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Wie schmeckt Sternanis?

Sternanis fällt schon durch seine markante Sternform auf, bevor man ihn überhaupt probiert hat. Als Gewürz ist er aus der asiatischen Küche kaum wegzudenken und taucht zunehmend auch in europäischen Wintergetränken auf. Ich habe mir angeschaut, wie Sternanis tatsächlich schmeckt, wie er sich von echtem Anis unterscheidet und wo er überall zum Einsatz kommt.

Wie schmeckt Sternanis genau?

Sternanis schmeckt intensiv süßlich-würzig mit einer klaren Lakritznote, kräftiger und herber als der optisch ähnliche, aber botanisch nicht verwandte Anis. Verantwortlich für den charakteristischen Geschmack ist der Aromastoff Anethol, derselbe Stoff, der auch echtem Anis, Fenchel und Lakritz ihre typische Süße verleiht, weshalb die drei Gewürze geschmacklich oft verwechselt werden.

Anders als gemahlener Anis entfaltet Sternanis sein Aroma besonders gut beim langsamen Ziehenlassen in heißen Flüssigkeiten, etwa in Tee, Glühwein oder Brühen. Gebissen schmeckt die harte, sternförmige Kapsel zunächst mild, dann zunehmend intensiv bitter-süßlich, mit einem lang anhaltenden, wärmenden Nachgeschmack im Rachen.

Sternanis vs. echter Anis: kein Verwandter

Trotz des ähnlichen Namens und vergleichbaren Geschmacks sind Sternanis und echter Anis botanisch nicht miteinander verwandt. Echter Anis (Pimpinella anisum) gehört zur Familie der Doldenblütler, während Sternanis (Illicium verum) von einem immergrünen Baum aus der Familie der Sternanisgewächse stammt, der vor allem in Südchina und Vietnam wächst. Beide enthalten jedoch denselben Aromastoff Anethol, was die geschmackliche Ähnlichkeit erklärt und dazu führt, dass sie in vielen Rezepten austauschbar verwendet werden.

Herkunft und Verwendung in China

Sternanis ist eine der zentralen Zutaten des chinesischen Fünf-Gewürze-Pulvers, zusammen mit Sichuanpfeffer, Fenchelsamen, Gewürznelken und Zimt. Diese Mischung prägt den Geschmack unzähliger Schmorgerichte, allen voran das bekannte chinesische Rindfleisch-Schmorgericht Hong Shao Rou. In der vietnamesischen Küche ist Sternanis außerdem unverzichtbar für die würzige Brühe der Nudelsuppe Pho, wo er zusammen mit Ingwer und Zimt für die charakteristische Tiefe sorgt.

Verwendung in der westlichen Küche

In Europa taucht Sternanis vor allem in der Winterzeit auf, als Gewürz in Glühwein, Punsch oder weihnachtlichem Gebäck. Auch in der Pharmaindustrie spielt er eine wichtige Rolle: Die aus Sternanis gewonnene Shikimisäure ist ein zentraler Ausgangsstoff für die Herstellung bestimmter Grippemedikamente. Wer Sternanis zum ersten Mal pur probiert, sollte auf die kräftige, fast schon medizinische Süße vorbereitet sein, in Kombination mit anderen Gewürzen wirkt er dagegen deutlich harmonischer und runder.

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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