
Wer bei den Simpsons an Getränke denkt, hat meistens Duff Bier im Kopf. Aber es gibt einen zweiten Drink aus Springfield, der es zu echtem Kultstatus gebracht hat: den Flaming Moe. Ein Cocktail, der buchstäblich brennt, aus einer Notlage in Homers Küche entstand und am Ende fast eine ganze Restaurantkette reich gemacht hätte.
Die Episode: Wie aus einer Notlösung ein Kassenschlager wurde
Der Flaming Moe stammt aus der dritten Staffel der Serie, der Folge „Das Erfolgsrezept“ (Originaltitel „Flaming Moe’s“, Erstausstrahlung 1991). Die Ausgangslage ist typisch Simpsons: Homer braucht dringend etwas zu trinken, weil Patty und Selma zu Besuch sind, doch sein letztes Bier ist weg. Also schüttet er kurzerhand alles zusammen, was er an Spirituosen in der Küche findet.
Die entscheidende Zutat landet dabei eher aus Verzweiflung als aus Kalkül im Glas: Hustensaft der Marke Krusty, eigentlich für Kinder gedacht. Als ein Stück Zigarettenasche von Patty in das Glas fällt, fängt der Drink Feuer und brennt mit einer auffälligen blauen Flamme. Homer tauft seine Kreation „Flaming Homer“ und ist ziemlich stolz darauf.
Sein Kumpel Moe aus der Stammkneipe ist weniger stolz auf Homer als auf sich selbst. Er schnappt sich das Rezept, tauft es kurzerhand in „Flaming Moe“ um und behauptet öffentlich, das Getränk stamme aus einer Familientradition, in der seine Vorfahren angeblich als Hofbarkeeper der Zaren gedient hätten. Die Geschichte ist natürlich frei erfunden, funktioniert aber: Moe’s Taverne wird zum angesagtesten Laden der Stadt, sogar Aerosmith tritt dort auf, und eine große Restaurantkette will das Rezept aufkaufen.
Homer, der sich um seinen Ruhm betrogen fühlt, rächt sich am Ende auf seine eigene Art: Er verrät öffentlich die geheime Zutat. Damit ist der exklusive Nimbus des Drinks dahin, die Restaurantkette springt ab, und Moe’s Taverne wird wieder das, was sie vorher war. Die beiden versöhnen sich schließlich, und Moe serviert Homer zum Abschluss kostenlos einen „Flaming Homer“ als Zeichen der Freundschaft.
Warum brennt der Flaming Moe eigentlich?
Das visuelle Markenzeichen des Drinks in der Serie ist die blaue Flamme, die über der Flüssigkeit tanzt, ausgelöst durch die Zigarettenasche, die in Homers Mischung fällt. In der Serie bleibt offen, welche konkrete Zutat für den Brenneffekt sorgt, die Pointe liegt eher im Zufall der Entstehung als in einer plausiblen Chemie. Erst Jahre später, in einer späteren Episode der Serie, wird als augenzwinkernde Auflösung genannt, das eigentliche Geheimnis des Getränks sei schlicht „Liebe“ gewesen, eine typische Simpsons-Pointe, die sich selbst nicht zu ernst nimmt.
Interessant ist, was aus der fiktiven Idee außerhalb der Serie geworden ist. Weil die Simpsons nie ein offizielles Rezept veröffentlicht haben, haben sich Bars und Hobby-Barkeeper weltweit an eigenen Nachbauten versucht. Gängig sind Versionen mit Tequila, Pfefferminzlikör und weiteren Spirituosen als Basis, während für die namensgebende Flamme meist ein hochprozentiger Alkohol wie Rum oder Sambuca obenauf geschichtet und angezündet wird. Ein einheitliches „echtes“ Rezept gibt es dabei nicht, jede Bar kocht hier im wahrsten Sinne ihre eigene Suppe.
Brennende Cocktails: Show mit echtem Risiko
Genau an diesem Punkt hört der Spaß auf, harmlos zu sein. Cocktails mit offener Flamme sind keine Spielerei für zuhause, sondern bergen ein reales Verbrennungs- und Brandrisiko. Damit ein Getränk überhaupt brennt, braucht es hochprozentigen Alkohol, professionelle Quellen nennen hier meist mindestens 40 Volumenprozent, da schwächere Spirituosen gar nicht erst Feuer fangen. Genau dieser hohe Alkoholgehalt in Kombination mit offenem Feuer macht die Sache heikel.
In der professionellen Gastronomie gelten deshalb feste Regeln: Ein brennender Drink wird nur in feuerfesten Gläsern serviert, damit die Hitze das Glas nicht beschädigt oder springen lässt. Die Flamme soll außerdem nur kurz brennen und in der Regel von selbst erlöschen, bevor überhaupt getrunken wird. Barkeeper achten zudem darauf, dass sich in der Nähe keine brennbaren Materialien wie Servietten, Vorhänge oder Dekoration befinden, und halten für den Notfall eine Löschmöglichkeit bereit. Wer sowas privat nachstellen will, sollte sich bewusst sein, dass genau diese Vorsichtsmaßnahmen in einer normalen Küche oder auf einer Partyterrasse meistens fehlen, weshalb echte Flambier-Profis diese Show den entsprechend ausgestatteten Bars überlassen.
Ein Drink, der größer wurde als seine Episode
Dass ausgerechnet ein aus der Not geborener Drink mit Hustensaft als Geheimzutat zu einem der bekanntesten fiktiven Cocktails der Popkultur wurde, passt gut zum Humor der Serie. Ähnlich wie beim Duff Bier, das die Simpsons-Macher als Parodie auf Bierwerbung erfunden haben, zeigt auch der Flaming Moe, wie gut die Serie es versteht, aus einer Alltagssituation ein popkulturelles Symbol zu machen, das Jahrzehnte später noch in echten Bars nachgemixt wird.
Wer sich für weitere fiktive Getränke aus Serien und Filmen interessiert, die es in abgewandelter Form tatsächlich zu kaufen gibt oder die Fans nachgebaut haben, findet in unserem Artikel zu Duff Bier aus den Simpsons die Geschichte des anderen berühmten Springfield-Getränks. Auch das Slurm aus Futurama, das wir in unserem Artikel zu Slurm aus Futurama genauer unter die Lupe genommen haben, folgt einem ganz ähnlichen Prinzip aus Serien-Fiktion und Fan-Nachbauten. Wer generell wissen möchte, wie sich einzelne Spirituosen geschmacklich einordnen lassen, kann außerdem in unserem Artikel zu Gin nachlesen, was diese Basis so vielseitig macht.



