StartFrüchteMandarine oder Clementine: Was ist der Unterschied?

Mandarine oder Clementine: Was ist der Unterschied?

Im Dezember stapeln sich in jedem Supermarkt die Netze, mal steht Mandarinen drauf, mal Clementinen, und der Preis ist derselbe. Die meisten greifen nach Gefühl zu. Dabei gibt es einen sehr einfachen Unterschied, den man beim ersten Bissen merkt, und der auch erklärt, warum die eine Sorte länger hält als die andere.

Die Mandarine ist das Original

Die Mandarine stammt aus China und ist nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung wahrscheinlich rund 3.000 Jahre alt. Sie ist keine Züchtung und keine Kreuzung, sondern eine eigenständige Zitrusart, aus der sich viele andere erst entwickelt haben.

Ihre Merkmale: eine dünne Schale, die sich leicht abziehen lässt, ein Fruchtfleisch aus neun Segmenten, und sie enthält meist Kerne.

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Die Clementine ist gerade einmal 100 Jahre alt

Die Clementine ist dagegen ein sehr junges Obst. Sie ist laut BZfE erst seit etwa 100 Jahren bekannt, als sie der botanisch interessierte Pater Pierre Clement in Algerien entdeckte. Von ihm hat sie ihren Namen.

Botanisch ist sie eine natürliche Kreuzung aus Mandarine und Bitterorange, also aus der Mandarine und der Pomeranze, deren kandierte Schale wir als Orangeat kennen.

Sie ist etwas kleiner als die Mandarine, hat acht bis zwölf Segmente, ist kernlos und trägt eine dickere Schale.

Der entscheidende Unterschied: die Schale

Genau diese dickere Schale ist der Grund, warum im Handel überwiegend Clementinen liegen. Sie macht die Frucht robuster und länger haltbar, sie übersteht Transport und Lagerung deutlich besser.

Die Mandarine hat den umgekehrten Kompromiss gewählt. Ihre dünne Schale lässt sich mühelos abziehen, schützt die Frucht aber schlecht. Mandarinen werden bei längerer Lagerung schnell trocken, und das Fruchtfleisch löst sich dann von der Schale.

Dieses Phänomen hat einen Namen: Losschaligkeit. Fühlt sich eine Frucht schwammig an und lässt sich die Schale wie ein zu großer Mantel abheben, ist sie über ihren Höhepunkt hinaus. Das BZfE nennt genau das als Indikator beim Einkauf.

Wie schmecken Mandarine und Clementine?

Der Unterschied ist deutlich und lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die Mandarine schmeckt herber und aromatischer, die Clementine süßlich bis mild-säuerlich.

Die Mandarine bringt mehr Säure, mehr ätherische Öle und eine leicht harzige, blumige Note mit, die manche als parfümiert empfinden. Sie ist geschmacklich die interessantere Frucht und gleichzeitig die unberechenbarere, weil sie je nach Reife stark schwankt.

Die Clementine ist berechenbar süß und mild. Sie hat weniger Ecken, weniger Säure und weniger Aroma. Wer Kindern eine Zitrusfrucht in die Hand drückt, greift aus gutem Grund zur Clementine: kernlos, süß und ohne Überraschungen.

Der zweite Unterschied ist die Saftigkeit. Mandarinen sind meist saftiger, Clementinen fester im Biss. Das hängt ebenfalls mit der Schale zusammen, die Wasserverlust verhindert.

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Und die Satsuma?

Die dritte Frucht in dieser Familie stammt aus Japan und ist eine Kreuzung zwischen Mandarine und Orange. Sie ist kernlos und sehr süß schmeckend, dabei etwas flacher geformt und blasser in der Farbe.

Satsumas sind die ersten Früchte der Saison und liegen schon im Oktober im Regal, wenn Mandarinen und Clementinen noch nicht reif sind. Geschmacklich sind sie die zurückhaltendste der drei, das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz beschreibt sie als etwas weniger aromatisch als ihre Verwandten.

Holzschale voller kleiner orangefarbener Zitrusfrüchte mit grünen Blättern, daneben ein geöffnetes Netz und abgezogene Schalenstücke, im Hintergrund Tannenzweige
Hauptsaison ist November bis Februar, deshalb liegen sie ausgerechnet im Advent überall (Bild KI-generiert)

Saison und Einkauf

Die Hauptsaison für Mandarinen und Clementinen läuft von November bis Februar, Hauptlieferant ist Spanien. Dass die Früchte ausgerechnet im Dezember Hochsaison haben, ist der eigentliche Grund für ihren festen Platz auf dem Weihnachtsteller und im Nikolausstiefel.

Beim Einkauf helfen drei Punkte:

  • Gewicht: Eine gute Frucht fühlt sich schwer für ihre Größe an, das steht für Saftgehalt.
  • Schale: prall und glänzend, nicht schrumpelig, keine weichen Stellen.
  • Losschaligkeit: Hebt sich die Schale schon im Netz vom Fruchtfleisch ab, liegen die Früchte zu lange.

Grüne Stellen sind übrigens kein Reifemangel. Zitrusfrüchte färben sich nur um, wenn die Nächte kühl genug sind, und in milden Anbaugebieten bleibt die Schale teilweise grün, obwohl die Frucht innen reif ist.

Gelagert werden beide am besten kühl, aber nicht im Kühlschrank, luftig und nicht in geschlossenen Netzen. Ein kühler Flur ist ideal, denn bei Zimmerwärme trocknen sie schnell aus.

Quellen

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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