Limoncello ist das Getränk, das man aus dem Italienurlaub mitbringt und zu Hause nie wieder so gut findet. Das liegt selten am Produkt und fast immer an zwei Dingen: der Temperatur und dem Zeitpunkt. Beides gehört zum Konzept, und wer es kennt, trinkt ihn anders.
Wie schmeckt Limoncello genau?
Limoncello schmeckt intensiv nach Zitronenschale, deutlich süß und ölig-vollmundig, mit einer feinen bitteren Kante im Abgang. Er ist nicht sauer, und genau das überrascht die meisten beim ersten Schluck.
Der Grund ist einfach: In Limoncello ist kein Zitronensaft. Was ihm das Aroma gibt, sind ausschließlich die ätherischen Öle aus der gelben Schale. Die Säure der Frucht bleibt außen vor.
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Die Süße ist entsprechend dominant, gebremst nur durch den Alkohol und die leichte Bitterkeit der Schale. Bei Zimmertemperatur wirkt das schnell klebrig, eiskalt dagegen frisch und trinkbar.
Der Geschmack von Limoncello im Überblick
- Grundton: Zitronenschale, süß, parfümiert
- Was fehlt: Säure, weil kein Saft verwendet wird
- Abgang: leicht bitter von den Schalenölen, lang
- Textur: dickflüssig, ölig, überzieht den Gaumen
- Alkohol: meist 25 bis 32 Prozent vol

Nur die gelbe Schale, nichts anderes
Die Herstellung besteht aus vier Zutaten: Zitronenschalen, hochprozentiger Alkohol, Zucker und Wasser. Die Schalen ziehen tage- bis wochenlang im Alkohol, dann wird mit Zuckersirup aufgefüllt.
Entscheidend ist, dass ausschließlich die gelbe Außenschicht verwendet wird. Dort sitzen die Öldrüsen. Die weiße Schicht darunter, das Albedo, enthält Bitterstoffe und würde den Likör ungenießbar machen. Wer Limoncello selbst ansetzt und zu tief schält, merkt das nach zwei Wochen.
Rechtlich ist Limoncello ein Likör. Nach den vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zusammengefassten Vorschriften bedeutet das mindestens 100 Gramm Zucker je Liter, berechnet als Invertzucker, und einen Mindestalkoholgehalt von 15 Prozent vol. Handelsüblicher Limoncello liegt beim Zucker deutlich darüber.
Woher die guten Zitronen kommen
Die Heimat des Limoncello ist der Golf von Neapel, also Sorrent, die Amalfiküste und Capri. Dort wachsen Zitronensorten mit ungewöhnlich dicker, stark duftender Schale, und genau darauf kommt es an.
Zwei dieser Zitronen sind im EU-Register geschützter Bezeichnungen eingetragen und tragen eine geschützte geografische Angabe: die Sorrentiner Zitrone und die Zitrone der Amalfiküste. Steht eine davon auf dem Etikett, ist das eine überprüfbare Aussage über den Rohstoff.
Der Begriff Limoncello selbst ist dagegen nicht geschützt. Er darf überall hergestellt werden, mit beliebigen Zitronen und, wenn der Hersteller will, mit Aroma statt Schale. Ein Blick in die Zutatenliste lohnt deshalb: Steht dort Aroma und Farbstoff statt Zitronenschale, hat man ein Zitronengetränk gekauft, keinen Limoncello im eigentlichen Sinn.
Warum er beim Kühlen trüb wird
Guter Limoncello ist nicht klar, sondern milchig-gelb und undurchsichtig. Das ist kein Fehler, sondern derselbe Effekt, der auch Ouzo und Absinth eintrüben lässt.
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Die ätherischen Öle der Zitronenschale, vor allem Limonen, lösen sich gut in Alkohol und schlecht in Wasser. Beim Verdünnen mit Zuckersirup und erst recht beim Herunterkühlen fallen sie in feinsten Tröpfchen aus und streuen das Licht.
Ein glasklarer, leuchtend gelber Limoncello ist deshalb ein Warnzeichen. Entweder wurde filtriert, was Aroma kostet, oder es steckt schlicht wenig Schalenöl darin und die Farbe kommt aus der Flasche.
Eiskalt und nach dem Essen
Limoncello gehört ins Gefrierfach, nicht in den Kühlschrank. Bei etwa minus 15 Grad gefriert er wegen des Alkoholgehalts nicht, wird aber dickflüssig und sirupartig. Genau in diesem Zustand ist er gedacht.
Die Kälte dämpft die Süße spürbar und lässt die Zitrusaromen klarer hervortreten. Serviert wird er in kleinen, ebenfalls vorgekühlten Gläsern, klassisch als Digestif nach dem Essen, nicht als Aperitif und nicht zwischendurch.
Zum Lagern gilt: Angebrochen hält er sich im Gefrierfach monatelang. Er verliert allerdings mit der Zeit an Frische, weil die ätherischen Öle oxidieren. Nach etwa einem Jahr schmeckt selbst gut gemachter Limoncello merklich flacher.


