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Wie schmeckt Sherry?

Sherry schmeckt sehr unterschiedlich, je nachdem, welche Sorte man vor sich hat, von knochentrocken, salzig und mandelig bis hin zu dickflüssig süß mit Rosinen- und Karamellnoten. Diese enorme Spannbreite überrascht viele, die Sherry nur als süßen Likörwein aus der Küchenschublade kennen, dabei ist die Mehrheit der klassischen Sorten trocken und eher mit einem herben, salzigen Aperitif zu vergleichen als mit einem Dessertwein.

Herkunft und Herstellung

Sherry stammt aus Andalusien im Süden Spaniens und ist eng mit der Stadt Jerez de la Frontera verbunden. Der Name geht auf die maurische Bezeichnung „Sherish“ für diese Stadt zurück, aus der die Engländer später „Sherry“ formten, als englische Handelshäuser den Wein im 18. und 19. Jahrhundert weltweit bekannt machten.

Charakteristisch für die Herstellung ist das Solera-System: Mehrere Fassreihen werden übereinandergestapelt, wobei der zum Verkauf bestimmte Sherry immer der untersten Reihe entnommen wird. Diese Fässer werden dann mit Wein aus der Reihe darüber wieder aufgefüllt, sodass sich junge und alte Jahrgänge ständig vermischen. Auf diese Weise entsteht ein gleichbleibender Charakter, obwohl im fertigen Sherry Weine ganz unterschiedlichen Alters stecken. Ein zweiter entscheidender Faktor ist die sogenannte Florhefe, eine natürliche Hefeschicht, die sich bei bestimmten Sherry-Typen auf der Weinoberfläche im Fass bildet. Sie schützt den Wein vor Sauerstoff, verhindert Oxidation und verleiht ihm sein typisches, leicht hefiges Aroma. Andere Sherry-Typen reifen bewusst ohne diese Schutzschicht und oxidieren dadurch kontrolliert, was einen völlig anderen Geschmack erzeugt.

Herkunft

Ursprung: Jerez, Andalusien. Genau dort steht der Punkt — daneben 200 weitere Lebensmittel und Gerichte, jedes an seinem Herkunftsort.

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Geschmacksprofil der wichtigsten Sorten

Fino ist die hellste und trockenste Variante, strohgelb in der Farbe, mit feinen Mandel- und Haselnussaromen und einer spürbaren Frische, die von der schützenden Florhefe kommt. Manzanilla, eine Fino-Variante, die ausschließlich in der Küstenstadt Sanlúcar de Barrameda reift, schmeckt durch die maritime Luft oft leicht salzig und dezent bitter, was viele Kenner als besonders erfrischend empfinden.

Amontillado entsteht, wenn ein Fino nach einiger Zeit die schützende Florhefeschicht verliert und weiter oxidativ reift. Die Farbe wandelt sich zu Bernstein bis Mahagoni, der Geschmack wird würziger und nussiger, mit mehr Tiefe als beim jungen Fino. Oloroso reift von vornherein ohne Florhefe und wird dadurch kräftiger, dunkler und komplexer, mit einem ausgeprägten Nussbukett und oft holzigen, manchmal leicht süßlichen Untertönen, obwohl er in der Regel ebenfalls trocken ausgebaut ist. Am anderen Ende der Skala steht Pedro Ximénez, benannt nach der gleichnamigen Rebsorte, ein dickflüssiger, sehr süßer Sherry mit intensivem Rosinen- und Trockenfruchtaroma, der eher wie ein Dessertwein schmeckt und oft pur oder über Vanilleeis serviert wird.

Sherry war für mich lange ein süßes Getränk

Sherry kannte ich als das klebrig süße Zeug aus dem unteren Supermarktregal, das in manchen Haushalten seit Jahren ungeöffnet herumsteht und einmal im Jahr in eine Sauce wandert. Entsprechend gering war meine Erwartung, als mir in einem spanischen Lokal ein Glas Fino zu Oliven und Schinken hingestellt wurde.

Das war das Gegenteil von dem, was ich im Kopf hatte: knochentrocken, gekühlt, salzig-hefig und fast schon herb. Sherry ist keine Geschmacksrichtung, sondern eine Herkunft, und darunter fallen völlig verschiedene Weine, von strohtrockenem Fino bis zum dickflüssigen Pedro Ximénez. Wer Sherry für sich abgelehnt hat, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit nur ein Ende dieser Skala probiert.

Verwendung und Genuss

Trockene Sherrys wie Fino und Manzanilla werden traditionell gut gekühlt als Aperitif getrunken, häufig zusammen mit Tapas wie Oliven, Schinken oder Mandeln, deren salzige und würzige Aromen sehr gut mit der herben Frische harmonieren. Amontillado und Oloroso eignen sich eher zu kräftigeren Gerichten, etwa gereiftem Käse, Nüssen oder geschmortem Fleisch, während der süße Pedro Ximénez klassisch zum Dessert oder als Digestif nach dem Essen serviert wird.

In der Küche wird Sherry außerdem gerne für Saucen verwendet, etwa zum Ablöschen von gebratenen Pilzen oder in Suppen, wo seine konzentrierte Aromatik auch in kleinen Mengen deutlich hervortritt. Wichtig für den Geschmack im Glas ist zudem die Lagerung: Einmal geöffnet, sollte Sherry kühl und gut verschlossen aufbewahrt und innerhalb weniger Wochen getrunken werden, da vor allem die trockenen, mit Florhefe gereiften Sorten nach dem Öffnen schnell an Frische verlieren.

Zum Weiterspielen: Sherry kommt aus einem Dreieck von drei andalusischen Städten. Ob du es triffst, zeigt dir Zungo, unser Ratespiel mit Weltkarte.

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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