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Was sind Pescetarier?

Pescetarier essen kein Fleisch von Landtieren, aber Fisch und meist auch Meeresfrüchte, dazu Eier, Milchprodukte und alles Pflanzliche. Sie liegen damit zwischen Vegetariern und Mischköstlern, und für viele Menschen ist diese Ernährungsform ein Zwischenschritt beim Reduzieren von Fleisch.

Der Name kommt vom italienischen pesce für Fisch. Eine verbindliche Definition gibt es allerdings nicht: Manche Pescetarier essen ausschließlich Fisch, andere beziehen Muscheln, Krebs- und Weichtiere mit ein.

Was Pescetarier essen

Auf dem Teller: Fisch, je nach Auslegung Muscheln, Garnelen und Tintenfisch, dazu Eier, Milch, Käse, Obst, Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchte.

Nicht auf dem Teller: Rind, Schwein, Lamm, Geflügel, Wild und daraus hergestellte Produkte. Wer es konsequent handhabt, achtet auch auf versteckte Zutaten wie Gelatine oder Schmalz.

Zur Einordnung gegenüber anderen Formen: Vegetarier lassen zusätzlich Fisch weg. Veganer verzichten auf alle tierischen Produkte, auch auf Honig, und häufig auch auf Leder und tierische Bestandteile in Kosmetik. Frutarier gehen noch weiter und essen nur, was der Pflanze nicht schadet. Flexitarier wiederum essen Fleisch, nur selten und bewusst.

Ist Fisch Fleisch?

Biologisch lautet die Antwort eindeutig ja. Fisch ist Muskelgewebe eines Tieres und damit Fleisch, genau wie Rind oder Hähnchen. Die Unterschiede liegen im Detail: Fische sind wechselwarm, ihr Muskelgewebe hat kürzere Bindegewebsstrukturen, weshalb Fisch schneller gart und zarter zerfällt, und der Fettgehalt besteht überwiegend aus langkettigen Omega-3-Fettsäuren.

Dass Fisch trotzdem als etwas anderes gilt, ist ein kulturelles Erbe. In der christlichen Fastenpraxis war Fleisch von Landtieren untersagt, Fisch dagegen erlaubt. Das führte zu bemerkenswerten Auslegungen: Der Biber wurde wegen seines beschuppten Schwanzes zeitweise als Fisch eingestuft, und auch bei einigen Wasservögeln half man mit kreativen Begründungen nach. Wie streng und wie erfindungsreich damals gefastet wurde, steht im Beitrag über Fasten im Mittelalter.

Ist pescetarische Ernährung gesund?

Die größte Untersuchung dazu ist die britische EPIC-Oxford-Studie mit rund 48.000 Teilnehmenden, deren Ergebnisse 2019 im British Medical Journal erschienen. Sie liefert ein differenziertes Bild:

Vegetarier und Pescetarier hatten ein niedrigeres Risiko für koronare Herzkrankheit als Fleischesser. Bei Vegetariern und Veganern lag es rund 22 Prozent niedriger.

Gleichzeitig fand die Studie bei Vegetariern und Veganern ein um etwa 20 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle, insbesondere für hirnblutungsbedingte. Als mögliche Ursache diskutieren die Autoren unter anderem eine schlechtere Versorgung mit Vitamin B12. Zusammengefasst hat das Ergebnis unter anderem das Deutsche Ärzteblatt.

Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, sie belegt keine Ursache-Wirkung-Beziehung. Menschen, die auf Fleisch verzichten, rauchen im Schnitt seltener, bewegen sich mehr und achten stärker auf ihre Ernährung. Ein Teil der beobachteten Unterschiede geht vermutlich darauf zurück und nicht auf den Fischkonsum als solchen.

Ernährungsphysiologisch hat die pescetarische Variante einen praktischen Vorteil gegenüber der veganen: Fisch liefert Vitamin B12, Jod, Selen und langkettige Omega-3-Fettsäuren, also genau die Nährstoffe, die bei rein pflanzlicher Ernährung ergänzt werden müssen.

Zwei Punkte, die dazugehören

Schadstoffe. Große Raubfische wie Thunfisch, Schwertfisch, Hai und Hecht reichern Methylquecksilber an. Schwangere, Stillende und Kleinkinder sollten diese Arten meiden und stattdessen zu kleineren, kurzlebigen Fischen greifen.

Nachhaltigkeit. Wer aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichtet, kommt bei Fisch nicht um die Frage nach Fangmethoden, Überfischung und Aquakultur herum. Beifang, Grundschleppnetze und Futtermittel aus Wildfisch sind reale Probleme. Herkunfts- und Fangmethodenangaben stehen auf jeder Packung, ein Blick darauf lohnt sich.

Wie viel Fisch ist sinnvoll?

Die üblichen Empfehlungen liegen bei ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, davon eine fettreiche Art wie Lachs, Hering oder Makrele. Wer deutlich mehr isst, sollte auf die Artenauswahl achten, wer deutlich weniger isst, deckt die Nährstoffe damit nicht ab.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungswissenschaftliche Beratung.

Susanne
Susanne
Ich schreibe seit 2018 für wie-schmeckt.de und lande dabei fast immer bei den Themen, um die andere einen Bogen machen: Surströmming, Balut, frittierte Skorpione, dazu die ganze Bandbreite an Körpersekreten, über die niemand gern spricht. Zwei eigene Kinder haben mir nebenbei einen sehr direkten Zugang zu Muttermilch, Kolostrum und Plazenta verschafft. Zwischendurch schreibe ich über Kardamom, Kefir oder Burrata, damit der Kopf wieder frei wird.
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