StartKulinarische FeiertageWeltvegantag am 1. November: Herkunft, Zahlen und Nährstoffe

Weltvegantag am 1. November: Herkunft, Zahlen und Nährstoffe

Der Weltvegantag am 1. November ist einer der wenigen Gedenktage, bei denen sich der Anlass exakt benennen lässt: Er wurde 1994 zum fünfzigsten Jahrestag der britischen Vegan Society ausgerufen. Damit erinnert der Tag nicht an ein Lebensmittel, sondern an die Entstehung eines Begriffs.

Das Wort ist jünger als die Sache

Vegetarisch lebende Menschen gab es lange vorher. Das Wort vegan dagegen entstand erst im November 1944, als eine Gruppe um Donald Watson sich von der Vegetarian Society abspaltete, weil sie auch Milch und Eier ablehnte. Gebildet wurde es aus dem Anfang und dem Ende von vegetarian, was ausdrücken sollte, dass der Vegetarismus hier zu Ende gedacht wird.

Ein genauer Gründungstag ist nicht überliefert, nur der Monat. Deshalb wurde fünfzig Jahre später der 1. November gewählt, und deshalb ist der Weltvegantag streng genommen ein Gedächtnistag für eine Wortschöpfung. Der Unterschied zu den beiden Ernährungsformen ist bis heute der entscheidende Punkt: Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, Veganer auf alle Produkte tierischen Ursprungs.

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Was der deutsche Markt hergibt

Interessanter als Bekenntnisse sind die Produktionszahlen, und die haben zuletzt eine Wende genommen. 2025 wurden in Deutschland 124.900 Tonnen Fleischersatzprodukte hergestellt, 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr mit 126.500 Tonnen. Auch der Produktionswert sank, von 647,1 auf 632,6 Millionen Euro.

Das ist der erste Rückgang nach Jahren des Wachstums, und die längere Linie relativiert ihn deutlich: Gegenüber 2019 mit 60.400 Tonnen hat sich die Produktion mehr als verdoppelt, ein Plus von 107 Prozent. Pro Kopf gerechnet lag die Produktion 2024 bei rund 1,5 Kilogramm.

Was unter Fleischersatz fällt, ist dabei breiter, als der Name vermuten lässt. Die amtliche Kategorie umfasst vegetarische Brotaufstriche, Tofu, Sojabratlinge und alles, was optisch an Wurst erinnert.

Was die DGE 2024 geändert hat

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Position zur veganen Ernährung 2024 neu gefasst, und die Änderung ist relevant. Für gesunde Erwachsene kann eine vegane Ernährung demnach gesundheitsförderlich sein, allerdings unter drei Bedingungen: zuverlässige Supplementierung von Vitamin B12, eine ausgewogene und gut geplante Lebensmittelauswahl und eine ausreichende Zufuhr der potenziell kritischen Nährstoffe.

Für Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Senioren spricht die DGE weder eine Empfehlung dafür noch dagegen aus, weil die Datenlage für diese Gruppen zu dünn ist. Das ist ausdrücklich eine Veränderung gegenüber der früheren Position, in der von veganer Ernährung für diese Gruppen abgeraten wurde. Aus „abgeraten“ ist also „nicht beurteilbar“ geworden, was etwas anderes ist als eine Freigabe.

Die kritischen Nährstoffe

Der wichtigste Punkt ist unstrittig: Vitamin B12 kommt in nennenswerten Mengen nur in tierischen Lebensmitteln vor. Bei rein pflanzlicher Ernährung ist die Versorgung ohne Supplement oder angereicherte Lebensmittel nicht sichergestellt, und das gilt für alle Altersgruppen. Ein Mangel entwickelt sich langsam, weil der Körper Vorräte anlegt, kann aber neurologische Schäden verursachen.

Daneben stehen weitere Nährstoffe, bei denen die Versorgung Planung verlangt:

  • Jod, in Deutschland ohnehin ein Engpass
  • Protein, genauer die Zusammensetzung der Aminosäuren
  • Langkettige Omega-3-Fettsäuren
  • Vitamin D und Vitamin B2
  • Calcium, Eisen, Zink und Selen

Bei Schwangeren und Stillenden nennt die DGE ausdrücklich die Vitamine B12, B2, A und D als Punkte, die über Supplemente oder angereicherte Lebensmittel abgedeckt werden müssen.

Was daraus nicht folgt: dass vegane Ernährung automatisch gesund oder automatisch mangelhaft wäre. Beides sind Verkürzungen. Entscheidend ist die Planung, und der einzige Punkt, an dem Planung nicht reicht, ist B12.

Womit ersetzt wird

Beim Milchersatz entscheidet weniger die Gesundheit als der Geschmack, und die Unterschiede sind größer als oft angenommen. Hafermilch schmeckt getreidig und von Natur aus süßlich, weil beim Herstellungsprozess Stärke enzymatisch in Zucker zerlegt wird. Sojamilch bringt den höchsten Proteingehalt mit, hat aber eine bohnige Note. Mandelmilch ist am dünnsten und enthält oft nur wenige Prozent Mandeln.

Drei Gläser mit Haferdrink, Sojadrink und Mandeldrink nebeneinander, davor Haferflocken, Sojabohnen und Mandeln
Hafer, Soja und Mandel unterscheiden sich in Geschmack, Protein und Konsistenz deutlich (Bild KI-generiert)

Beim Fleischersatz ist Tofu das älteste und neutralste Produkt. Er schmeckt praktisch nach nichts und lebt davon, Aromen aufzunehmen, was ihn zum Gegenteil der stark gewürzten Convenience-Produkte macht.

Was der Tag praktisch bringt

Der 1. November eignet sich weniger für Grundsätzliches als für einen Test: ein bekanntes Gericht einmal ohne tierische Zutaten kochen und schauen, was dabei fehlt und was nicht. Bei kräftig gewürzten Gerichten fällt der Unterschied oft kaum auf, bei allem, was von Fett und Umami lebt, dagegen sofort.

Weitere Termine dieser Art, vom Tag der Bratwurst im August bis zum Martinstag zehn Tage später, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

Quellen

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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