Ouzo ist für viele die Erinnerung an einen Urlaub und für ebenso viele die Erinnerung an einen missglückten Abend. Beides hat denselben Grund: Er wird fast immer falsch getrunken. In Griechenland kippt ihn niemand als Shot, und wer das Ritual kennt, versteht auch, warum das Getränk so gebaut ist, wie es ist.
Wie schmeckt Ouzo genau?
Ouzo schmeckt deutlich nach Anis, süßlich-würzig und kühlend, mit einer leichten Lakritznote und einem klaren, sauberen Abgang. Anders als Absinth fehlt ihm die bittere Kräuterkante, er ist runder und zugänglicher.
Je nach Rezeptur kommen Fenchel, Koriander, Sternanis, Mastix oder Zimt dazu. Gute Ware wirkt komplex und weich, billige eindimensional und scharf, weil dann der Anteil an neutralem Alkohol überwiegt.
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Der Alkohol liegt bei mindestens 37,5 Prozent vol, üblich sind 38 bis 42. Pur getrunken brennt Ouzo und schmeckt vor allem nach Alkohol. Verdünnt zeigt er erst, was er kann.
Der Geschmack von Ouzo im Überblick
- Grundton: Anis, süßlich, lakritzartig
- Dahinter: Fenchel, Koriander, je nach Marke Mastix oder Zimt
- Mundgefühl: kühlend, nach Wasserzugabe cremig-weich
- Abgang: sauber, mittellang, leicht süß
- Alkohol: mindestens 37,5 Prozent vol
Ouzo darf nur aus Griechenland kommen
Ouzo ist eine geschützte geografische Angabe und im EU-Register geschützter Bezeichnungen eingetragen. Hergestellt werden darf er ausschließlich in Griechenland und auf Zypern. Ein Anisschnaps aus Deutschland darf sich nicht Ouzo nennen, egal wie ähnlich er schmeckt.
Rechtlich gehört er zu den Anis-Spirituosen, einer eigenen Kategorie der EU-Spirituosenverordnung. Die Basis ist Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, der mit Anisdestillat aromatisiert wird. Entscheidend für die Qualität ist, wie groß der Anteil ist, der tatsächlich in traditionellen Brennblasen mit Anis destilliert wurde, statt einfach mit Aroma versetzt zu werden.
Ein praktischer Hinweis für den Einkauf: Hersteller, die einen hohen Destillatanteil verwenden, schreiben das in aller Regel auf das Etikett. Wo nichts steht, ist meist wenig drin.
Warum Ouzo milchig wird
Der Effekt ist derselbe wie beim Absinth und heißt Louche. Verantwortlich ist das Anethol, der Hauptaromastoff des Anis. Es löst sich gut in Alkohol, aber kaum in Wasser.
Kommt Wasser oder Eis dazu, sinkt der Alkoholgehalt, und das Anethol fällt in mikroskopisch feinen Tröpfchen aus. Diese Tröpfchen streuen das Licht, und die Flüssigkeit wird milchig-weiß. Genau dieselbe Reaktion zeigt Pastis, Raki und Sambuca.
Der Effekt ist auch ein Qualitätshinweis. Ein Ouzo, der sich beim Wasserzusatz kaum eintrübt, enthält wenig Anethol, also wenig echtes Anisdestillat.
So wird er in Griechenland getrunken
Nicht als Shot, sondern langsam, verdünnt und immer zum Essen. Üblich ist ein hohes, schlankes Glas, ein bis zwei Teile Wasser auf einen Teil Ouzo, dazu Eis. Das Wasser kommt zuerst oder gleichzeitig, nicht der Eiswürfel in den puren Ouzo.
Dazu gehören Mezedes, also kleine Teller mit Oliven, Feta, gegrilltem Oktopus, Sardinen oder Zaziki. Das ist keine Beilage, sondern Teil der Konstruktion: Der Anis schneidet durch Fett und Salz, das Essen bremst den Alkohol.
Fünf Lebensmittel, eine Weltkarte: Setz den Pin dorthin, wo sie ursprünglich herkommen. Je näher am Ursprung, desto mehr Punkte. 267 Lebensmittel und Gerichte — die Weißwurst trifft jeder, bei der Banane fast niemand.
Die deutsche Gewohnheit, den Ouzo eiskalt als Absacker zu kippen, dreht das Prinzip um. Kälte betäubt die Aromen, Tempo verhindert die Verdünnung, und übrig bleibt der Alkohol.

Ouzo, Raki, Pastis und Sambuca
Vier Getränke, die sich sehr ähnlich sehen und deutlich unterscheiden:
- Ouzo: griechisch, Anis auf neutralem Alkohol, trocken bis leicht süß.
- Raki: türkisch, traditionell auf Traubenbasis, kräftiger und trockener.
- Pastis: französisch, zusätzlich mit Süßholz aromatisiert, deshalb runder und süßer im Antrunk.
- Sambuca: italienisch, deutlich süßer, mit Sternanis und Holunder, rechtlich ein Likör.
Der gemeinsame Nenner ist das Anethol, und deshalb trüben sie alle ein. Der Unterschied liegt in der Basis und im Zuckergehalt.
Lagerung
Ouzo ist unkompliziert und hält sich auch angebrochen sehr lange, ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist bei Spirituosen nicht vorgeschrieben. Aufrecht, dunkel und bei Zimmertemperatur gelagert bleibt er über Jahre stabil.
Ein Detail, das viele überrascht: Ouzo gehört nicht in den Gefrierschrank. Bei sehr tiefen Temperaturen kann das Anethol bereits in der Flasche ausfallen und feine Kristalle oder eine dauerhafte Trübung bilden. Ein Fehler ist das nicht, hübsch sieht es trotzdem nicht aus.


