StartFrüchteWie schmeckt Mispel?

Wie schmeckt Mispel?

Frisch vom Baum schmeckt die Mispel steinhart, sauer und so herb, dass man sie sofort wieder ausspuckt. Teigreif dagegen schmeckt sie süßlich-erdig nach Apfelmus, Trockenfrüchten und Marzipan, mit einer feinen Restherbe. Kaum eine Frucht verlangt so viel Geduld, und kaum eine belohnt sie so eigenwillig.

Zunächst aber eine wichtige Klarstellung, weil unter dem Namen „Mispel“ drei völlig verschiedene Pflanzen kursieren.

Welche Mispel ist gemeint?

Die essbare ist die Echte Mispel (Mespilus germanica), auch Deutsche Mispel genannt. Sie gehört zu den Rosengewächsen und ist mit Apfel und Birne verwandt, wie das VerbraucherFenster Hessen festhält. Um sie geht es in diesem Artikel.

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Die Zwergmispel (Cotoneaster) ist dagegen ein reiner Zierstrauch, den man an Hauswänden und in Vorgärten findet. Ihre roten Beeren gehören nicht auf den Teller, sie gelten als schwach giftig und können Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Die Ähnlichkeit beschränkt sich auf den Namen.

Die Japanische Wollmispel (Eriobotrya japonica), im Süden Europas als Níspero verkauft, ist wiederum eine ganz andere Sache: gelb-orange, aprikosengroß, im Frühsommer reif und roh essbar. Sie stammt aus Ostasien und hat mit der Echten Mispel botanisch nur die Familie gemeinsam.

Warum Mispeln erst nach Frost genießbar sind

Die Früchte reifen Ende Oktober bis Anfang November und sind dann steinhart, extrem gerbstoffreich und praktisch ungenießbar. Erst durch Frosteinwirkung oder mehrere Wochen kühle Lagerung setzt die sogenannte Teigreife ein: Die Gerbstoffe bauen sich ab, das Fruchtfleisch wird weich und bräunlich, der Geschmack mild und süßlich.

Wer nicht auf den Frost warten will, kann nachhelfen. Das Bundeszentrum für Ernährung nennt einen einfachen Trick: zwei bis drei Tage einfrieren erzielt denselben Effekt. Nachzulesen ist das im Beitrag Comeback für die Mispel.

Dass eine Frucht optisch verdorben aussehen muss, bevor sie schmeckt, ist ein Konzept, das sich schwer verkaufen lässt. Genau das ist einer der Gründe, warum die Mispel aus dem Handel verschwunden ist. Dieselbe Logik gilt übrigens auch für Quitten, die roh ebenfalls ungenießbar sind.

Wie sieht die Frucht aus?

Die Mispel ist gräulich-braun, apfelförmig und je nach Sorte zwei bis fünf Zentimeter groß. Ihr auffälligstes Merkmal sind die weit abstehenden, kranzförmigen Kelchblätter an der Fruchtspitze, die der Frucht das Aussehen einer kleinen offenen Krone geben. Historisch hat ihr diese Form in mehreren Sprachen ausgesprochen derbe Spitznamen eingebracht.

Der Baum bleibt klein, wird selten über fünf Meter hoch, blüht im Mai und Juni groß und weiß und ist ausgesprochen robust.

Ratespiel

Fünf Lebensmittel, eine Weltkarte: Setz den Pin dorthin, wo sie ursprünglich herkommen. Je näher am Ursprung, desto mehr Punkte. Mit dabei: Mispel.

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Wie bereitet man Mispeln zu?

Teigreife Früchte lassen sich roh essen: halbieren und das weiche Fruchtfleisch auslöffeln, die harten Kerne bleiben zurück. Viel häufiger werden sie aber verarbeitet.

Weil Mispeln sehr pektinreich sind, geliert Mispelgelee ausgesprochen zuverlässig. Darüber hinaus eignen sie sich für Marmelade, Kompott, Chutney, Fruchtbrot, Likör und Obstbrand. Herzhaft passen sie hervorragend zu Wild, Ente und kräftigem Käse, wo ihre Süße und ihre Restherbe zusammen ähnlich funktionieren wie Preiselbeere.

Gut kombinieren lassen sie sich mit Apfel und Birne, dazu Zimt, Nelken oder Wacholderbeeren.

Haltbarkeit

Ungereifte Mispeln halten sich kühl und trocken mehrere Wochen und reifen dabei nach. Sobald die Teigreife erreicht ist, wird es dagegen schnell: Dann sind die Früchte nur noch wenige Tage haltbar und sollten zügig verarbeitet werden. Einfrieren funktioniert gut, ebenso Trocknen.

Herkunft und Geschichte

Die Echte Mispel stammt aus Südosteuropa, Vorderasien und dem Kaukasus. In Mitteleuropa wird sie seit Jahrhunderten kultiviert. Im Mittelalter gehörte der Strauch in praktisch jeden Klostergarten und war ein geschätztes Obst, unter anderem weil er spät im Jahr trug, wenn kaum noch etwas anderes reif wurde. Wie die klosterliche Gartenkultur damals funktionierte, steht im Beitrag über Essen im Kloster im Mittelalter.

Heute findet man Mispeln fast nur noch auf Streuobstwiesen, in alten Hausgärten und bei Baumschulen, die alte Obstarten führen. Im Supermarkt sucht man sie vergeblich.

Was steckt in Mispeln?

Mispeln liefern viele Ballaststoffe, vor allem Pektin, dazu Vitamin C, Gerbstoffe und Mineralstoffe. Ihr Zuckergehalt fällt im Vergleich zu anderem Obst eher moderat aus. In der Volksheilkunde wurden sie gegen Durchfall eingesetzt, was angesichts des Gerbstoffgehalts nachvollziehbar ist; klinisch belegt ist eine Heilwirkung nicht. Als Obst sind sie unbedenklich, die Kerne werden wie bei Apfel und Birne nicht mitgegessen.

Zum Weiterspielen: Die Mispel ist eine der Früchte, bei denen in Zungo kaum jemand den Pin auf Anhieb richtig setzt.

Susanne
Susanne
Ich schreibe seit 2018 für wie-schmeckt.de und lande dabei fast immer bei den Themen, um die andere einen Bogen machen: Surströmming, Balut, frittierte Skorpione, dazu die ganze Bandbreite an Körpersekreten, über die niemand gern spricht. Zwei eigene Kinder haben mir nebenbei einen sehr direkten Zugang zu Muttermilch, Kolostrum und Plazenta verschafft. Zwischendurch schreibe ich über Kardamom, Kefir oder Burrata, damit der Kopf wieder frei wird.
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