Chai Tee steht mittlerweile auf fast jeder Café-Karte, meist als Chai Latte mit viel aufgeschäumter Milch. Der Name führt dabei streng genommen zu einer kleinen Verwirrung, denn „Chai“ bedeutet im Grunde einfach nur „Tee“. Ich habe mir angeschaut, wie Chai Tee tatsächlich schmeckt, welche Gewürze ihn ausmachen und wie er sich vom Café-Latte-Getränk unterscheidet, das hierzulande oft unter diesem Namen verkauft wird.
Wie schmeckt Chai Tee genau?
Chai Tee schmeckt warm-würzig, süß und kräftig malzig nach schwarzem Tee, mit einer intensiven Gewürzmischung aus Zimt, Kardamom, Ingwer, Gewürznelken und schwarzem Pfeffer, die dem Getränk seine charakteristische, fast schon weihnachtliche Note verleiht. Die Schärfe von Ingwer und Pfeffer sorgt für eine wärmende Komponente im Rachen, während Kardamom und Zimt eine süßlich-blumige Tiefe beisteuern.
Traditionell wird Chai mit warmer, oft aufgekochter Milch und etwas Zucker zubereitet, wodurch die Schärfe der Gewürze abgemildert und der Gesamteindruck deutlich cremiger und runder wird. Pur, ohne Milch, schmeckt Chai deutlich kräftiger, herber und schärfer, näher am ursprünglichen indischen Straßengetränk als an der milden Café-Version.
Fünf Lebensmittel, eine Weltkarte: Setz den Pin dorthin, wo sie ursprünglich herkommen. Je näher am Ursprung, desto mehr Punkte. Mit dabei: Chai Tee.
Was „Chai“ eigentlich bedeutet
Das Wort „Chai“ stammt über das Hindi letztlich vom chinesischen Wort für Tee ab und bedeutet wörtlich übersetzt schlicht „Tee“. Was im Westen als „Chai Tee“ verkauft wird, ist demnach eigentlich eine Verdopplung, gemeint ist meist der in Indien als Masala Chai bekannte gewürzte Milchtee. In Indien selbst bestellt man einfach „Chai“ und bekommt automatisch die gewürzte, gesüßte Milchtee-Variante, während unser reiner schwarzer Tee dort eher die Ausnahme darstellt.
Der Chai aus dem Café und der gekochte Chai sind zwei Getränke
Ich kannte Chai jahrelang nur als Chai Latte aus dem Coffeeshop, angerührt aus einem Sirup, und fand ihn vor allem eines: sehr süß. Die Gewürze waren da, aber sie lagen wie ein Parfüm obenauf, und nach dem halben Becher hatte ich genug.
Richtig gekochten Chai habe ich zum ersten Mal in einem kleinen indischen Restaurant getrunken, und der Unterschied war deutlich. Wenn Tee, Milch, Gewürze und Zucker gemeinsam aufkochen, verbinden sich die Aromen, statt nebeneinanderherzulaufen. Der Tee schmeckt kräftiger durch, die Schärfe von Ingwer und Pfeffer kommt hinten heraus, und die Süße fällt viel weniger auf. Seitdem koche ich ihn selbst, auch wenn es zehn Minuten dauert.
Die klassische Gewürzmischung
Die genaue Zusammensetzung variiert von Familie zu Familie und Region zu Region, meist besteht sie aber aus einer Basis von schwarzem Tee kombiniert mit Kardamom, Zimt, Ingwer, Gewürznelken und gelegentlich schwarzem Pfeffer oder Sternanis. Die Gewürze werden traditionell zusammen mit dem Tee direkt in Milch und Wasser aufgekocht, statt nur kurz zu ziehen, wodurch sich die Aromen deutlich intensiver entfalten als bei westlichem Aufgusstee.
Chai Latte vs. traditioneller Chai
Die in Cafés verbreitete Chai Latte basiert oft auf einem fertigen, stark gesüßten Sirup oder Pulver, das mit aufgeschäumter Milch vermischt wird, geschmacklich deutlich süßer und weniger komplex als selbstgemachter Masala Chai. Wer den authentischen Geschmack kennenlernen möchte, sollte die Gewürze idealerweise frisch mörsern und zusammen mit losem schwarzem Tee direkt in Milch aufkochen, der Unterschied zum vorgefertigten Sirup ist deutlich spürbar, sowohl in Intensität als auch in Frische der Gewürznoten.
Zum Weiterspielen: Chai ist indisch, der schwarze Tee darin kam erst mit den Briten dazu. In Zungo setzt du den Pin für das Getränk selbst.

