StartKulinarische FeiertageTag der Kartoffel: Warum es zwei Termine gibt und was zählt

Tag der Kartoffel: Warum es zwei Termine gibt und was zählt

Beim Tag der Kartoffel lohnt sich die Unterscheidung, denn von den beiden kursierenden Terminen ist nur einer offiziell. Der 30. Mai ist ein von den Vereinten Nationen beschlossener internationaler Tag, der 19. August dagegen ein amerikanischer Aktionstag, der über Kalenderseiten nach Europa gewandert ist.

Der UN-Tag ist noch sehr jung

Der Internationale Tag der Kartoffel am 30. Mai geht auf eine Resolution der UN-Generalversammlung zurück, die auf einen von Peru im Dezember 2023 eingebrachten Vorschlag zurückgeht. Ausgerichtet wird der Tag von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, erstmals begangen wurde er 2024.

Dass ausgerechnet Peru die Initiative ergriff, ist kein Zufall. Die Kartoffel stammt aus den Anden, und dort existiert bis heute die mit Abstand größte Sortenvielfalt der Welt. In Europa ist sie dagegen ein später Einwanderer, der erst im 18. Jahrhundert breite Verbreitung fand.

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Der inhaltliche Schwerpunkt des UN-Tags liegt nicht auf Genuss, sondern auf Ernährungssicherung. Die Kartoffel liefert auf wenig Fläche viele Kalorien, wächst in klimatisch schwierigen Lagen und ist deshalb weltweit eine der wichtigsten Kulturpflanzen überhaupt.

Was Deutschland anbaut und isst

Die deutschen Zahlen sind eindrucksvoll und zugleich rückläufig. 2025 wurden auf rund 301.800 Hektar etwa 13,9 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet, das entspricht einem Durchschnittsertrag von ungefähr 43 Tonnen je Hektar. Knapp die Hälfte der Fläche liegt in Niedersachsen, insgesamt wachsen Kartoffeln auf etwa zwei Prozent der deutschen Ackerfläche.

Beim Verbrauch zeigt sich der eigentliche Wandel:

  • 1950: fast 200 Kilogramm pro Kopf und Jahr
  • 2000: rund 70 Kilogramm
  • heute: etwa 64 Kilogramm

Der Absturz zwischen 1950 und 2000 ist der interessantere Teil. Die Kartoffel war ein Sättigungsmittel in einer Zeit, in der Sättigung das Hauptproblem war. Was seither wegfällt, sind die großen Mengen Salzkartoffeln, nicht die Pommes und Chips. Deren Anteil am Verbrauch ist im Gegenteil gestiegen.

Festkochend, vorwiegend festkochend, mehligkochend

Die drei Kochtypen sind keine Geschmacksfrage, sondern eine Stärkefrage. Je mehr Stärke eine Knolle enthält, desto stärker platzen die Zellen beim Garen auf, und desto mehliger wird das Ergebnis.

  • Festkochend: wenig Stärke, bleibt schnittfest, die Schale platzt kaum. Das ist der Typ für Kartoffelsalat und Bratkartoffeln
  • Vorwiegend festkochend: der Allrounder für Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Aufläufe und Eintöpfe
  • Mehligkochend: besonders stärkereich, zerfällt und wird körnig. Richtig für Püree, Klöße und Suppen

Wer Püree aus festkochenden Kartoffeln macht, bekommt es nicht cremig, sondern gummiartig. Umgekehrt fällt ein Salat aus mehligkochenden Kartoffeln auseinander. Die Angabe auf dem Netz ist also keine Empfehlung, sondern eine technische Angabe.

Drei gekochte Kartoffeln aufgeschnitten nebeneinander, links festkochend, mittig vorwiegend festkochend, rechts mehligkochend und zerfallend
Von links nach rechts steigt der Stärkegehalt, und damit zerfällt das Fruchtfleisch immer stärker (Bild KI-generiert)

Grüne Stellen und Keime sind kein Schönheitsfehler

Kartoffeln enthalten von Natur aus Glykoalkaloide, vor allem Alpha-Solanin und Alpha-Chaconin. Sie sitzen größtenteils in der Schale und besonders konzentriert in den Keimen und Keimansätzen, den sogenannten Augen.

Zwei Punkte daran werden regelmäßig missverstanden. Erstens: Der Gehalt hängt von der Sorte ab, nicht vom Anbauverfahren. Auch Biokartoffeln bilden Solanin. Zweitens: Licht treibt die Bildung an, deshalb gehören Kartoffeln dunkel gelagert, nicht in eine offene Schale auf der Fensterbank.

Praktisch heißt das: grüne Stellen und Keimansätze großzügig wegschneiden, dann sinkt der Gehalt deutlich. Details dazu stehen im Beitrag darüber, ob grüne Stellen an Kartoffeln giftig sind.

Warum Kartoffeln süß schmecken können

Ein Phänomen, das viele aus dem Kühlschrank kennen: Kartoffeln, die zu kalt gelagert wurden, schmecken auffällig süßlich. Der Grund ist eine Schutzreaktion, bei der die Knolle Stärke in Zucker umwandelt. Beim Braten führt dieser Zucker außerdem dazu, dass die Kartoffel schneller dunkel wird. Ausführlich steht das im Artikel dazu, warum Kartoffeln süß schmecken.

Wer größere Mengen verarbeitet hat, findet die Antwort auf die naheliegende Anschlussfrage im Beitrag dazu, ob man Kartoffeln einfrieren kann. Und die botanisch völlig andere Süßkartoffel ist mit der Kartoffel trotz des Namens nicht verwandt.

Was der Tag bringt

Der 30. Mai fällt in Deutschland in eine Zeit, in der gerade die ersten Frühkartoffeln kommen. Das macht ihn praktisch nutzbar: Frühkartoffeln haben eine dünne, noch nicht ausgereifte Schale, weniger Stärke und ein deutlich frischeres Aroma als Lagerware.

Weitere Termine dieser Art, vom Tag der Pizza im Februar bis zum Erntedankfest im Oktober, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

Quellen

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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