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Wie schmeckt Physalis?

Physalis sieht aus, als hätte jemand eine winzige Papierlaterne um eine Kirschtomate gewickelt. Genau dieses Bild bleibt hängen, wenn man die Frucht zum ersten Mal in den Händen hält: die trockene, netzartige Hülle raschelt leicht, und darunter schimmert eine kleine orangefarbene Kugel hindurch. Wer sie noch nie probiert hat, fragt sich zu Recht, was sich hinter dieser ungewöhnlichen Verpackung geschmacklich verbirgt.

So schmeckt Physalis

Physalis schmeckt süß-säuerlich mit einer angenehm herben, leicht würzigen Note. Viele beschreiben das Aroma als Mischung aus Ananas, Kirschtomate und einem Hauch Stachelbeere, mit einer feinen exotischen Süße im Nachklang. Diese Kombination kommt nicht von ungefähr: Botanisch gehört die Physalis zur Familie der Nachtschattengewächse und ist damit eine Verwandte von Tomate und Tomatillo. Genau diese Verwandtschaft schmeckt man auch heraus, vor allem wenn die Frucht noch nicht ganz reif ist. Dann schmeckt sie deutlich säuerlicher und etwas grasig, fast wie eine unreife Tomate. Voll ausgereift, wenn die Hülle bereits bräunlich und papierig geworden ist, wird sie milder und die fruchtige Süße tritt stärker in den Vordergrund.

Die Konsistenz ist knackig, fast wie bei einer kleinen Kirschtomate, mit vielen winzigen, kaum spürbaren Kernen im Inneren. Roh isst man Physalis am besten pur, direkt aus der Hülle gepellt, denn Hitze oder Verarbeitung verändern das feine Aroma spürbar.

Die papierne Hülle: Markenzeichen der Frucht

Kaum eine Frucht hat eine so unverwechselbare Verpackung wie die Physalis. Die Beere wächst eingehüllt in einen laternenförmigen Kelch, der aus den vergrößerten Kelchblättern der Blüte entsteht. Anfangs ist diese Hülle grün und fest, mit fortschreitender Reife wird sie papierdünn, netzartig und bräunlich, sodass die orangefarbene Frucht darin bereits durchscheint. Der Name Physalis stammt vom griechischen Wort für „Blase“ und nimmt genau darauf Bezug.

Zum Essen wird die trockene Hülle einfach zurückgeklappt oder abgezogen, ein bisschen wie beim Öffnen einer kleinen Laterne. Manche lassen die Hülle beim Servieren als dekoratives Element auch bewusst dran und knicken sie nur zur Seite, etwa auf Torten oder als Garnitur zu Desserts. Wichtig: Nur die Frucht selbst ist essbar, die Hülle nicht.

Mehrere Physalis Früchte noch vollständig in ihrer trockenen, laternenförmigen Hülle
Noch ungeöffnet erinnert die trockene Hülle an eine kleine Papierlaterne

Andenbeere, Kapstachelbeere oder Physalis: Ein Name mit Geschichte

Der deutsche Name Kapstachelbeere führt gern in die Irre. Er legt nahe, die Frucht stamme aus Südafrika, vom Kap der Guten Hoffnung. Tatsächlich hat sie ihren Ursprung aber ganz woanders: in den Andenregionen Südamerikas, vor allem in Peru, Kolumbien und Ecuador, wo sie seit Jahrhunderten kultiviert wird und dort unter dem Namen „Uchuva“ bekannt ist. Der treffendere deutsche Name ist deshalb eigentlich Andenbeere.

Nach Südafrika kam die Pflanze erst im 19. Jahrhundert, vermutlich über portugiesische Seefahrer, und fand am Kap ideale Wachstumsbedingungen vor. Von dort aus wurde sie im großen Stil angebaut und exportiert, weshalb sich international der Name Cape Gooseberry und im Deutschen eben Kapstachelbeere durchsetzte, obwohl Südafrika nur eine spätere Station und nicht die eigentliche Heimat der Frucht ist. Ein ähnliches Missverständnis kennt man von der Cherimoya, die ebenfalls aus den südamerikanischen Anden stammt und dort ihre größte Sortenvielfalt hat.

Nährwerte: Klein, aber vitaminreich

Physalis ist mit rund 50 bis 55 Kalorien pro 100 Gramm eine vergleichsweise leichte Frucht, punktet aber mit ihrem Nährstoffgehalt. Sie liefert nennenswerte Mengen Vitamin C für das Immunsystem sowie Beta-Carotin, die Vorstufe von Vitamin A, das unter anderem für die Sehkraft wichtig ist. Dazu kommen kleinere Mengen an B-Vitaminen, Eisen und verschiedene Antioxidantien wie Polyphenole, die der Frucht ihre kräftige orange Farbe verleihen. Für eine so kleine Beere ist das ein bemerkenswert dichtes Nährstoffpaket.

Physalis kaufen, lagern und verwenden

Reife Physalis erkennt man an der trockenen, hellbraunen Hülle und der prall gefüllten, orangefarbenen Frucht darunter. Ist die Hülle noch grün und fest anliegend, ist die Beere meist noch nicht reif und schmeckt entsprechend sauer. Ungeöffnet in ihrer Hülle hält sich Physalis im Kühlschrank erstaunlich lange, oft mehrere Wochen, da die Hülle die Frucht vor Feuchtigkeit und Druckstellen schützt. Erst kurz vor dem Verzehr sollte man sie auspacken.

In der Küche eignet sich Physalis roh als Snack, im Obstsalat oder als essbare Deko auf Kuchen und Torten. Sie passt aber auch hervorragend in herzhafte Zusammenhänge, etwa zu Ziegenkäse, in Chutneys oder kurz angebraten zu Wild und Geflügel, wo ihre säuerliche Note gut mit fettigeren Speisen harmoniert. Wer gerne exotische Früchte mit ungewöhnlicher Optik oder Herkunftsgeschichte mag, findet ähnlich spannende Kandidaten bei der Guave, der Litschi oder der Passionsfrucht, die geschmacklich in eine ähnliche exotisch-säuerliche Richtung geht.

Wer Physalis bisher nur als Deko auf dem Dessertteller kannte, verpasst eigentlich den besten Teil. Probiert man sie pur und richtig reif, zeigt sich, warum diese kleine Andenbeere längst mehr ist als nur ein hübsches Extra am Tellerrand.

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