Kaum ein Getränk hat den deutschen Sommer der letzten anderthalb Jahrzehnte so geprägt wie Aperol Spritz. Das leuchtend orange Glas mit Eiswürfeln und Orangenscheibe ist aus Straßencafés kaum noch wegzudenken. Dabei ist der Bitterlikör selbst, der dem Drink seinen Namen gibt, deutlich älter und ursprünglich für einen ganz anderen Anlass gedacht. Ich habe mir angeschaut, wie Aperol pur eigentlich schmeckt, was in der Flasche steckt und woher der Name kommt.
Wie schmeckt Aperol genau?
Aperol schmeckt bittersüß, mit einer deutlichen Orangennote im Vordergrund und einer leicht herben, rhabarberartigen Tiefe im Hintergrund. Beim ersten Schluck dominiert die Süße, direkt danach folgt eine milde Bitterkeit, die nie unangenehm scharf wird, sondern eher wärmend und kräuterig wirkt. Wer den Likör pur oder auf Eis trinkt, bemerkt zusätzlich dezente Aromen von Enzian und Chinarinde, die dem Getränk eine leicht erdige, fast medizinale Facette geben, ohne den fruchtigen Grundcharakter zu überdecken. Mit nur 11 Volumenprozent Alkohol bleibt Aperol dabei spürbar milder und zugänglicher als klassische Bitterspirituosen.
Zutaten und Rezeptur
Das genaue Rezept ist Betriebsgeheimnis, bekannt ist aber die Grundzusammensetzung: Rhabarber, Chinarinde, Gelber Enzian und Bitterorange bilden zusammen mit weiteren aromatischen Kräutern die Basis. Diese Mischung wird mazeriert beziehungsweise destilliert und anschließend mit Zucker und Wasser zum trinkfertigen Likör verarbeitet. Seine kräftige orange-rote Farbe erhält Aperol durch die Lebensmittelfarbstoffe E 110 und E 124, nicht durch die verwendeten Früchte oder Kräuter selbst.
Ursprung: Padua, Italien. Genau dort steht der Punkt — daneben 200 weitere Lebensmittel und Gerichte, jedes an seinem Herkunftsort.
Mein selbst gemixter Spritz war lange zu süß
Aperol Spritz habe ich zu Hause jahrelang nach Gefühl gemischt, und das hieß bei mir: großzügig Aperol, ein Schuss Prosecco, ein bisschen Wasser. Herausgekommen ist jedes Mal ein klebrig süßes Getränk, bei dem die Bitterkeit vollständig unterging und das nach dem zweiten Glas anstrengend wurde.
Die klassische Reihenfolge ist genau andersherum, und sie funktioniert: drei Teile Prosecco, zwei Teile Aperol, ein Schuss Soda, in dieser Reihenfolge ins randvoll mit Eis gefüllte Glas. Der Prosecco kommt zuerst, sonst mischt sich der schwerere Aperol nicht mehr richtig ein. Damit rückt die bittere Orangennote nach vorn, und genau die macht das Getränk eigentlich aus.
Aperol im Vergleich zu Campari
Aperol wird oft in einem Atemzug mit Campari genannt, beide gehören inzwischen zur italienischen Gruppo Campari, unterscheiden sich geschmacklich aber deutlich. Campari ist mit etwa 25 Volumenprozent Alkohol wesentlich stärker und deutlich bitterer, während Aperol milder, süßer und dadurch alltagstauglicher als Aperitif gedacht ist. Wer Campari pur als zu intensiv empfindet, findet in Aperol die zugänglichere, fruchtig-süßere Variante desselben Likör-Stils.

Geschichte: von der Messe in Padua zum Welterfolg
Aperol wurde 1919 von den Brüdern Silvio und Luigi Barbieri in Padua entwickelt und ursprünglich exklusiv für die internationale Messe der Stadt kreiert. Der Name leitet sich vom französischen Wort apéro ab, der umgangssprachlichen Kurzform für Aperitif. Über Jahrzehnte blieb Aperol vor allem in Norditalien ein regionaler Aperitif-Klassiker, bevor die Marke später an die Gruppo Campari überging und von dort aus, getragen vom Boom des Aperol Spritz, zum internationalen Sommergetränk wurde.
Eine kuriose Randnotiz aus Deutschland: Zwischen 2006 und 2021 wurde Aperol hierzulande mit 15 statt der ursprünglichen 11 Volumenprozent verkauft, um es aus der Pfandpflicht für Einweggetränke unter einer bestimmten Alkoholgrenze herauszuhalten. Seit 2021 ist auch in Deutschland wieder die schwächere 11-Prozent-Variante im Handel.
Aperol Spritz und andere Verwendungen
Am bekanntesten ist Aperol heute als Basis des Aperol Spritz, gemischt aus Aperol, Prosecco und einem Schuss Soda- oder Mineralwasser, serviert auf Eis mit einer Orangenscheibe. Daneben findet sich der Likör auch in Varianten wie Aperol Tonic oder Aperol Sour. Als klassischer Aperitif vor dem Essen konkurriert er dabei mit anderen aromatisierten Weinen und Likören, etwa trockenem Sherry, der ebenfalls eine lange Tradition als appetitanregender Auftakt hat, geschmacklich mit seinen mandeligen, salzigen Noten aber in eine ganz andere Richtung geht als der fruchtig-bittere Aperol.
Zum Weiterspielen: Aperol wurde auf einer Messe in Norditalien vorgestellt, nicht in Venedig. In welcher Stadt, fragt Zungo nach dem Pin ab.

