte Vergleich zu Huhn trifft tatsächlich ziemlich genau, allerdings ist die Textur etwas fester und faseriger, ähnlich einem mageren Fischfilet.
Die vielen kleinen, feinen Gräten- ähnlichen Knochen entlang des schlanken Körpers machen das Essen aufwendiger als bei den meisten anderen Fleischsorten, das Fleisch selbst lässt sich aber gut vom Knochen lösen, sobald es gegart ist. Roh riecht Schlangenfleisch neutral bis leicht fischig, beim Kochen oder Frittieren verliert sich dieser Geruch fast vollständig.
Wo Schlangenfleisch traditionell gegessen wird
In Teilen Chinas, Vietnams und Thailands hat der Verzehr von Schlangenfleisch eine lange kulinarische und medizinische Tradition. In der traditionellen chinesischen Medizin gilt Schlangenfleisch als wärmend und kräftigend, häufig wird es in Suppen zur Stärkung während der kälteren Jahreszeit serviert. In Guangdong und Hongkong gibt es sogar spezialisierte Restaurants, die sich ganz auf Schlangengerichte konzentrieren, dort wird das Fleisch meist in würzigen Suppen mit Ingwer, Pilzen und Hühnerbrühe zubereitet.
Zubereitung: geschmort, gebraten oder als Suppe
Am häufigsten wird Schlangenfleisch geschmort, gebraten oder zu kräftigen Suppen verarbeitet, oft zusammen mit intensiven Gewürzen wie Sternanis, Chili oder Sojasauce, die dem eher zurückhaltenden Eigengeschmack zusätzliche Tiefe geben. In frittierter Form, ähnlich wie Hühnchennuggets, wird das milde Fleisch besonders für europäische oder amerikanische Gaumen oft als überraschend zugänglich beschrieben. Auch Schlangenwein, bei dem eine ganze Schlange in Reisschnaps eingelegt wird, ist in Teilen Südostasiens verbreitet, allerdings dient dieser eher als vermeintliches Stärkungsmittel denn als kulinarisches Erlebnis.
Nährwerte: mager und proteinreich
Schlangenfleisch ist ähnlich wie Froschschenkel sehr mager und proteinreich, mit einem Fettgehalt, der meist deutlich unter dem von Hühnchen liegt. Es liefert hochwertiges Eiweiß bei vergleichsweise wenigen Kalorien, was es in den Ursprungsregionen zusätzlich zur kulinarischen auch zu einer praktischen Proteinquelle macht.
Am Ende überrascht Schlangenfleisch die meisten, die es zum ersten Mal probieren, weniger wegen eines fremden Geschmacks, sondern eher, weil es geschmacklich so unspektakulär und nah an bekanntem Geflügel liegt.
