Der Weltvegetariertag am 1. Oktober wurde 1977 von der North American Vegetarian Society ausgerufen und im Jahr darauf von der International Vegetarian Union übernommen. Er ist damit deutlich älter als der Weltvegantag, der erst 1994 dazukam, und er eröffnet in mehreren Ländern einen ganzen vegetarischen Aktionsmonat.
Vegetarisch ist nicht gleich vegetarisch
Der Begriff deckt mehrere Ernährungsformen ab, die sich deutlich unterscheiden:
- Ovo-lacto-vegetarisch: die verbreitetste Form. Kein Fleisch, kein Fisch, aber Eier und Milchprodukte
- Lacto-vegetarisch: Milchprodukte ja, Eier nein
- Ovo-vegetarisch: Eier ja, Milchprodukte nein
- Pescetarisch: zusätzlich Fisch und Meeresfrüchte. Streng genommen ist das kein Vegetarismus, sondern eine eigene Kategorie
- Vegan: keine Produkte tierischen Ursprungs, also auch kein Honig
Diese Abstufungen sind mehr als Wortklauberei, weil sie über die Nährstoffversorgung entscheiden. Wer Eier und Milchprodukte isst, hat bei Vitamin B12, Calcium und Jod kaum ein Problem. Wer beides weglässt, muss planen. Die Unterschiede im Detail stehen in den Beiträgen dazu, was Vegetarier und was Veganer ausmacht.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Wie viele es in Deutschland sind
Eine belastbare Zahl gibt es nicht, und das liegt an der Frage selbst. Je nach Erhebung schwankt der Anteil derer, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, zwischen zwei und zehn Prozent. Der Grund für die Spannbreite ist die Selbstauskunft: Viele bezeichnen sich als vegetarisch und essen gelegentlich doch Fleisch.
Deutlich aussagekräftiger ist deshalb, was die Menschen tatsächlich essen, und da hat sich einiges bewegt:
- 2015 aßen 34 Prozent der Befragten täglich Fleisch oder Wurst
- Heute sind es 23 Prozent, also elf Prozentpunkte weniger
- Der Anteil derer, die täglich pflanzliche Alternativen essen, verdoppelte sich von fünf Prozent 2020 auf zehn Prozent 2024
- Unter jungen Menschen hinterfragen 40 Prozent ihren Fleischkonsum, zwölf Prozent essen kein Fleisch mehr
Der eigentliche Wandel findet also nicht an den Rändern statt, sondern in der Mitte: Nicht alle werden Vegetarier, aber sehr viele essen seltener Fleisch.
Warum vegetarisch einfacher ist als vegan
Ernährungsphysiologisch ist der Unterschied zwischen vegetarisch und vegan größer als der zwischen Mischkost und vegetarisch. Eier und Milchprodukte liefern Vitamin B12, das in rein pflanzlicher Kost praktisch fehlt, dazu gut verfügbares Calcium und hochwertiges Protein.
Der Punkt, der bei vegetarischer Ernährung trotzdem Aufmerksamkeit verdient, ist Eisen. Pflanzliches Eisen liegt in einer Form vor, die der Körper schlechter aufnimmt als das Eisen aus Fleisch. Vitamin C verbessert die Aufnahme deutlich, weshalb ein Glas Orangensaft zum Linsengericht kein Zufall ist, sondern sinnvolle Kombination.
Was daraus nicht folgt: dass vegetarische Ernährung automatisch gesund wäre. Pommes und Schokolade sind ebenfalls vegetarisch. Entscheidend ist wie überall die Zusammensetzung, nicht das Etikett.
Was auf den Teller kommt
Die wichtigsten Proteinquellen der vegetarischen Küche sind Hülsenfrüchte, Getreide, Nüsse, Eier und Milchprodukte. Besonders praktisch ist die Kombination von Getreide und Hülsenfrüchten, weil sich ihre Aminosäuremuster ergänzen. Linsen mit Reis oder Brot mit Käse sind deshalb keine kulinarischen Zufälle, sondern in vielen Küchen über Jahrhunderte entstandene Lösungen.

Der neutralste Vertreter ist Tofu, der praktisch nach nichts schmeckt und deshalb jede Würzung annimmt. Ob er hält, was ihm gesundheitlich nachgesagt wird, klärt der Beitrag dazu, ob Tofu gesund ist.
Ein Termin mit Nachbarn
Der 1. Oktober ist im Kalender ungewöhnlich dicht belegt: Auf dasselbe Datum fallen der Tag des Kaffees und der internationale Kaffeetag. Wer beides begehen will, hat immerhin keinen Konflikt, denn Kaffee ist vegetarisch.
Weitere Termine dieser Art stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

