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Wie schmecken Garnelen?

Gebratene Knoblauch-Garnelen in einer Pfanne mit Kräutern und Zitrone

Garnelen gehören neben Lachs und Thunfisch zu den meistverkauften Meerestieren in Deutschland, landen aber erstaunlich oft ohne viel Nachdenken in der Pfanne. Dabei lohnt sich ein genauerer Blick: Geschmack und Textur hängen stark davon ab, ob die Tiere wild gefangen oder in Aquakultur gezüchtet wurden, wie groß sie sind und vor allem, wie sie zubereitet werden. Ich habe mir angeschaut, wonach Garnelen eigentlich schmecken, was den Unterschied zu Gambas und Scampi ausmacht und worauf man beim Kauf achten sollte.

Wie schmecken Garnelen genau?

Roh und frisch schmecken Garnelen mild und leicht süßlich, mit einer dezenten salzig-jodigen Note, die an Meerwasser erinnert. Richtig gegart entwickeln sie ein zartes, fast nussiges Aroma, das nie aufdringlich wird. Diese feine Balance aus Süße und einer dezenten umami-artigen Tiefe macht Garnelen zu einem so vielseitigen Grundbaustein vieler Gerichte. Das unterscheidet sie deutlich von kräftigeren Krustentieren wie Hummer, dessen Fleisch süßer und intensiver schmeckt und eine festere, fast fleischige Textur hat.

Die Textur ist bei Garnelen das eigentliche Qualitätsmerkmal. Richtig gegart sind sie knackig-fest und geben beim Reinbeißen einen leichten, fast schon hörbaren Widerstand, bevor das Fleisch zart nachgibt. Übergart werden sie dagegen schnell gummiartig oder mehlig-weich, ein Effekt, den viele fälschlich für „natürlich zäh“ halten, obwohl er fast immer an zu langer Garzeit liegt. Als Faustregel gilt: Sobald sich Garnelen zu einem C einrollen, sind sie fertig. Rollen sie sich zu einem engen O, waren sie zu lange in der Pfanne.

Wichtig ist auch die Frische. Frische Garnelen riechen kaum, höchstens ganz leicht nach Meer. Ein stechender, ammoniakartiger Geruch ist ein klares Zeichen dafür, dass die Ware nicht mehr taufrisch ist und besser im Regal bleiben sollte.

Warum werden Garnelen beim Kochen rosa?

Rohe Garnelen sind grau bis bläulich-transparent, teils mit dunklen Sprenkeln. Erst beim Erhitzen schlägt die Farbe in das bekannte Rosa-Rot um, und der Grund dafür ist ziemlich elegant: In der Schale steckt der rote Farbstoff Astaxanthin, der im lebenden Tier fest an ein Protein namens Crustacyanin gebunden ist. Diese Verbindung überlagert die eigentliche rote Farbe und lässt die Schale gräulich-grün erscheinen. Hitze zerstört die Proteinstruktur des Crustacyanins, das Astaxanthin löst sich heraus und zeigt endlich seine natürliche rote Farbe. Der exakt gleiche Mechanismus sorgt übrigens auch bei Hummer und Krabben für die Verwandlung von Dunkelgrau zu Leuchtend-Rot.

Rohe graue Garnelen auf Eis, noch vor dem Kochen
Roh sind Garnelen grau-transparent, erst Hitze setzt den roten Farbstoff Astaxanthin frei

Garnelen, Gambas, Scampi: Was ist eigentlich der Unterschied?

Im Deutschen ist „Garnele“ der Sammelbegriff für praktisch alle essbaren Zehnfußkrebse aus dieser Familie, unabhängig von Größe oder Herkunft. Englisch unterscheidet feiner zwischen „shrimp“ (meist kleiner) und „prawn“ (meist größer), eine Trennung, die biologisch nicht ganz sauber ist und je nach Region unterschiedlich gehandhabt wird. „Gambas“ bezeichnet im deutschen Sprachgebrauch meist größere, oft aus dem Mittelmeerraum oder Südamerika stammende Garnelen, wie man sie von spanischen Tapas kennt. „Scampi“ wiederum ist im deutschen Handel oft irreführend, da damit häufig einfach große Garnelen gemeint sind, während das Wort ursprünglich den Kaisergranat bezeichnet, ein ganz anderes Tier.

Auf Verpackungen findet sich zudem fast immer eine Zahlenangabe wie „16/20″ oder „21/25″. Sie gibt an, wie viele Garnelen dieser Größe auf ein englisches Pfund (454 Gramm) kommen. Je kleiner die Zahl, desto größer und teurer die einzelne Garnele.

Wildfang oder Zucht: Woher kommen die Garnelen im Supermarkt?

Der weitaus größte Teil der in Deutschland verkauften Garnelen stammt heute nicht aus dem offenen Meer, sondern aus Aquakultur, meist aus Südostasien oder Ecuador. Das hat einen einfachen Grund: Zucht lässt sich planen und skalieren, Wildfang nicht. Problematisch ist allerdings, dass für viele Garnelenteiche in der Vergangenheit großflächig Mangrovenwälder gerodet wurden, die eigentlich als Kinderstube für zahlreiche Fischarten und als natürlicher Küstenschutz dienen. Wer aus Nachhaltigkeitsgründen ohnehin nach Alternativen zu klassischem Fleisch Ausschau hält, stößt dabei irgendwann auch auf ganz andere Proteinquellen wie den Insektenburger, der mit einem noch deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck auskommt.

Genau hier setzt das Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) an. Seit 2014 zertifiziert die Organisation Garnelenfarmen, die nachweislich auf Mangrovenrodung verzichten, den Einsatz von Antibiotika begrenzen und faire Arbeitsbedingungen einhalten. Wer beim Einkauf auf das ASC-Logo achtet, unterstützt zumindest tendenziell die verträglichere Variante der Garnelenzucht. Mehr zu den Kriterien und Unterschieden zwischen Zucht und Wildfang erklärt der ASC in einem eigenen Ratgeber zu Garnelen.

Nährwerte: viel Eiweiß, wenig Kalorien

Ernährungsphysiologisch gehören Garnelen zu den effizientesten tierischen Proteinquellen überhaupt. 100 Gramm liefern etwa 20 bis 24 Gramm Eiweiß bei gleichzeitig nur rund 90 bis 100 Kalorien, dazu praktisch kein Kohlenhydratanteil. Besonders bemerkenswert ist der Gehalt an Selen und Vitamin B12, von denen schon eine kleine Portion einen Großteil des Tagesbedarfs deckt, sowie an Jod, das für die Schilddrüsenfunktion wichtig ist. Gerade für Pescetarier, die zwar auf Fleisch, nicht aber auf Meeresfrüchte verzichten, zählen Garnelen deshalb zu den ergiebigsten Proteinquellen auf dem Speiseplan.

Der Cholesteringehalt ist mit rund 150 bis 190 Milligramm pro 100 Gramm vergleichsweise hoch, was Garnelen über Jahrzehnte einen schlechten Ruf eingebracht hat. Neuere Ernährungsstudien relativieren das allerdings: Entscheidend für den Blutcholesterinspiegel ist vor allem die Aufnahme gesättigter Fettsäuren, und die ist bei Garnelen niedrig. In Maßen gegessen gelten sie deshalb heute als unbedenklicher Teil einer ausgewogenen Ernährung.

Garnelen richtig zubereiten

Die klassische Zubereitung in Deutschland und Spanien sind Knoblauch-Garnelen, kurz und scharf in Olivenöl angebraten, mit reichlich Knoblauch, etwas Chili und einem Spritzer Zitrone. Genauso beliebt sind Garnelenspieße vom Grill, die durch die kurze, direkte Hitze außen leicht Röstaromen bekommen, während das Innere saftig bleibt. Wer es kühl mag, mariniert rohe oder blanchierte Garnelen für eine Ceviche in Limettensaft, der das Fleisch durch die Säure „gart“, ohne dass Hitze im Spiel ist.

Auf einer gemischten Meeresfrüchteplatte machen sich Garnelen besonders gut neben Produkten mit gegensätzlicher Textur: der cremigen Weichheit von Austern, dem festeren Biss von Jakobsmuscheln oder dem eher zähen, leicht gummigen Charakter von gegrilltem Tintenfisch. Gerade dieser Kontrast zeigt, wie vielseitig und zugleich eigenständig der Geschmack von Garnelen tatsächlich ist.

Ein letzter Tipp aus der Küche: Salz erst kurz vor Ende der Garzeit dazugeben. Zu früh gesalzen ziehen Garnelen Wasser, was die Textur weicher und weniger knackig macht. Wer diese Kleinigkeit beachtet und die Garzeit im Blick behält, bekommt aus einer im Grunde unkomplizierten Zutat eines der dankbarsten Gerichte der Meeresküche überhaupt.

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