StartKulinarische FeiertageTag der Zimtschnecke am 4. Oktober: Herkunft und Zimtfrage

Tag der Zimtschnecke am 4. Oktober: Herkunft und Zimtfrage

Der Tag der Zimtschnecke am 4. Oktober ist der wohl erfolgreichste Import unter den kulinarischen Gedenktagen im deutschen Sprachraum. Er kommt aus Schweden, heißt dort Kanelbullens dag, ist noch keine dreißig Jahre alt und wurde von Anfang an mit einer erstaunlich nüchternen Terminlogik geplant.

Ein Gedenktag aus dem Jahr 1999

Ausgerufen wurde der Tag 1999 von Kaeth Gardestedt, damals Projektleiterin beim schwedischen Hembakningsrådet, dem Heimbackrat. Anlass war das vierzigjährige Bestehen dieser Organisation, die 1999 kurzerhand zum Jahr der Zimtschnecke erklärte. Ziel war es, das schwedische Selberbacken sichtbar zu machen.

Die Wahl des 4. Oktober ist der interessanteste Teil. Gesucht wurde ein Herbsttermin, der mit nichts anderem kollidiert: nicht mit Apfelfesten, nicht mit Krebsessen, nicht mit dem Gänseschmaus und nicht mit der Surströmming-Saison. Es ging also nicht darum, ein historisches Datum zu würdigen, sondern darum, eine Lücke im Kalender zu besetzen. Genau das erklärt, warum der Tag funktioniert: Er stört niemanden und fällt in eine Jahreszeit, in der Ofenwärme und Zimt ohnehin wieder attraktiv werden.

Quiz

Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.

Quiz starten10 Fragen · ca. 2 Minuten

In Deutschland fällt der 4. Oktober 2026 zufällig mit dem Erntedankfest zusammen, das ebenfalls auf den ersten Oktobersonntag gelegt wird.

Was eine Kanelbulle von einer Zimtschnecke unterscheidet

Die schwedische Zimtschnecke ist nicht dasselbe Gebäck wie die amerikanische Cinnamon Roll, auch wenn beide gleich aussehen. Der Unterschied liegt in drei Punkten.

Erstens der Teig: Ein Hefeteig, der fast immer mit gemahlenem Kardamom gewürzt ist. Diese Note ist für den schwedischen Charakter entscheidender als der Zimt selbst, und sie fehlt in den meisten deutschen Nachbauten.

Zweitens die Süße: Die Kanelbulle ist deutlich weniger süß und trägt statt einer Zuckerglasur meist nur Perlzucker obenauf. Die amerikanische Variante wird dagegen mit Frischkäse-Frosting überzogen, was den Gebäckcharakter komplett verschiebt.

Drittens der Anlass: Sie gehört zur Fika, der schwedischen Kaffeepause, die kein Snack ist, sondern eine feste soziale Einrichtung. Wer sie mit einer Tasse Kaffee isst, macht es also richtig.

Welcher Zimt in der Schnecke steckt, ist keine Nebensache

Hier wird es über die Backstube hinaus relevant. Im Handel dominiert Cassia-Zimt, weil er billiger und kräftiger ist. Er enthält allerdings Cumarin, einen natürlichen Aromastoff, der in höheren Mengen leberschädigend wirken kann.

Die Zahlen dazu sind eindeutig. Cassia-Zimt enthält im Mittel etwa 3.000 Milligramm Cumarin je Kilogramm, Spitzenwerte lagen bei 10.000 Milligramm. Ceylon-Zimt dagegen enthält nur geringe Mengen, die als unbedenklich gelten.

Der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit abgeleitete tolerierbare tägliche Aufnahmewert liegt bei 0,1 Milligramm Cumarin je Kilogramm Körpergewicht, und zwar bezogen auf lebenslange tägliche Aufnahme. Praktisch heißt das:

  • Bei einem Erwachsenen mit 60 Kilogramm ist der Wert bei etwa 2 Gramm Cassia-Zimt am Tag erreicht
  • Bei einem Kleinkind mit 15 Kilogramm bereits bei rund 0,5 Gramm
  • Umgerechnet auf Zimtsterne wäre der Wert für dieses Kind bei etwa 30 Gramm, also rund sechs kleinen Zimtsternen täglich, ausgeschöpft

Wichtig ist die Einordnung: Der Wert bezieht sich auf die dauerhafte tägliche Aufnahme. Eine Zimtschnecke am 4. Oktober ist damit kein Problem. Wer allerdings viel und regelmäßig mit Zimt backt, fährt mit Ceylon-Zimt besser. Genau das empfiehlt auch das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Für traditionelles und saisonales Gebäck, bei dem Zimt in der Kennzeichnung genannt wird, gilt in der EU außerdem ein Höchstgehalt von 50 Milligramm Cumarin je Kilogramm Lebensmittel. Mehr zu den Sorten und ihren Unterschieden steht im Beitrag darüber, wie Zimt schmeckt.

Woran man die Sorte erkennt

An der Stange ist der Unterschied gut sichtbar. Ceylon-Zimt besteht aus vielen dünnen, ineinander gerollten Schichten und lässt sich zwischen den Fingern zerbröseln. Cassia-Zimt ist eine einzelne dicke Rindenröhre, hart und deutlich robuster.

Dünne mehrschichtige Ceylon-Zimtstangen links neben dicken einröhrigen Cassia-Zimtstangen rechts, davor jeweils gemahlener Zimt
Links Ceylon mit vielen dünnen Schichten, rechts Cassia als einzelne dicke Röhre (Bild KI-generiert)

Bei gemahlenem Zimt hilft nur die Verpackung, und dort steht die Sorte nicht immer. Ceylon-Zimt wird oft als Kaneel bezeichnet und kostet spürbar mehr. Im Geschmack ist er feiner, blümiger und weniger scharf, was in einem Hefeteig eher ein Vorteil ist.

Warum der Tag so gut ankommt

Von allen Gedenktagen dieser Art hat der Tag der Zimtschnecke im deutschen Suchverhalten überraschend viel Gewicht, mehr als etliche ältere und offizieller wirkende Termine. Der Grund liegt vermutlich darin, dass er ein konkretes Gebäck benennt statt einer abstrakten Warengruppe. Ein Tag des Backwerks hätte niemanden interessiert, eine Zimtschnecke hat jeder vor Augen.

Weitere Termine dieser Art, vom Tag der Schokolade bis zum Martinstag, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

Quellen

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
Verwandte Artikel

Beliebte Artikel