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Wie schmeckt Plazenta?

Plazentophagie klingt nach einem Nischenthema aus Hollywood, taucht aber immer häufiger auch in deutschen Wochenbett-Foren auf: der Verzehr des eigenen Mutterkuchens nach der Geburt, roh, gebraten, getrocknet oder in Kapselform. Die Plazenta versorgt das ungeborene Kind neun Monate lang mit Nährstoffen und Sauerstoff und wird direkt nach der Geburt geboren, danach landet sie meist im klinischen Abfall. Manche Frauen wollen das ändern und lassen sich den Mutterkuchen aufheben. Wer noch nie davon gehört hat, fragt sich vor allem eines: Wie schmeckt das eigentlich?

Wie schmeckt Plazenta wirklich?

Frauen, die rohe oder kurz angebratene Plazenta probiert haben, beschreiben den Geschmack übereinstimmend als eisenhaltig und metallisch, manche vergleichen ihn direkt mit einem blutigen Steak. Das ist biologisch naheliegend: Die Plazenta ist stark durchblutet und entsprechend eisen- und hämoglobinreich. Ähnlich wie bei Kaviar, dessen mineralisch-salziger Geschmack ebenfalls auf seinen Eisengehalt zurückgeht, dominiert also weniger ein kulinarisches Aroma als ein deutlicher Bluteindruck. In Smoothies mit gefrorenen Beeren und Saft lässt sich dieser Geschmack weitgehend überdecken, in getrockneter und pulverisierter Form als Kapsel schmeckt die Plazenta praktisch nach nichts mehr. Manche Anbieterinnen verarbeiten das Organ sogar zu sogenannten Plazenta-Trüffeln, an der grundsätzlichen Geschmacksrichtung ändert das aber nichts: Ohne kräftige Aromen von außen bleibt es bei Blut und Eisen.

Wie wird die Plazenta zubereitet?

Die Bandbreite reicht von roh über gekocht, getrocknet und geröstet bis zu Smoothie, Gulasch oder sogar Kuchen. Am weitesten verbreitet ist inzwischen die Verarbeitung zu Kapseln: Die Plazenta wird gereinigt, gedämpft, in einem Dehydrator getrocknet, zu Pulver gemahlen und in Gelatinekapseln abgefüllt. Wer das nicht selbst machen möchte, beauftragt spezialisierte Dienstleisterinnen, die dafür üblicherweise rund 300 Euro verlangen. Auch wenn das Ritual gern als uralte Tradition verkauft wird, gilt Plazentophagie unter Fachleuten eher als jüngerer Trend, der vor allem über US-amerikanische Prominente und soziale Medien populär wurde. Schauspielerin Mandy Moore etwa ließ sich ihre Plazenta zu Kapseln verarbeiten, auch Tom Cruise gehörte zu den bekannten Fürsprechern des Trends.

Welche Wirkung wird der Plazenta nachgesagt?

Befürworterinnen schreiben dem Verzehr eine ganze Liste an Effekten zu: Schutz vor einer postpartalen Depression, bessere Stimmung, angekurbelte Milchbildung, ein gestärktes Immunsystem, weniger Blutungen im Wochenbett und eine engere Mutter-Kind-Bindung. Wichtig einzuordnen: All das sind bislang unbelegte Versprechen ohne solide wissenschaftliche Grundlage, keine gesicherten medizinischen Wirkungen.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Die Psychiaterin Crystal Clark von der Northwestern University wertete die verfügbare Literatur systematisch aus und fand ganze vier empirische Studien am Menschen. Ihr Fazit: Für schmerzlindernde Effekte gab es überhaupt keine Daten am Menschen, für die übrigen behaupteten Wirkungen keine belastbaren Belege. Auch eine Übersichtsarbeit der Ärztin Cynthia Coyle stützte sich auf lediglich rund zehn Artikel und kam zu dem Schluss, dass weder Nutzen noch Risiken der Plazentophagie ausreichend untersucht sind, eine echte Nutzen-Risiko-Abschätzung sei damit derzeit gar nicht möglich. Konkreter wurde eine 2016 im Fachjournal Journal of Midwifery & Women’s Health veröffentlichte, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 23 Frauen, die den Eisenstatus viermal zwischen der 36. Schwangerschaftswoche und der dritten Woche nach der Geburt maß: Zwar enthielten die Plazentakapseln mehr Eisen als die Placebokapseln, ein messbarer Unterschied im Eisenstatus der Mütter ließ sich daraus aber nicht ableiten. Ein postpartales Eisendefizit lässt sich mit Plazentakapseln demnach nicht ausgleichen. Aufschlussreich ist auch der historische Rückblick: In Deutschland wurden in den 1980er-Jahren durchaus Plazenta-Präparate wie Hormocenta oder Placentubex C verkauft, allerdings nicht zum Essen, sondern als Hautcreme.

Welche Risiken birgt der Verzehr?

Die Plazenta erfüllt während der Schwangerschaft auch eine Filterfunktion und kann entsprechend Schadstoffe wie Cadmium, Quecksilber und Blei sowie Viren und Bakterien enthalten. Wie sauber verarbeitet wird, hängt stark vom jeweiligen Anbieter ab: Um Salmonellen zuverlässig abzutöten, müsste die Plazenta mindestens zwei Stunden lang auf 52 Grad Celsius erhitzt werden, eine Vorgabe, die in der unregulierten Branche keineswegs immer eingehalten wird. Wie ernst das Problem werden kann, zeigt ein dokumentierter Fall aus den USA: Eine Mutter aus Oregon infizierte ihr Neugeborenes über Plazentakapseln wiederholt mit B-Streptokokken, das Baby musste zweimal auf die Intensivstation und wurde mit Antibiotika behandelt. Laboranalysen bestätigten, dass die Bakterien in den Kapseln genetisch mit denen im Blut des Kindes übereinstimmten. B-Streptokokken können bei Neugeborenen im schlimmsten Fall Lungenentzündung, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung auslösen. Wer sich schon einmal gefragt hat, wie Muttermilch schmeckt, weiß, dass auch andere körpereigene Substanzen im Wochenbett kuriose Fragen aufwerfen, bei der Plazenta kommt aber ein handfestes Infektionsrisiko hinzu, das bei der Milch in dieser Form nicht besteht.

Unterm Strich bleibt Plazentophagie ein Trend ohne wissenschaftlich gesicherten Nutzen, dafür mit einem realen, wenn auch seltenen, Infektionsrisiko. Wer generell Freude an ungewöhnlichen Geschmacksfragen hat, wird auf wie-schmeckt.de fündig, etwa bei der Frage, wie Sperma schmeckt. Bei der eigenen Plazenta sollte die Entscheidung fürs Probieren aber nicht aus kulinarischer Neugier fallen, sondern erst nach Rücksprache mit Hebamme oder Ärztin.

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