Der Weltcocktailtag am 13. Mai geht auf ein sehr konkretes Dokument zurück. Am 13. Mai 1806 erschien in einer Zeitung im US-Bundesstaat New York die erste bekannte gedruckte Definition des Wortes cocktail. Sie beschrieb ihn als anregendes Getränk aus Spirituose beliebiger Art, Zucker, Wasser und Bitter.
Vier Bestandteile, kein Rezept
An dieser Definition ist bemerkenswert, wie präzise und zugleich offen sie ist. Sie nennt keine bestimmte Spirituose und keine Mengen, sondern nur ein Bauprinzip aus vier Rollen:
- Die Spirituose als Basis und Träger
- Zucker als Gegengewicht zur Schärfe des Alkohols
- Wasser zur Verdünnung
- Bitter als würzende Komponente
Genau dieses Gerüst trägt bis heute. Ein Old Fashioned besteht aus nichts anderem, und auch modernere Cocktails lassen sich fast immer auf dieses Verhältnis zurückführen, wobei die Säure aus Zitrusfrüchten später als fünfte Rolle dazukam.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.

Das Eis ist eine Zutat
Der am häufigsten unterschätzte Bestandteil ist das Wasser, und in der Praxis kommt es meist aus dem Eis. Beim Schütteln oder Rühren schmilzt ein Teil davon, und diese Verdünnung ist keine Panne, sondern eingeplant. Ein Cocktail ohne sie wäre scharf und geschlossen.
Daraus erklärt sich auch der Unterschied zwischen den beiden Techniken. Geschüttelt wird, was trübe Zutaten enthält, also Säfte, Sirup oder Eiweiß: Das Schütteln kühlt schnell, verdünnt stärker und schlägt Luft ein. Gerührt wird, was klar bleiben soll, also reine Spirituosenmischungen. Ein gerührter Drink wirkt dichter und schwerer, ein geschüttelter leichter und lebendiger.
Ein zweiter Punkt ist die Eisgröße. Große Eiswürfel haben im Verhältnis zum Volumen weniger Oberfläche und schmelzen langsamer, der Drink bleibt länger konzentriert. Crushed Ice verdünnt dagegen schnell, was bei stark aromatischen Drinks gewollt sein kann.
Was bei Fertigcocktails auffällt
Interessant wird es bei Flaschenware. Die bayerische Lebensmittelüberwachung hat in einer Untersuchung 72 aromatisierte weinhaltige Getränke und Cocktails geprüft und dabei Alkoholgehalt, Weinanteil sowie Geschmack, Geruch und Aussehen bewertet.
Das Ergebnis: zwölf Beanstandungen, darunter drei Proben mit irreführenden Aromaangaben und drei, bei denen der tatsächliche Alkoholgehalt außerhalb der zulässigen Toleranz zum deklarierten Wert lag. Kennzeichnungsmängel machen dabei den größten Teil der Beanstandungen aus.
Zwei rechtliche Eckpunkte helfen beim Einordnen:
- Ab 1,2 Volumenprozent Alkohol muss der Alkoholgehalt auf dem Etikett stehen
- Als spirituosenhaltige Getränke gelten alkoholische Mischgetränke mit Spirituosen und weniger als 15 Volumenprozent
Versteckter Alkohol
Ein Randthema mit praktischer Relevanz: Alkohol steckt auch in Produkten, bei denen ihn niemand vermutet, etwa in Aromen, Füllungen und manchen Fruchtsaftgetränken. Unterhalb der Kennzeichnungsschwelle taucht er auf dem Etikett nicht als Alkoholangabe auf. Für die meisten Menschen ist das irrelevant, für Schwangere und trockene Alkoholiker nicht.
Alkoholfrei ist kein Widerspruch
Alkoholfreie Cocktails funktionieren, wenn sie dieselben Rollen besetzen. Die Basis übernehmen dann kräftige Aufgüsse, Säfte oder Kombucha, die bittere Komponente etwa Tonic, Grapefruit oder starker Tee.
Der Punkt, an dem sie meist scheitern, ist der Alkohol selbst: Er trägt Aromastoffe, verlängert den Nachgeschmack und gibt Körper. Wer ihn weglässt, muss diese Struktur über Bitterkeit, Säure und Textur ersetzen, sonst schmeckt das Ergebnis wie gemischter Saft. Genau deshalb sind die guten alkoholfreien Drinks fast immer die bitteren.
Weitere Termine dieser Art, vom Internationalen Whisky-Tag im März bis zum Tag des Weines, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

