Kaum ein fiktives Getränk hat es zu so viel Kultstatus gebracht wie Slurm aus der Zeichentrickserie „Futurama“. Es ist das mit Abstand beliebteste Getränk im Jahr 3000, Fry ist praktisch süchtig danach, und der Werbeslogan bringt es schonungslos auf den Punkt: „It’s highly addictive!“ Aber gibt es das Zeug wirklich, und was steckt eigentlich drin?
Die kurze Antwort: Slurm existiert nur in der Serie. Es gibt kein echtes Produkt dieses Namens im Handel, weder als Lizenzware noch als Marke. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick, denn kaum ein Running Gag in „Futurama“ ist so konsequent zu Ende erzählt wie dieser.
Die Folge, die alles erklärt
Eingeführt wird Slurm bereits in der ersten Staffel, richtig berühmt wird es aber durch die Episode „Fry and the Slurm Factory“ (auf Deutsch „Die Party mit Slurm McKenzie“). Fry gewinnt darin einen Wettbewerb: Wer die goldene Kapsel in einer Slurm-Dose findet, darf die Fabrik besuchen und an einer Party mit dem Maskottchen Slurms McKenzie teilnehmen. Bei der Werksführung landen Fry, Leela und Bender im Slurm-Fluss und werden in einen Strudel gezogen, der sie unter die eigentliche Fabrik spült. Dort entdecken sie, dass die schöne Besucherfabrik nur eine Kulisse war.
Was sie darunter finden, ist der eigentliche Witz der Folge: Slurm wird von einem riesigen Wurmwesen abgesondert, der sogenannten Slurm-Königin. Ein Nutzer im deutschen SciFi-Forum bringt die Enthüllung von Professor Farnsworth so auf den Punkt: „It seems that Slurm is produced in a colossal worm hiney.“ Das Getränk, für das die halbe Menschheit im Jahr 3000 Schlange steht, ist also im Kern ein Ausscheidungsprodukt. Fry weiß das ab diesem Moment auch, trinkt aber ungerührt weiter, seine Abhängigkeit ist stärker als sein Ekel.
Eine Parodie mit mehreren Ebenen
„Futurama“ nutzt Slurm nicht nur für einen einzelnen Ekel-Gag, sondern für eine ganze Reihe von Seitenhieben auf die reale Getränkeindustrie. Das Maskottchen Slurms McKenzie ist eine unverkennbare Anspielung auf Spuds MacKenzie, den Party-Hund, mit dem Bud Light in den 1980er-Jahren warb. In Optik und Marketing erinnert Slurm zudem an grelle amerikanische Erfrischungsgetränke wie Mountain Dew oder Surge, die genau mit dem Versprechen von Zucker, Koffein und Nervenkitzel geworben haben.
Besonders clever ist die zweite Ebene der Satire, die erst nach der Enthüllung greift. Um den Imageschaden zu begrenzen, bringt der Hersteller kurzzeitig „New Slurm“ auf den Markt und lässt Leela sogar als neues Gesicht der Marke antreten, bevor am Ende doch wieder das alte Original als „Slurm Classic“ zurückkehrt. Das ist eine ziemlich direkte Parodie auf das reale New-Coke-Debakel von Coca-Cola aus dem Jahr 1985, als der Konzern seine Originalrezeptur änderte, prompt einen Sturm der Entrüstung erntete und wenige Monate später zur klassischen Formel zurückruderte. Auch das Gewinnspiel mit der goldenen Kapsel in der Dose ist keine Erfindung der Serie, sondern eine Überzeichnung realer Promo-Aktionen, bei denen Softdrink-Hersteller seit Jahrzehnten Preise in Verpackungen verstecken, um den Absatz zu pushen.
Fans haben trotzdem eigene Versionen gebaut
Dass es Slurm offiziell nicht gibt, hat findige Fans nicht davon abgehalten, sich eigene Nachbauten auszudenken. In etlichen englischsprachigen Foren und auf Rezeptseiten kursieren seit Jahren selbstgemachte „Slurm“-Limonaden, meist grün eingefärbt und stark an Mountain Dew angelehnt, mit viel Zucker, Zitrusnoten und manchmal einem Schuss Ingwer oder Limette für den nötigen Kick. Wichtig dabei: Das sind private Fan-Kreationen einzelner Hobbyköche, keine offiziellen oder lizenzierten Produkte, und sie haben mit der eigentlichen Pointe der Serie, dem zweifelhaften Ursprung des Getränks, nur die Optik gemeinsam.
Selbst die Behörde, die im Hintergrund für die Zulassung von Slurm zuständig ist, ist Teil des Witzes: Sie heißt „Bureau of Soft Drinks, Tobacco, and Firearms“ und ist eine offensichtliche Verballhornung der echten US-Behörde für Alkohol, Tabak und Schusswaffen. Die Serie deutet damit an, dass Softdrinks in ihrer Suchtwirkung in einem Atemzug mit Alkohol und Tabak reguliert gehören, nur dass bei Slurm eben niemand genau hinschaut, was tatsächlich drin ist. Genau diese Mischung aus Behördensatire, Markenparodie und Ekel-Pointe macht die Folge bis heute zu einer der meistzitierten der ganzen Serie.
Am Ende funktioniert der Slurm-Gag genau deshalb so gut, weil er zwei Dinge gleichzeitig ist: ein absurder Ekel-Twist und eine ziemlich treffende Beobachtung darüber, wie wenig Konsument:innen oft wirklich wissen wollen, was in ihrem Lieblingsgetränk steckt, solange Marketing und Sucht ihre Arbeit machen. Wer auf den Geschmack gekommen ist, wie Serien und Games mit erfundenen Getränken echte Fankultur erzeugen, findet ähnliche Geschichten bei uns auch zu Duff Bier aus den Simpsons, zu Nuka-Cola aus Fallout und zu Butterbier aus Harry Potter, drei weitere fiktive Kultgetränke, die es in der einen oder anderen Form auch in die echte Welt geschafft haben.
