
In Roald Dahls Roman „Charlie und die Schokoladenfabrik“ gibt es unzählige verrückte Erfindungen, aber kaum eine hat sich so hartnäckig im popkulturellen Gedächtnis festgesetzt wie der Everlasting Gobstopper. Das Versprechen dahinter ist simpel und trotzdem grandios übertrieben: ein Bonbon, das man lutschen und lutschen kann, ohne dass es jemals kleiner wird oder verschwindet.
Willy Wonkas Erfindung für Kinder mit wenig Taschengeld
Im Buch erklärt Willy Wonka, dass er den Gobstopper eigens für Kinder erfunden hat, die nur wenig Taschengeld zur Verfügung haben. Wer sich schon einmal gefragt hat, ob sich ein einzelnes Bonbon für einen ganzen Nachmittag lohnt, versteht sofort die Logik dahinter. Ein Zitat aus dem Buch bringt es auf den Punkt: „Du kannst dir einen Everlasting Gobstopper in den Mund stecken und daran lutschen und lutschen und lutschen und lutschen und lutschen und es wird nie kleiner!“ Interessant dabei: Auch in deutschen Ausgaben des Romans wird der Name nicht übersetzt, das Bonbon heißt auch hierzulande Everlasting Gobstopper.
Das 1964 erschienene Buch stammt vom britischen Autor Roald Dahl und zählt bis heute zu den bekanntesten Kinderbuch-Vorlagen überhaupt. Die deutsche Erstausgabe kam 1969 mit Illustrationen von Horst Lemke heraus. Wonkas Fabrik brachte neben dem Gobstopper noch andere skurrile Süßigkeiten hervor, darunter die Wonka Bar, die es inzwischen auch real zu kaufen gibt.
Die Sache mit Slugworth
Wirklich berühmt wurde der Gobstopper durch die Verfilmungen, allen voran „Willy Wonka & die Schokoladenfabrik“ von 1971. Dort bekommt die Süßigkeit eine eigene Nebenhandlung: Ein mysteriöser Mann, der sich als Arthur Slugworth vorstellt und angeblich für einen konkurrierenden Süßwarenhersteller arbeitet, bietet den Golden-Ticket-Gewinnern Geld dafür, ihm heimlich einen Everlasting Gobstopper zu besorgen. Am Ende stellt sich heraus, dass „Slugworth“ in Wahrheit ein Wonka-Mitarbeiter namens Mr. Wilkinson ist und die ganze Aktion nur ein Charaktertest war, den außer Charlie alle Kinder nicht bestehen. In der Tim-Burton-Verfilmung von 2005 taucht die Figur so nicht mehr auf, der Gobstopper selbst bleibt aber Teil von Wonkas Erfindungen.
Wie schmeckt der Everlasting Gobstopper?
Im Buch bleibt offen, wonach das Bonbon eigentlich schmeckt, entscheidend ist die Magie dahinter: Es wechselt beim Lutschen ständig Farbe und Geschmack, ohne jemals kleiner zu werden. Genau dieses Prinzip greift die real existierende Süßware auf, die seit den späten 1970er-Jahren unter dem Namen Gobstopper beziehungsweise Everlasting Gobstopper verkauft wird. Anders als das fiktive Vorbild ist das echte Bonbon natürlich irgendwann komplett aufgelutscht, dafür schmeckt man sich durch mehrere Schichten mit unterschiedlichen Fruchtaromen.
Ein aktuell erhältliches Produkt bietet zum Beispiel acht verschiedene Geschmacksrichtungen in einer Packung: Orange, Banane, Zitrone, Erdbeere, Traube, Wassermelone, Kirsche und Kokosnuss. Die Textur ist typisch für die Kategorie: außen knallhart, weiter innen wird das Bonbon weicher, bis man irgendwann beim weichen Kern ankommt. Wer die Kugeln zu früh zerbeißt statt sie zu lutschen, merkt schnell, warum die englische Bezeichnung „Jawbreaker“, zu Deutsch etwa Kieferbrecher, nicht ganz übertrieben ist.
Vom Kinderbuch zur echten Süßware
Dass es den Gobstopper überhaupt real zu kaufen gibt, hat mit der Filmgeschichte zu tun. Um den Kinofilm von 1971 zu bewerben, brachte ein US-Süßwarenhersteller kurz darauf eine eigene Produktlinie unter dem Namen Willy Wonka Brands auf den Markt, zu der auch der Everlasting Gobstopper gehörte. Die Marke wechselte seither mehrfach den Besitzer und gehört heute, nach mehreren Übernahmen in der Süßwarenbranche, zum US-Konzern Ferrara. In Deutschland tauchen die bunten Kugeln vor allem als Importware auf, amerikanische Süßwarenshops und Naschkataloge führen sie regelmäßig, meist im Netzbeutel mit mehreren Bonbons pro Packung.
Bei der Herstellung von mehrschichtigen Hartbonbons wird grundsätzlich ähnlich vorgegangen wie bei anderen sogenannten kaschierten Bonbonsorten: Auf einen Kern werden nacheinander viele hauchdünne Zucker- und Aromaschichten aufgetragen, bis die gewünschte Größe erreicht ist, ganz ähnlich wie bei Blätterteig, nur eben aus Zucker statt aus Mehl. Zucker ist dabei fast immer die Hauptzutat der bunten Schichten, anders als bei Zuckeralkoholen wie Xylit, die eher in zuckerfreien Bonbonvarianten vorkommen.
Ein Bonbon zwischen Fiktion und Naschregal
Der Everlasting Gobstopper bleibt ein schönes Beispiel dafür, wie eine literarische Erfindung ihren Weg in echte Naschregale findet, auch wenn die Realität dem Zauber aus dem Buch nicht ganz gerecht wird. Wer nach Roald Dahls Klassiker Lust auf weitere popkulturelle Süßigkeiten mit eigener Geschichte hat, findet bei den Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung aus der Harry-Potter-Welt ein ganz ähnliches Prinzip: Süßigkeiten, die mehr über die Geschichte erzählen, aus der sie stammen, als über ihren tatsächlichen Geschmack.



