Mandelmilch schmeckt mild, leicht nussig und deutlich wässriger als Kuhmilch, mit einer feinen Marzipannote im Hintergrund. Wie stark dieser Mandelgeschmack überhaupt durchkommt, hängt fast vollständig von einer einzigen Zahl auf der Packung ab, und die steht meist im Kleingedruckten.
Der Mandelanteil entscheidet alles
Handelsübliche Mandeldrinks bestehen überwiegend aus Wasser. Der Mandelanteil liegt bei vielen Produkten nur bei zwei bis sieben Prozent. Bei zwei Prozent schmeckt das Ergebnis nach leicht getrübtem Wasser mit Aroma, bei sieben Prozent tatsächlich nach Mandel.
Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich deshalb doppelt: Er verrät den Mandelanteil und zeigt, ob Zucker, Aromen, Emulgatoren oder Verdickungsmittel zugesetzt wurden. Gesüßte Varianten schmecken deutlich runder, sind aber eben gesüßt. Ungesüßte Mandeldrinks wirken auf viele Menschen beim ersten Mal erschreckend dünn.
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Warum sie nicht Mandelmilch heißen darf
Im Regal steht „Mandeldrink“ oder „Mandelgetränk“. Das ist keine Marotte der Hersteller: Die Bezeichnung „Milch“ ist in der EU tierischen Erzeugnissen vorbehalten, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit festhält. Umgangssprachlich heißt sie trotzdem Mandelmilch.
Ist Mandelmilch gesünder als Kuhmilch?
Kalorienärmer ja, gesünder ist die falsche Kategorie. Ungesüßter Mandeldrink liegt oft bei 13 bis 25 Kilokalorien pro 100 Milliliter, Kuhmilch bei rund 64. Das liegt schlicht daran, dass über 90 Prozent Wasser sind.
Entscheidend sind drei Punkte, die im Vergleich meist untergehen:
Eiweiß: Mandeldrink liefert typischerweise weniger als ein Gramm pro 100 Milliliter, Kuhmilch rund dreieinhalb. Als Proteinquelle fällt er damit aus, deutlicher noch als Haferdrink.
Kalzium: Von Natur aus enthält der Drink bei diesem Mandelanteil kaum welches. Viele Produkte sind angereichert, was auf der Packung steht. Bio-Produkte dürfen nach EU-Recht nicht angereichert werden, ein Bio-Mandeldrink ist als Kalziumquelle also praktisch bedeutungslos.
Vitamin E: Mandeln sind eine gute Quelle dafür, aber bei zwei bis sieben Prozent Anteil bleibt davon wenig übrig. Wer Vitamin E aus Mandeln will, isst besser eine Handvoll Mandeln.
Was der Mandeldrink dafür kann: Er ist laktosefrei, milcheiweißfrei und für Menschen mit entsprechenden Unverträglichkeiten eine brauchbare Alternative. Für Menschen mit Nussallergie ist er dagegen tabu.
Mandelmilch und Ballaststoffe
Beim Abseihen bleiben die Ballaststoffe im Trester zurück. Fertiger Mandeldrink enthält deshalb praktisch keine Ballaststoffe, anders als ganze Mandeln. Aussagen, Mandelmilch sei gut für die Verdauung, haben darin keine Grundlage.
Mandelmilch im Kaffee
Mandeldrink flockt in heißem Kaffee noch leichter aus als Haferdrink, weil ihm Fett und Protein zum Stabilisieren fehlen. Barista-Varianten enthalten dafür Säureregulatoren und einen höheren Mandelanteil. Sonst gelten dieselben Tricks: Drink vorwärmen und den Kaffee in die Milch gießen, nicht umgekehrt.
Die Ökobilanz
Ein Punkt, der beim Mandeldrink schwerer wiegt als bei anderen Pflanzendrinks: Der Großteil der weltweiten Mandelernte stammt aus Kalifornien, einer Region mit chronischer Wasserknappheit. Mandelbäume brauchen ganzjährig Bewässerung. Wer auf die Umweltbilanz achtet, fährt mit europäischem Hafer oder mit Mandeln aus dem Mittelmeerraum deutlich besser.
Wie wird Mandelmilch hergestellt?
Das Prinzip ist einfach: Mandeln über Nacht einweichen, mit frischem Wasser fein mixen und durch ein Tuch abseihen. Wer es intensiver mag, verwendet mehr Mandeln, etwa ein Verhältnis von einem Teil Mandeln zu drei Teilen Wasser.
Zwei Hinweise aus der Praxis: Das Einweichwasser wird weggeschüttet, nicht mitverwendet. Und der übrig bleibende Trester lässt sich trocknen und als Mandelmehl weiterverwenden, statt ihn wegzuwerfen. Selbstgemachter Mandeldrink hält sich im Kühlschrank zwei bis drei Tage und setzt sich ab, das ist normal und wird vor dem Verwenden aufgeschüttelt.
Welche Alternative passt wozu?
Mandeldrink eignet sich gut für Müsli, Smoothies, Porridge und überall dort, wo eine leichte Nussnote passt. Zum Kochen und Backen ist er brauchbar, bringt aber wenig Bindung mit. Für cremige Anwendungen ist Haferdrink die bessere Wahl, für proteinreiche Sojadrink, und wer etwas Ungewöhnlicheres sucht, findet in Lupinendrink eine europäische Alternative mit deutlich mehr Eiweiß.

