Der Welternährungstag am 16. Oktober fällt aus der Reihe der kulinarischen Gedenktage heraus. Hier geht es nicht um Genuss, sondern um Versorgung, und der Termin ist kein Marketingeinfall, sondern ein Gründungsdatum.
Der Gründungstag der FAO
Am 16. Oktober 1945 gründeten 42 Länder im kanadischen Québec die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, kurz FAO. Sie war eine der ersten Sonderorganisationen der jungen UN überhaupt, was einiges darüber sagt, wie dringend das Thema unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war.
Seit 1981 wird dieser Tag als Welternährungstag begangen. Er fällt damit zufällig in dieselbe Woche wie mehrere andere Lebensmitteltermine, unter anderem der Weltbrottag, was den Kalender in dieser Oktoberwoche ungewöhnlich dicht macht.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Wie viele Menschen hungern
Die Zahlen des UN-Welthungerberichts sind der eigentliche Inhalt des Tages, und sie erzählen eine ambivalente Geschichte.
- 2024 litten rund 673 Millionen Menschen an chronischem Hunger
- Das entspricht 8,2 Prozent der Weltbevölkerung, nach 8,5 Prozent 2023 und 8,7 Prozent 2022
- Der Höchststand lag während der Pandemie bei 697 Millionen
- Im ersten Pandemiejahr 2020 sprang die Hungerrate von 7,5 auf 8,5 Prozent
Die Richtung stimmt also, das Tempo nicht. Der Wert von 8,2 Prozent wurde bereits 2011 erreicht, die Welt steht in dieser Kennzahl damit ungefähr dort, wo sie vor über einem Jahrzehnt schon einmal war. In Afrika und im Nahen Osten steigen die Zahlen zuletzt sogar wieder.
Deutschland ist bei der Bekämpfung nach den USA seit Jahren der zweitgrößte Geber weltweit und investierte 2022 rund vier Milliarden Euro in humanitäre Nahrungsmittelhilfe und krisenfeste Ernährungssysteme.
Was die Welt tatsächlich ernährt
Hier wird der Tag auch für Warenkunde interessant. Die weltweite Kalorienversorgung hängt an einer erstaunlich kleinen Zahl von Pflanzen. Reis, Weizen und Mais liefern zusammen den größten Teil der pflanzlichen Kalorien, dazu kommen Kartoffeln, Maniok und Hirse.
Diese Konzentration ist ein Risiko. Je weniger Arten die Versorgung tragen, desto größer die Folgen, wenn eine davon durch Krankheit, Dürre oder Schädlinge ausfällt. Genau deshalb steht bei der FAO die Vielfalt der Kultursorten so weit oben, und genau deshalb hat auch der Tag der Kartoffel seinen Schwerpunkt auf Ernährungssicherung statt auf Rezepten.
Die Kartoffel ist dabei ein gutes Beispiel: Sie liefert auf wenig Fläche viele Kalorien, kommt mit schwierigen Böden zurecht und ist deshalb in vielen Ländern eine Absicherung gegen Getreideausfälle.

Nicht nur zu wenig, sondern auch das Falsche
Ein Punkt, der beim Stichwort Hunger oft untergeht: Neben der Unterernährung steht die Fehlernährung. Gemeint ist eine Versorgung, die zwar genug Kalorien liefert, aber zu wenig Mikronährstoffe, also Vitamine und Mineralstoffe. Die Folgen reichen von Blutarmut bis zu Entwicklungsstörungen bei Kindern.
Dass ausgewogene Ernährung teurer ist als reine Sättigung, ist dabei das strukturelle Problem. Reis und Öl sind billig, Gemüse, Obst und tierische Lebensmittel sind es nicht. Wer wenig Geld hat, isst deshalb nicht zwangsläufig zu wenig, aber sehr häufig zu einseitig.
Was der Tag im Alltag bedeutet
Der Welternährungstag lässt sich schwer feiern, und das ist wohl auch nicht der Punkt. Sinnvoll nutzen lässt er sich am ehesten als Anlass, den eigenen Umgang mit Lebensmitteln anzuschauen. In Deutschland landen jährlich Millionen Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll, während anderswo die Versorgung nicht reicht.
Dass eine gute Ernte historisch alles andere als selbstverständlich war, zeigt der Blick auf das Erntedankfest, das genau diese Unsicherheit zum Anlass hatte. Und wie stark Getreide die Versorgung bestimmte, wird beim Thema Brot und Getreide im Mittelalter deutlich.
Weitere Termine dieser Art, vom Weltmilchtag im Juni bis zum Weltvegantag im November, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.
Quellen
- Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: UN-Welthungerbericht, Hunger nimmt ab, aber nicht überall
- Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: Internationale Tage
- Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Hunger beseitigen, Ernährung sichern
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Internationale Projekte

