
Macadamianüsse gehören zu den teuersten Nüssen im Supermarktregal, und wer sie einmal probiert hat, weiß meist auch warum. Ich habe mir angeschaut, wie sie eigentlich schmecken, warum ihre Schale als die härteste unter allen essbaren Nüssen gilt, woher sie ursprünglich stammen und worauf Hundebesitzer im Umgang mit ihnen unbedingt achten sollten.
Wie schmecken Macadamianüsse genau?
Der erste Eindruck ist fast immer derselbe: mild, buttrig und ausgesprochen cremig, mit einer feinen, leicht süßlichen Note im Hintergrund. Kaum geröstet, zergeht der Kern fast auf der Zunge, was ihr den Beinamen „Königin der Nüsse“ eingebracht hat. Der Grund dafür lässt sich ziemlich genau beziffern: Macadamiakerne bestehen zu rund 75 Prozent aus Fett, der höchste Wert aller handelsüblichen Nüsse. Ein Großteil davon sind einfach ungesättigte Fettsäuren, ähnlich wie beim Olivenöl, was für den runden, fast schon schmelzenden Charakter verantwortlich ist.
Im direkten Vergleich schmeckt die Erdnuss deutlich herzhafter und erdiger, während die Macadamia eher an eine Mischung aus Butter und milder Kokosnuss erinnert. Roh schmeckt sie schon gut, geröstet entfaltet sie aber noch einmal deutlich mehr Aroma, weil auch hier, ähnlich wie bei anderen Nüssen, Röstprozesse zusätzliche Aromastoffe freisetzen und die Süße stärker hervortreten lassen.
Die härteste Nussschale der Welt
Bevor man überhaupt zum Geschmack kommt, muss man an die Macadamia erst einmal herankommen, und das ist keine Kleinigkeit. Ihre Schale gilt als die härteste unter allen kommerziell genutzten Nüssen, ein gewöhnlicher Nussknacker richtet dagegen praktisch nichts aus. Nach Herstellerangaben braucht es einen Druck von rund 300 PSI, um sie zu öffnen, weshalb sich für den Hausgebrauch spezielle Tischknacker mit Hebelwirkung durchgesetzt haben.
Für die Industrie war das lange ein echtes technisches Problem: Klassische Knackmaschinen zerstörten dabei oft die Hälfte der wertvollen Kerne mit. Erst ein Maschinenbauprofessor der TU Bergakademie Freiberg, Matthias Kröger, entwickelte gemeinsam mit einer kenianischen Partneruniversität ein Verfahren, das die Schale kontinuierlich aufspaltet, statt sie zu zerdrücken. Rund 70 bis 80 Prozent der Kerne bleiben dabei ganz, deutlich mehr als bei herkömmlichen Verfahren, die seit 2018 zum Patent angemeldete Maschine schafft bis zu 100 Kilogramm Nüsse pro Stunde.

Herkunft: von den australischen Regenwäldern in die ganze Welt
Ursprünglich stammt die Macadamia aus den subtropischen Regenwäldern von Queensland und New South Wales in Australien, wo die Aborigines die Nüsse schon lange vor der europäischen Besiedlung als Nahrungsquelle nutzten. Botanisch beschrieben wurde sie erst 1857, benannt nach dem schottisch-australischen Wissenschaftler John Macadam.
Der kommerzielle Durchbruch gelang allerdings nicht in Australien, sondern auf Hawaii, wo Farmer ab Anfang des 20. Jahrhunderts die Anbau- und Verarbeitungsprobleme lösten und den Weltmarkt jahrzehntelang dominierten. Heute hat sich das Bild noch einmal verschoben: Australien gehört wieder zu den größten Erzeugern, mittlerweile aber gemeinsam mit Südafrika und Kenia, das sich zu einem der wichtigsten Anbauländer entwickelt hat. Die weltweite Produktion wächst dabei rasant, laut dem Industrieverband Agrar liegen die jährlichen Zuwachsraten mit rund 6,6 Prozent deutlich über denen anderer Nussarten.
Nährwerte: viel Fett, wenig Eiweiß
Ernährungsphysiologisch ist die Macadamia ziemlich das Gegenteil der Erdnuss. Während Erdnüsse mit ihrem hohen Eiweißgehalt punkten, liefert die Macadamia pro 100 Gramm nur rund 8 Gramm Eiweiß, dafür aber knapp 75 Gramm Fett und mit etwa 700 bis 720 Kalorien mehr Energie als fast jede andere Nuss. Kohlenhydrate spielen mit rund 13 Gramm pro 100 Gramm, größtenteils Ballaststoffe, kaum eine Rolle.
Für die Gesundheit ist vor allem die Fettqualität interessant: Der hohe Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren wirkt sich günstig auf die Blutfettwerte aus, ähnlich wie man es von der Avocado kennt, die geschmacklich und ernährungsphysiologisch gar nicht so weit von der Macadamia entfernt liegt. Dazu liefert die Nuss nennenswerte Mengen an Magnesium, Kalium und B-Vitaminen, die für Nerven und Herz wichtig sind.
Vorsicht bei Hunden
Was für Menschen ein Genuss ist, kann für Hunde gefährlich werden. Macadamianüsse gehören laut Tiergesundheitsexperten zu den Lebensmitteln, die für Hunde bereits in kleinen Mengen giftig sind, schon 0,7 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht können eine Vergiftung auslösen, bei einem 15 Kilo schweren Hund also schon drei bis vier Kerne. Typische Symptome sind Schwäche, Erbrechen, Zittern, Koordinationsstörungen und in manchen Fällen Fieber, meist innerhalb weniger Stunden nach dem Verzehr. Welcher Stoff genau dafür verantwortlich ist, ist tiermedizinisch bis heute nicht vollständig geklärt.
Die gute Nachricht: Die meisten Hunde erholen sich innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder vollständig, sofern sie tierärztlich betreut werden. Wer Macadamianüsse zu Hause hat, sollte sie trotzdem konsequent außer Reichweite von Hunden aufbewahren, auch verarbeitete Produkte wie Kekse oder Müsliriegel mit Macadamiaanteil zählen dazu.
Für mich bleibt die Macadamia trotz allem eine der lohnendsten Nüsse überhaupt, gerade weil sie so viel Aufwand macht, bevor man sie überhaupt essen kann. Wer einmal die harte Schale überwunden hat, wird für die Mühe mit einem der buttrigsten und rundesten Aromen belohnt, das die Nusswelt zu bieten hat.



