Start Kurioses Ist Hafer glutenfrei?

Ist Hafer glutenfrei?

Haferflocken und ganze Haferkörner auf einem Holztisch

Hafer ist von Natur aus glutenfrei. Das Getreide selbst enthält kein Gluten im Sinne der EU-Kennzeichnungsverordnung. Das Problem liegt in der Praxis: Herkömmlicher Hafer wird häufig auf denselben Feldern, mit denselben Erntemaschinen und in denselben Mühlen wie Weizen, Roggen oder Gerste verarbeitet. Dadurch gelangen glutenhaltige Körner in die Ernte, sodass handelsüblicher Hafer für Menschen mit Zöliakie in der Regel nicht geeignet ist, sofern er nicht ausdrücklich als glutenfrei zertifiziert ist.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Die Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen, unabhängigen Quellen (u. a. DGE, BZfE, Verbraucherzentrale, BfR). Bei Allergien, Vorerkrankungen oder konkreten gesundheitlichen Fragen wende dich an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft.

Warum normaler Hafer trotzdem Gluten enthalten kann

Nach EU-Verordnung dürfen Lebensmittel nur dann als „glutenfrei“ gekennzeichnet werden, wenn sie höchstens 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten, wie die Verbraucherzentrale erläutert. Die Bezeichnung „sehr geringer Glutengehalt“ ist Produkten mit bis zu 100 Milligramm pro Kilogramm vorbehalten. Wird Hafer in einem als glutenfrei deklarierten Lebensmittel verwendet, muss eine Verunreinigung durch Weizen, Roggen, Gerste oder Kreuzungen dieser Getreidearten ausgeschlossen sein.

Das Kontaminationsrisiko entsteht bereits beim Anbau: Landwirtschaftliche Betriebe bauen Hafer oft in Fruchtfolge mit Weizen oder Gerste an, sodass Ausfallkörner der Vorjahresernte im Feld zurückbleiben und sich mit der neuen Haferernte vermischen. Auch bei Transport, Lagerung und Vermahlung in gemeinsam genutzten Anlagen kann Gluten in den Hafer gelangen. Speziell zertifizierter, glutenfreier Hafer wird deshalb unter kontrollierten Bedingungen anders anbaut, getrennt geerntet und separat verarbeitet.

Schale Haferbrei mit frischen Beeren und Honig
Glutenfrei zertifizierter Hafer lässt sich bei Zöliakie meist schrittweise in den Speiseplan integrieren.

Was bei Zöliakie zu beachten ist

Bei einer Zöliakie reagiert das Immunsystem überempfindlich auf Gluten und löst schon bei kleinsten Mengen eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus, erklärt das unabhängige Portal gesundheitsinformation.de (IQWiG). Die Autoimmunerkrankung ist dauerhaft, lässt sich aber mit einer konsequent glutenfreien Ernährung gut behandeln. Typische Beschwerden wie Magen-Darm-Probleme, Müdigkeit oder Stimmungsveränderungen bessern sich meist deutlich, sobald Gluten konsequent gemieden wird.

Zur Verträglichkeit von speziellem glutenfreiem Hafer ist die Studienlage laut gesundheitsinformation.de uneinheitlich: Einige Untersuchungen zeigten sogar eine Verbesserung der Zöliakie-Symptome durch Haferkonsum, während in anderen Studien eine kleine Gruppe Betroffener Hafer nicht vertrug. Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft empfiehlt daher, glutenfreien Hafer erst dann einzuführen, wenn die Umstellung auf glutenfreie Kost bereits gelungen ist und die Beschwerden deutlich zurückgegangen sind. Der Verzehr sollte anschließend schrittweise gesteigert werden, um die individuelle Verträglichkeit zu testen.

Warum Gluten für die meisten Menschen unproblematisch ist

Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ist von Zöliakie betroffen. Laut Verbraucherzentrale zeigen nur rund ein Prozent der Menschen gesundheitliche Beschwerden durch Gluten. Für alle anderen ist ein Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel medizinisch nicht notwendig. Die Verbraucherzentrale weist sogar darauf hin, dass ein grundloser Verzicht auf Gluten die Ernährung unnötig einschränken und laut aktuellen Übersichtsarbeiten sogar mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht werden kann, etwa wenn glutenhaltiges Vollkorngetreide durch stärker verarbeitete Ersatzprodukte ersetzt wird.

Wer keine diagnostizierte Zöliakie oder Weizensensitivität hat, profitiert von normalem Hafer daher ganz regulär: Er liefert unter anderem Ballaststoffe wie Beta-Glucan sowie pflanzliches Eiweiß und zählt zu den bekömmlicheren Getreidesorten.

Diagnose sollte vor der Ernährungsumstellung stehen

Wichtig ist laut gesundheitsinformation.de, eine mögliche Zöliakie ärztlich abklären zu lassen, bevor eigenständig auf Gluten verzichtet wird. Die Diagnose erfolgt über Bluttests und in der Regel eine Dünndarmbiopsie, denn ein alleiniger Selbstversuch mit glutenfreier Ernährung kann das spätere diagnostische Ergebnis verfälschen. Wer eine gesicherte Diagnose hat, sollte sich zudem professionell ernährungsberaten lassen, um trotz lebenslanger glutenfreier Kost eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen.

Worauf beim Einkauf zu achten ist

Wer Hafer bei Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit verzehren möchte, sollte gezielt zu Produkten greifen, die explizit als glutenfrei zertifiziert sind und das entsprechende Symbol oder die Kennzeichnung „glutenfrei“ tragen. Herkömmliche Haferflocken aus dem regulären Supermarktregal sind dafür in der Regel nicht geeignet, da eine Kontamination mit glutenhaltigem Getreide nicht ausgeschlossen werden kann. Für alle anderen bleibt Hafer ein vielseitiges, bekömmliches Getreide ganz ohne besondere Vorsichtsmaßnahmen.