Frutarier essen nur, was eine Pflanze abgeben kann, ohne dabei Schaden zu nehmen. Es ist damit die strengste der pflanzlichen Ernährungsformen, deutlich strenger als Veganismus, und zugleich die mit dem größten ernährungsphysiologischen Risiko.
Was Frutarier essen
Das Grundprinzip lautet: Weder Tier noch Pflanze sollen für die eigene Ernährung getötet oder verletzt werden.
Erlaubt sind Früchte im botanischen Sinn, also alles, was die Pflanze als Frucht ausbildet und wieder abwirft: Äpfel, Beeren, Steinobst, aber auch Tomaten, Gurken, Kürbis, Paprika und Zucchini. Dazu Nüsse und Samen. Getreide wird von den meisten akzeptiert, weil die Pflanze nach der Samenreife ohnehin abstirbt.
Nicht erlaubt sind alle Pflanzenteile, deren Ernte die Pflanze zerstört: Wurzeln und Knollen wie Kartoffeln, Möhren und Zwiebeln, Blätter wie Salat und Spinat sowie Stiele und Sprossen.
Innerhalb der Bewegung gibt es unterschiedlich strenge Auslegungen. Manche pflücken Früchte vom Baum, andere essen ausschließlich Fallobst nach dem Gedanken, dass die Pflanze die Frucht dann freiwillig abgegeben hat.
Gebräuchlich sind neben Frutarier auch die Bezeichnungen Fruganer, Fruitaner, Frutaner und Fructarier. Gemeint ist dasselbe.
Die Beweggründe
Meist stehen ethische und weltanschauliche Motive im Vordergrund: der Wunsch, möglichst wenig in natürliche Kreisläufe einzugreifen. Manche begründen es religiös, etwa mit dem Prinzip der Gewaltlosigkeit, andere gesundheitlich.
Gerade das gesundheitliche Argument trägt allerdings am wenigsten, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Ist frutarische Ernährung gesund?
Kurz gesagt: nein, jedenfalls nicht ohne erhebliche Nachsteuerung. Frutarismus gilt unter Ernährungsfachleuten als die risikoreichste verbreitete Ernährungsform überhaupt.
Kritisch sind vor allem:
Eiweiß. Ohne Hülsenfrüchte, Getreide und Blätter bleibt fast nur, was in Nüssen und Samen steckt. Das reicht in der Praxis kaum.
Vitamin B12. Es kommt in nennenswerten Mengen ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Bei jeder rein pflanzlichen Ernährung ist eine dauerhafte Ergänzung notwendig, sonst drohen nach Jahren irreversible Nervenschäden. Das gilt für Veganer wie für Frutarier.
Kalzium, Eisen, Zink, Jod und Vitamin D. Auch diese Nährstoffe sind auf frutarischer Basis kaum in ausreichender Menge zu bekommen.
Energiedichte. Obst besteht überwiegend aus Wasser. Um den Energiebedarf zu decken, müssen sehr große Mengen gegessen werden, was gleichzeitig zu einer hohen Fruktoseaufnahme führt und bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden auslöst.
Von einer frutarischen Ernährung wird Schwangeren, Stillenden, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen ausdrücklich abgeraten, weil in diesen Lebensphasen der Nährstoffbedarf besonders hoch ist und Mängel bleibende Schäden verursachen können.
Wer sich trotzdem so ernähren möchte, sollte das ärztlich begleiten lassen und Blutwerte regelmäßig kontrollieren. Ironischerweise führt das fast zwangsläufig zu Nahrungsergänzungsmitteln, was der ursprünglichen Idee einer möglichst natürlichen Ernährung zuwiderläuft.
Frutarismus als Diät?
Davon ist abzuraten. Kurzfristig verliert man Gewicht, weil die Kalorienzufuhr stark eingeschränkt ist. Genau darin liegt aber das Problem: Eine sehr einseitige Kost über mehrere Wochen führt zu Mängeln, und nach der Rückkehr zu gewohnten Essgewohnheiten kommt das Gewicht meist zügig zurück. Für eine kurzfristige Gewichtsabnahme gibt es deutlich sinnvollere Wege.
Einordnung gegenüber anderen Ernährungsformen
Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch, essen aber Milch und Eier. Pescetarier essen zusätzlich Fisch. Veganer lassen alle tierischen Produkte weg. Frutarier schränken darüber hinaus auch die pflanzliche Auswahl massiv ein. Am anderen Ende der Skala stehen Flexitarier, die Fleisch essen, aber bewusst wenig.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Frutarismus kann zu erheblichen Nährstoffmängeln führen; Schwangeren, Stillenden, Säuglingen, Kindern und Jugendlichen wird von dieser Ernährungsform abgeraten. Vor einer solchen Umstellung wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Ernährungsberatung.
