Flexitarier essen Fleisch, aber selten und bewusst. Sie verzichten nicht grundsätzlich, sondern reduzieren die Menge und achten dafür stärker auf Herkunft und Qualität. In Deutschland ist das inzwischen keine Nische mehr, sondern die größte bewusst gewählte Ernährungsform überhaupt.
Wie viele Flexitarier gibt es?
Der Ernährungsreport des Bundeslandwirtschaftsministeriums fragt das jährlich ab. Die Ergebnisse für 2025 sind eindeutig: 37 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Flexitarier, sieben Prozent ernähren sich vegetarisch und zwei Prozent vegan.
Dahinter liegen deutliche Unterschiede. Frauen ernähren sich häufiger flexitarisch (43 Prozent) als Männer (31 Prozent), ebenso häufiger vegetarisch (neun gegenüber vier Prozent). Und bei den unter 30-Jährigen leben 20 Prozent vegan oder vegetarisch, bei den über 45- und über 60-Jährigen jeweils nur sechs Prozent.
Parallel dazu geht der tägliche Fleischkonsum zurück: Der Anteil derjenigen, die täglich Fleisch oder Wurst essen, ist von 34 Prozent im Jahr 2015 auf 24 Prozent gesunken. Die Zahlen stehen im Ernährungsreport 2025.
Was Flexitarier ausmacht
Eine feste Definition gibt es nicht, und genau das ist Teil des Konzepts. Der Duden beschreibt Flexitarier als Personen, die sich überwiegend vegetarisch ernähren, gelegentlich aber hochwertiges Fleisch essen. Umgangssprachlich heißt das auch Teilzeitvegetarier oder Wochenendvegetarier.
In der Praxis läuft es meist auf zwei Prinzipien hinaus: weniger Fleisch, dafür besseres. Wer nur einmal pro Woche Fleisch isst, kann sich Ware aus Weidehaltung oder vom Metzger leisten, ohne mehr auszugeben als bei täglichem Discounterfleisch.
Der Begriff selbst kam Ende der 1990er Jahre auf und wurde von Konsumforschenden als eigene Kategorie beschrieben, weil sich immer mehr Menschen weder als Fleischesser noch als Vegetarier einordnen ließen.
Die Beweggründe
Der Ernährungsreport nennt als Gründe für fleischarme oder fleischlose Ernährung: Tierschutz (86 Prozent), Klima und Umwelt (81 Prozent) und der Geschmack (77 Prozent). Dazu kommen gesundheitliche Erwägungen und, in den letzten Jahren zunehmend, der Preis.
Bemerkenswert ist, dass ethische Motive die gesundheitlichen deutlich überwiegen. Es geht den meisten also weniger um sich selbst als um die Bedingungen der Erzeugung.
Abgrenzung zu anderen Ernährungsformen
Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, essen aber Milchprodukte und Eier.
Pescetarier lassen Fleisch weg, essen aber Fisch und meist Meeresfrüchte. Anders als oft behauptet ist diese Form ernährungsphysiologisch unproblematisch, weil Fisch Vitamin B12, Jod und Omega-3-Fettsäuren liefert.
Veganer meiden alle tierischen Produkte, oft auch Honig, Leder und tierische Bestandteile in Kosmetik. Vitamin B12 muss hier dauerhaft ergänzt werden.
Frutarier essen nur, was der Pflanze bei der Ernte nicht schadet, also vor allem Obst, Nüsse und Samen. Das ist die strengste Form und mit erheblichen Nährstoffrisiken verbunden.
Ist flexitarische Ernährung gesund?
Sie hat einen praktischen Vorteil, der oft untergeht: Weil nichts vollständig wegfällt, sind Nährstofflücken unwahrscheinlich. Vitamin B12, Eisen, Zink und Jod kommen weiterhin über tierische Lebensmittel in den Speiseplan, ohne dass Ergänzungsmittel nötig wären.
Studien zu pflanzenbetonter Ernährung zeigen überwiegend günstige Ergebnisse bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Wichtig ist dabei die Einordnung: Das sind meist Beobachtungsstudien, die keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen. Menschen, die bewusst weniger Fleisch essen, rauchen im Schnitt seltener und bewegen sich mehr, was einen Teil der Effekte erklärt.
Und ein weniger schmeichelhafter Punkt gehört dazu: Wer Fleisch reduziert, es aber durch stark verarbeitete Fertigprodukte ersetzt, gewinnt gesundheitlich wenig. Entscheidend ist, wodurch das Fleisch ersetzt wird, nicht nur, dass es ersetzt wird. Ausführlicher steht das im Beitrag Ist rotes Fleisch ungesund?
Ausblick
Für Flexitarier besonders interessant ist eine Entwicklung, die den Verzicht überflüssig machen könnte: Laborfleisch wächst aus Zellkulturen heran, ohne dass ein Tier geschlachtet wird. In Singapur und den USA ist es zugelassen, in der EU bislang nicht.
