StartEsskultur & GeschichteEssen im 7. Jahrhundert

Essen im 7. Jahrhundert

Das 7. Jahrhundert ist die Epoche, in der sich die Verhältnisse nach dem Einbruch der vorangegangenen Jahrzehnte allmählich wieder stabilisieren. Es ist kein Jahrhundert großer Ereignisse für die Ernährungsgeschichte, sondern eines langsamer Konsolidierung, und genau das macht es interessant.

Die folgende Zusammenstellung stützt sich auf klimageschichtliche Forschung und archäobotanische Befunde.

Das Klima wird günstiger

Die kalte, wechselhafte Phase, die mehr als drei Jahrhunderte angehalten hatte, endete in dieser Zeit. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz berichtete über eine Rekonstruktion des europäischen Sommerklimas anhand von rund 9.000 Hölzern, nach der ab dem 7. Jahrhundert Temperaturen und Niederschläge zunahmen und diese Entwicklung mit dem kulturellen Aufstieg des Mittelalters einherging.

Für die Landwirtschaft bedeutet das mehr Ertragssicherheit, längere Vegetationsperioden und die Möglichkeit, Anbau in Lagen auszudehnen, die zuvor grenzwertig waren. Die Forschenden warnen allerdings ausdrücklich vor vereinfachten Ursache-Folge-Verknüpfungen, und diese Einschränkung gehört zum Befund.

Klöster als Motoren der Landwirtschaft

Die prägende Entwicklung des 7. Jahrhunderts ist die Welle von Klostergründungen, getragen unter anderem von der iroschottischen Mission. Für die Ernährungsgeschichte ist das entscheidend, weil jede Klostergründung zugleich ein landwirtschaftliches Erschließungsprojekt war.

Klöster wurden häufig in bislang wenig genutztem Gebiet angelegt. Dort mussten sie roden, Felder anlegen, Gärten einrichten, Mühlen bauen und Vorräte organisieren. Sie brachten damit systematische Landwirtschaft in Regionen, in denen zuvor extensiv gewirtschaftet worden war.

Hinzu kam ein organisatorischer Vorteil: Ein Kloster überdauert Generationen. Investitionen, die sich erst nach Jahrzehnten auszahlen, etwa Obstanlagen oder Fischteiche, ergeben für eine solche Institution Sinn, für einen einzelnen Haushalt oft nicht.

Roggen setzt sich durch

Im Verlauf dieser Jahrhunderte verschob sich das Getreidespektrum nördlich der Alpen zugunsten des Roggens. Er ist winterhart, verträgt saure und sandige Böden und liefert auch dort noch Erträge, wo Weizen ausfällt.

Interessant ist die Entstehungsgeschichte dieser Art: Roggen war ursprünglich ein Unkraut in Weizenfeldern und setzte sich in ungünstigen Lagen gegen die eigentliche Kulturpflanze durch, bevor er selbst kultiviert wurde. Für Mitteleuropa erwies sich das als Glücksfall.

Daneben blieben Gerste, Hafer, Emmer, Einkorn und Hirse in Gebrauch. Welche Art dominierte, entschied vor allem der Boden.

Recht und Nahrung

Aus dieser Zeit stammen die frühen germanischen Rechtsaufzeichnungen, die für die Ernährungsgeschichte indirekt aufschlussreich sind. Sie beschreiben keine Mahlzeiten, aber sie zeigen, was als schützenswert galt.

Das Historische Lexikon Bayerns verweist auf die Lex Baiwariorum aus dem 6. bis 8. Jahrhundert, in der Bierlieferungen als Abgaben auftauchen. Dass Bier bereits in dieser Zeit Gegenstand rechtlicher Regelungen war, sagt viel über seinen Stellenwert: Es war ein Wirtschaftsgut, nicht ein Genussmittel.

Wie gewirtschaftet wurde

Die Feldwirtschaft war in dieser Zeit noch überwiegend einfach organisiert. Systeme mit geregelter Fruchtfolge über mehrere Felder waren im Entstehen, aber noch nicht die Norm. Das Historische Lexikon Bayerns datiert erste bayerische Hinweise auf die Dreifelderwirtschaft ins 10. Jahrhundert, eindeutige Belege für die Verzelgung ins frühe 10. Jahrhundert.

Eine Urkunde von 827 aus Hebertshausen, die dieselbe Quelle anführt, belegt jährlich dreimaliges Pflügen. Das 7. Jahrhundert liegt also vor dieser Entwicklung, in einer Phase, in der die intensiveren Systeme sich erst herausbildeten.

Was den Speiseplan bestimmte

Für die Ernährung selbst gilt, was schon für das vorangegangene Jahrhundert galt. Getreidebrei bildete die Grundlage, ergänzt durch Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben und Zwiebeln, dazu Milchprodukte, gelegentlich Fleisch, überwiegend vom Schwein aus der Waldmast.

Gesammeltes aus dem Wald spielte eine erhebliche Rolle: Nüsse, Beeren, Pilze, Eicheln. Diese Beiträge tauchen in keiner Quelle auf, weil sie niemandem etwas kosteten, waren aber gerade in den Monaten vor der neuen Ernte entscheidend.

Was das Jahrhundert kennzeichnet

Das 7. Jahrhundert ist eine Übergangsphase ohne markante Zäsur: bessere klimatische Bedingungen, mehr Klöster, mehr Rodung, allmählich wieder anwachsende Bevölkerung. Sichtbar wurde das erst in den folgenden Jahrhunderten, als karolingische Verwaltung diese Grundlagen erfasste und ordnete.

Dieser Beitrag gehört zur Reihe über das Essen im Mittelalter, in der alle Epochen, Lebensmittelgruppen und Stände einzeln behandelt werden.

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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