Mukbang bezeichnet Videos oder Livestreams, in denen eine Person vor laufender Kamera große, oft außergewöhnlich üppige Mahlzeiten isst, meist begleitet von lautem Ess- und Schlürfgeräuschen sowie beiläufigem Plaudern mit dem Publikum. Was zunächst kurios klingt, ist längst ein globales Millionen-Publikum-Phänomen mit eigenen Stars, Werbeverträgen und teils gesundheitlich fragwürdigen Auswüchsen.
Woher der Begriff kommt
Das Wort setzt sich aus den koreanischen Begriffen „meokneun“ für essen und „bangsong“ für Übertragung zusammen. Ursprung des Trends ist Südkorea, wo ab etwa 2010 auf der Streaming-Plattform AfreecaTV erste Ess-Livestreams populär wurden. Ein wichtiger kultureller Hintergrund: In Korea gilt gemeinsames Essen traditionell als sozialer Akt, Mukbang-Streams boten alleinlebenden Zuschauern eine Art digitale Gesellschaft beim eigenen Essen, ein Ersatz für das gemeinsame Mahl, das im Alltag fehlte.
Warum wir gebannt zusehen: Die psychologischen Erklärungen
Forscher führen die Faszination auf mehrere Mechanismen zurück. Zum einen aktiviert das Beobachten von Essen sogenannte Spiegelneuronen im Gehirn, dieselben Nervenzellen, die auch beim eigenen Essen aktiv wären, wodurch Zuschauer eine Art stellvertretenden Genuss erleben, ohne selbst Kalorien zu sich zu nehmen. Zum anderen spielt der Aspekt der parasozialen Gesellschaft eine große Rolle: Für viele Zuschauer, die alleine essen, füllt ein Mukbang-Video das Gefühl aus, gemeinsam mit jemandem am Tisch zu sitzen.
Käse mit lebenden Maden, Kaffee aus Katzenkot: zwölf Lebensmittel, die es entweder gibt oder eben nicht.
Ein dritter Faktor ist die sogenannte ASMR-Komponente, also die beruhigende, teils fast meditative Wirkung bestimmter Ess- und Kaugeräusche auf einen Teil des Publikums. Und schließlich sorgt schlicht die Menge des Essens für Faszination, ein Überraschungs- und Staunmoment, ähnlich wie bei Wettessen-Videos, nur eben ohne den Wettkampfaspekt.
Kritik: Gesundheitliche und ethische Bedenken
Mukbang steht zunehmend in der Kritik, sowohl wegen der Vorbildwirkung für Zuschauer, insbesondere Kinder und Jugendliche, als auch wegen der gesundheitlichen Risiken für die Ersteller selbst. Wiederholtes, teils tägliches Essen extrem großer Portionen wurde in Südkorea inzwischen von Gesundheitsbehörden thematisiert, mehrere bekannte Streamer berichteten öffentlich von Magenproblemen, Gewichtszunahme und Stoffwechselerkrankungen infolge ihrer beruflichen Ess-Auftritte. Einige Plattformen und Creator setzen mittlerweile bewusst auf kleinere Portionen oder gesündere Inhalte, um dieser Kritik zu begegnen.
Vom Nischen-Livestream zum Milliardengeschäft
Heute ist Mukbang ein globales Genre mit Millionen Abonnenten auf YouTube, TikTok und anderen Plattformen, samt Werbedeals, Restaurant-Kooperationen und eigenen Wettbewerben. Aus einem koreanischen Nischenphänomen der frühen 2010er-Jahre ist damit einer der einflussreichsten Foodcontent-Trends der letzten Jahre geworden, der die Art, wie online über Essen gesprochen und gedacht wird, nachhaltig verändert hat.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder psychologische Beratung. Er richtet sich nicht an Menschen mit einer Essstörung; bei Betroffenheit oder Verdacht auf eine Essstörung wird empfohlen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa über eine Ärztin, einen Arzt oder eine Beratungsstelle.

