Der Weltnutellatag am 5. Februar hat eine Entstehungsgeschichte, die man so nicht erwartet: Er wurde 2007 von einer Bloggerin ausgerufen, nicht vom Hersteller. Erst Jahre später übernahm das Unternehmen die Betreuung des Tages. Es ist damit einer der wenigen Fälle, in denen ein Markentag aus der Kundschaft heraus entstand und nicht aus der Marketingabteilung.
Erfunden aus Kakaomangel
Die Vorgeschichte führt ins Piemont der Nachkriegszeit. Kakao war knapp und teuer, Haselnüsse dagegen wuchsen in der Region reichlich. Ein Konditor streckte die Schokoladenmasse deshalb mit gemahlenen Haselnüssen und brachte 1946 eine schnittfeste Masse auf den Markt, aus der wenig später eine streichfähige Creme wurde. Unter dem heutigen Namen läuft das Produkt seit 1964.
Die Haselnuss war also ursprünglich ein Sparmittel, kein Qualitätsmerkmal. Dieselbe Logik findet sich in vielen Klassikern: Aus dem Mangel entsteht ein eigenständiges Produkt, das später niemand mehr missen will.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Was eine Nussnugatcreme rechtlich ist
Der Begriff ist im Deutschen Lebensmittelbuch geregelt, und zwar in den Leitsätzen für Ölsamen und daraus hergestellte Massen. Zwei Punkte daraus sind aufschlussreich:
- Unter der Bezeichnung Nuss sind ausschließlich Haselnuss- und Walnusskerne zu verstehen. Mandeln oder Erdnüsse fallen nicht darunter
- Bei der Herstellung von Nussnugatcreme werden neben Nusskernen Zucker, Fette und Milch verwendet, die Masse enthält höchstens fünf Prozent Mehl
Für Nugat allgemein gilt außerdem als Orientierung ein Zuckeranteil von höchstens 67 Prozent bei mindestens 20 Prozent Fett. Nugat ist dabei der Sammelbegriff für Erzeugnisse aus gemahlenen Nüssen oder Mandeln, Zucker und Kakaoerzeugnissen.
Die Zutatenliste ist die eigentliche Information
Zutaten stehen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils. Bei handelsüblichen Nussnugatcremes steht deshalb fast immer Zucker an erster Stelle, gefolgt von einem pflanzlichen Fett, oft Palmöl. Erst danach kommen Haselnüsse, Magermilchpulver und Kakao.
In Zahlen ausgedrückt: Eine Portion enthält bei typischen Produkten mehr als vier Stück Würfelzucker, und etwa ein Drittel des Produkts besteht aus Fett. Wer das mit der empfohlenen Höchstmenge für freien Zucker von 50 Gramm am Tag abgleicht, sieht schnell, wie schnell eine großzügig bestrichene Scheibe Brot diesen Rahmen ausfüllt.
Der Haselnussanteil ist bei Produkten, die damit werben, ebenfalls anzugeben. Ein Blick auf diese Prozentzahl trennt die Angebote deutlicher als jede Verpackungsgestaltung.

Warum die Creme so gut streicht
Die Konsistenz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der Fettwahl. Damit eine Creme bei Zimmertemperatur weich bleibt und trotzdem nicht ölig wirkt, braucht es ein Fett, das über einen weiten Temperaturbereich halbfest bleibt. Kakaobutter kann das nicht, sie schmilzt in einem sehr engen Bereich knapp unter Körpertemperatur, was Schokolade ihren typischen Schmelz gibt, im Glas aber eine harte Masse ergeben würde.
Genau deshalb werden pflanzliche Fette wie Palmöl eingesetzt. Sie sind billiger, vor allem aber technisch geeigneter. Ein Nebeneffekt: Cremes mit hohem Anteil an solchen Fetten trennen sich kaum, während reine Nussmuse bei Lagerung Öl absetzen.
Was am 5. Februar interessant ist
Ein Vergleich lohnt sich mehr als der Konsum: eine handelsübliche Creme neben ein reines Haselnussmus ohne Zusatz gestellt, beide auf dieselbe Sorte Brot. Der Unterschied zeigt, wie stark Zucker und Fett das Aroma tragen und wie wenig Haselnuss man tatsächlich schmeckt, wenn beides fehlt.
Weitere Termine dieser Art, vom Tag des Deutschen Butterbrotes im September bis zum Tag der Zimtschnecke, stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

