
Die klassische Regel von zwei Litern am Tag für alle Menschen gilt als wissenschaftlich widerlegt. Eine internationale Forschergruppe um den japanischen Wissenschaftler Yosuke Yamada wertete Daten von mehr als 5.600 Menschen aus 23 Ländern aus – veröffentlicht im renommierten Fachjournal Science. Das Ergebnis: Es gibt keine wissenschaftlich fundierte Universalmenge, die für alle Menschen gleichermaßen gilt.
Warum der Wasserbedarf so stark schwankt
Der tägliche Wasserumsatz variiert laut der Studie enorm – zwischen etwa einem und sechs Litern pro Tag. Wie viel ein Mensch tatsächlich braucht, hängt von Alter, Gewicht, körperlicher Aktivität, aber auch von sozioökonomischen Lebensumständen und den klimatischen Bedingungen am Wohnort ab. Schon der bekannte Nierenspezialist Heinz Valtin kam früher zu dem Schluss, dass es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt, dass ausnahmslos jeder Mensch mindestens zwei Liter am Tag trinken muss.

Was die DGE tatsächlich empfiehlt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät gesunden Erwachsenen in gemäßigtem Klima zu rund 1,5 Litern über den Tag verteilt – deutlich weniger als die oft zitierten zwei Liter. Wichtig dabei: Diese Empfehlung bezieht sich nur auf Getränke. Wer viel Obst, Gemüse und Suppen isst, nimmt zusätzlich Flüssigkeit über die feste Nahrung auf und kann entsprechend weniger trinken.
Der Durst als verlässlicher Kompass
Für gesunde, junge Menschen gilt der eigene Durst als zuverlässiger Indikator. Eine Studie der Monash University zeigte sogar, dass der Schluckreflex des Körpers gehemmt wird, sobald ausreichend Flüssigkeit aufgenommen wurde – der Körper bremst sich bei Bedarf also selbst.
Wichtige Ausnahme
Nicht jeder kann sich blind auf sein Durstgefühl verlassen: Ältere Menschen, Kinder sowie Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen wie Nierenproblemen oder Diabetes sollten ihre Trinkmenge bewusster im Blick behalten, da das Durstempfinden bei ihnen weniger zuverlässig funktioniert und eine Dehydrierung schneller unbemerkt bleiben kann.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische oder ernährungswissenschaftliche Beratung. Bei Vorerkrankungen oder Unsicherheiten bezüglich der Trinkmenge wende dich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Ernährungsberatung.



