
Süßkartoffeln liegen mittlerweile in fast jedem Supermarkt neben den normalen Kartoffeln, und optisch wirken sie wie eine bunte Variante davon. Der Name legt nahe, dass hier einfach eine süßere Version der Kartoffel vor einem liegt. Botanisch stimmt das aber überhaupt nicht, und genau das macht die Knolle so interessant. Ich habe mir angeschaut, wie Süßkartoffeln wirklich schmecken, warum ihr Fruchtfleisch orange ist und worauf es bei der Zubereitung ankommt.
Wie schmeckt Süßkartoffel genau?
Roh schmeckt eine Süßkartoffel überraschend mild und leicht stärkehaltig, mit einer Note, die an rohe Karotte erinnert. Erst durch Hitze entfaltet sich das, was den Namen rechtfertigt: ein süßlich-nussiges Aroma, das deutlich intensiver ist als bei einer normalen Kartoffel. Gegart wird das Fruchtfleisch außerdem dichter und cremiger als bei der klassischen Kartoffel, fast schon leicht sämig auf der Zunge.
Der süße Geschmack kommt nicht von Zusatzstoffen, sondern schlicht vom hohen natürlichen Zuckergehalt der Knolle. Je nach Sorte und Reifegrad schwankt die Intensität, manche Süßkartoffeln erinnern fast an Kastanien, andere eher an gebackenen Kürbis.
Keine Kartoffel, sondern eine Winde
Das ist der Punkt, der die meisten Leute überrascht: Süßkartoffeln sind mit der gewöhnlichen Kartoffel nicht näher verwandt. Die normale Kartoffel gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, zusammen mit Tomate, Paprika und Aubergine. Die Süßkartoffel dagegen zählt zu den Windengewächsen, einer völlig anderen Pflanzenfamilie. Botanisch gesehen ist sie also näher mit der Prunkwinde verwandt als mit der Kartoffel, die zufällig denselben zweiten Namensteil trägt.
Auch wie die beiden wachsen, unterscheidet sich: Die Süßkartoffel bildet echte Wurzelknollen aus, während die Kartoffel unterirdische Sprossknollen ansetzt. Zwei verschiedene Gemüse also, die sich nur den Namen und ein paar Küchenverwendungen teilen. Ähnlich wie bei der Topinambur, die trotz ihres Namens auch nichts mit Artischocken zu tun hat, führt der deutsche Name hier ziemlich in die Irre.

Warum das Fruchtfleisch orange ist
Die kräftige orange Farbe kommt von Beta-Carotin, einem Pflanzenfarbstoff, den der Körper in Vitamin A umwandelt. Je intensiver die Farbe, desto mehr Beta-Carotin steckt in der Regel in der Knolle. Es gibt allerdings auch Sorten mit weißem oder violettem Fruchtfleisch, die deutlich weniger Beta-Carotin, dafür teils andere Farbstoffe wie Anthocyane enthalten. Im deutschen Handel ist aber fast ausschließlich die orange Variante zu finden.
Herkunft: aus Amerika in die ganze Welt
Ursprünglich stammt die Süßkartoffel aus Mittel- und Südamerika, wo sie schon vor mehreren tausend Jahren angebaut wurde. Über spanische Seefahrer gelangte die Knolle im 16. Jahrhundert nach Europa und von dort weiter nach Asien und Afrika, wo sie sich rasch zu einem wichtigen Grundnahrungsmittel entwickelte. Heute liegt China mit weitem Abstand an der Spitze der Erzeugerländer, gefolgt von afrikanischen Anbauländern wie Malawi und Tansania. In Deutschland spielt der eigene Anbau bislang nur eine kleine Rolle, die meisten Süßkartoffeln im Supermarkt stammen aus wärmeren Regionen wie Spanien, Ägypten oder den USA.
Rösten oder kochen: was schmeckt besser?
Wie eine Süßkartoffel am Ende schmeckt, hängt stark von der Zubereitung ab. Beim Kochen in Wasser bleibt der Geschmack eher mild und die Süße dezent, dafür wird das Fruchtfleisch schön weich und gleichmäßig gar. Im Ofen dagegen passiert deutlich mehr: Durch die trockene Hitze karamellisiert der natürliche Zucker an der Oberfläche, was die Süße spürbar verstärkt und für leicht knusprige Ränder sorgt. Wer Süßkartoffeln bisher nur gekocht kennt, sollte sie unbedingt einmal in Spalten geschnitten und geröstet probieren, der Unterschied ist deutlich schmeckbar.
Für den Ofen eignen sich rund 25 bis 35 Minuten bei etwa 220 Grad, bis die Ränder goldbraun sind. Ganze Knollen brauchen im Ofen entsprechend länger, oft 45 bis 60 Minuten, während sie im Kochtopf meist schon nach 30 bis 45 Minuten gar sind.
Nährwerte: viel Vitamin A, Ballaststoffe und Kalium
Süßkartoffeln punkten auch ernährungsphysiologisch. Schon eine kleine Portion deckt dank des hohen Beta-Carotin-Gehalts einen Großteil des täglichen Vitamin-A-Bedarfs. Dazu liefern sie ordentlich Ballaststoffe, die für eine langsamere Zuckeraufnahme sorgen, sowie nennenswerte Mengen Kalium, wichtig für Muskeln und Herz-Kreislauf-System. Pro 100 Gramm liegt eine Süßkartoffel bei etwa 100 bis 110 Kilokalorien, also etwas mehr als eine normale Kartoffel, was am höheren Zuckergehalt liegt.
In der Küche lässt sich die Knolle vielseitig einsetzen, ob als geröstete Beilage, in Currys, als Pommes-Alternative aus dem Ofen oder püriert als cremige Suppe. Wer ohnehin gerne mit Wurzelgemüse kocht, findet in der Pastinake ein weiteres Gemüse, das mit seiner natürlichen Süße gut zur Süßkartoffel passt und sich in vielen Rezepten kombinieren lässt.
Beim Kauf lohnt sich ein Blick auf die Schale: Sie sollte glatt und fest sein, ohne weiche Stellen oder Druckflecken. Gelagert wird die Süßkartoffel am besten kühl, dunkel und trocken, aber nicht im Kühlschrank. Kälte verändert dort Geschmack und Konsistenz und lässt die Knolle schneller verderben. So gelagert hält sie sich problemlos mehrere Wochen.



