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Wie schmeckt Sanddorn?

Dicht wachsende orangerote Sanddornbeeren an einem dornigen Zweig mit schmalen, silbrig-grünen Blättern

Wer schon einmal versucht hat, eine reife Sanddornbeere direkt vom Strauch zu probieren, vergisst dieses Erlebnis so schnell nicht wieder. Die kleinen, orangeroten Beeren sehen appetitlich aus, fast wie winzige Trauben an einem sperrigen Zweig, doch der erste Biss fällt meist deutlich schärfer aus als erwartet. Kein Wunder, dass Sanddorn hierzulande fast ausschließlich verarbeitet im Regal steht und kaum jemand die Frucht roh aus der Hand isst.

Wie schmeckt Sanddorn genau?

Sanddorn schmeckt intensiv sauer und herb, mit einer kräftigen, fast beißenden Säure, die spürbar über der von Zitrone oder Grapefruit liegt. Dazu kommt eine leicht bittere, harzige Note, die im Nachgeschmack durchkommt und die Beeren pur für die meisten Menschen kaum genießbar macht.

Ähnlich wie bei der Kiwi, bei der unreife Früchte deutlich saurer schmecken als reife, spielt auch beim Sanddorn der Erntezeitpunkt eine Rolle für die Intensität der Säure. Anders als die Kiwi wird Sanddorn dadurch aber nie wirklich süß, sondern bleibt selbst ausgereift eine der sauersten heimischen Früchte überhaupt. In der Küche wird er deshalb fast immer mit etwas Süße kombiniert, etwa mit Honig, Apfel oder Orange, um die Säure abzurunden, ohne sie ganz zu verdecken.

Herkunft und Anbau: der Strauch der Küsten und Flusstäler

Sanddorn, botanisch Hippophae rhamnoides, ist ein dorniger Strauch, der bis zu vier Meter hoch wachsen kann und mit seinen schmalen, silbrig schimmernden Blättern schon von Weitem auffällt. Die Pflanze bevorzugt sandige, nährstoffarme Böden und wächst in Deutschland vor allem an der Nord- und Ostseeküste sowie in den Flusstälern des Alpenvorlands, wie das Bundeszentrum für Ernährung erläutert.

Die größten heimischen Anbauflächen liegen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, weltweit dominiert allerdings China mit weitem Abstand die Erzeugung. Geerntet wird von August bis Oktober. Weil die kleinen Früchte fest an den dornigen Zweigen sitzen und beim direkten Pflücken schnell platzen, schneiden viele Erzeuger stattdessen ganze Äste ab, frieren sie ein und schütteln die Beeren anschließend im gefrorenen Zustand ab. Das schont sowohl die Früchte als auch die Hände der Erntehelfer.

Dicht wachsende orangerote Sanddornbeeren an einem dornigen Zweig mit schmalen, silbrig-grünen Blättern
Die kleinen Beeren sitzen dicht an dornigen Zweigen, was die Ernte von Hand erschwert

Nährwerte: mehr Vitamin C als Zitrone und Orange

Den Beinamen „Zitrone des Nordens“ hat sich Sanddorn redlich verdient. Laut Bundeszentrum für Ernährung enthalten Kultursorten zwischen 150 und 300 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm, bei wild wachsenden Pflanzen sind sogar bis zu 1.200 Milligramm möglich. Zum Vergleich: Eine Zitrone kommt laut VerbraucherFenster Hessen nur auf rund 51 Milligramm pro 100 Gramm, was Sanddorn je nach Sorte auf das Drei- bis Zehnfache des Zitronen-Werts bringt und auch klassische Orangen deutlich hinter sich lässt.

Neben Vitamin C liefert die Frucht nennenswerte Mengen Vitamin E, Provitamin A sowie B-Vitamine, dazu Flavonoide, Kalzium und Magnesium. Wichtig für die Küchenpraxis: Vitamin C ist empfindlich gegenüber Hitze und Licht, weshalb der Gehalt mit Erntezeitpunkt, Transport, Lagerung und Zubereitung schwankt.

Sanddorn in der Küche: Saft, Likör und Konfitüre

Weil das Fruchtfleisch pur so sauer ist, landet Sanddorn in der Küche fast ausschließlich verarbeitet auf dem Tisch. Aus den Beeren werden Saft, Nektar, Sirup und Fruchtaufstrich hergestellt, außerdem Likör, der die Säure mit Zucker und Alkohol ausgleicht. Das Fruchtmark eignet sich für Müsli, Joghurt und Gebäck, aber auch für pikante Gerichte wie eine Sanddorn-Kürbis-Suppe, bei der die Säure einen angenehmen Kontrast zur Süße des Kürbis liefert. Getrocknete Beeren werden zudem gerne als Teezutat verwendet.

Was ist dran am Ruf als Vitamin-C-Kraftpaket?

Der außergewöhnlich hohe Vitamin-C-Gehalt macht Sanddorn zweifellos zu einer der ergiebigsten heimischen Vitaminquellen. Vitamin C trägt nachweislich zur normalen Funktion des Immunsystems bei, das ist eine gut belegte, allgemein anerkannte Eigenschaft des Vitamins selbst und nicht spezifisch an Sanddorn gebunden. Wer also regelmäßig Sanddornsaft oder -mark isst, nimmt damit tatsächlich viel Vitamin C auf, ein Wundermittel gegen Erkältungen oder eine pauschale Immunstärkung über den normalen Vitaminbedarf hinaus lässt sich daraus aber nicht ableiten. Für eine ausgewogene Vitamin-C-Versorgung reicht ohnehin schon eine bunte Mischung aus Obst und Gemüse völlig aus, Sanddorn ist dabei einfach eine besonders konzentrierte Variante.

Am Ende bleibt Sanddorn eine Frucht der Extreme: zu sauer für den Rohgenuss, dafür aber genau richtig für Saft, Likör und Konfitüre, wo seine Säure und sein sattes Orange erst richtig zur Geltung kommen.