Granatapfel gehört zu den Früchten, die viele wegen der mühsamen Kerne meiden, dabei lohnt sich der Aufwand geschmacklich fast immer. Ich habe mir angeschaut, wie die roten Kerne wirklich schmecken, warum die Frucht kulturell so aufgeladen ist und wie man sie am einfachsten öffnet.
Wie schmeckt Granatapfel genau?
Granatapfelkerne schmecken süß-säuerlich und herb-fruchtig zugleich, mit einer Aromatik, die an eine Mischung aus roten Trauben, Johannisbeeren und einem Hauch Kirsche erinnert. Charakteristisch ist der leicht adstringierende, zusammenziehende Effekt im Mund, ausgelöst durch die enthaltenen Tannine, ähnlich wie bei kräftigem Rotwein oder unreifen Weintrauben.
Jeder einzelne Kern besteht aus einer knackigen, saftgefüllten Hülle um einen kleinen, essbaren Samenkern, der beim Kauen für eine angenehm nussige Textur sorgt. Der Reifegrad beeinflusst den Geschmack erheblich: Reife Früchte schmecken deutlich süßer mit wenig Säure, während unreife oder minderwertige Exemplare spürbar herber und trockener ausfallen.
Rhabarber, Avocado, Tomate: zwölf Kandidaten, zwei Antwortmöglichkeiten, keine zwei Minuten.
Warum Granatapfel so mühsam zu öffnen ist
Die zähe, ledrige Schale und die bittere weiße Trennhaut zwischen den Kernkammern machen den Granatapfel zu einer der aufwendigeren Früchte im Obstregal. Der einfachste Trick: die Frucht halbieren, mit der Schnittfläche nach unten über einer Schüssel halten und mit einem Kochlöffel kräftig auf die Schale klopfen, die Kerne lösen sich dabei fast von selbst und fallen heraus, während die bittere weiße Haut größtenteils an der Schale hängen bleibt.
Herkunft und kulturelle Bedeutung
Der Granatapfel stammt ursprünglich aus dem Gebiet zwischen dem heutigen Iran und Nordindien und zählt zu den ältesten kultivierten Früchten der Menschheit, archäologische Funde reichen mehrere Tausend Jahre zurück. In vielen Kulturen gilt er seit der Antike als Symbol für Fruchtbarkeit, Wohlstand und Leben, in der griechischen Mythologie spielt er in der Persephone-Sage eine zentrale Rolle. Heute wird Granatapfel vor allem im Mittelmeerraum, im Iran, in Indien und in den USA großflächig angebaut.
Nährwerte: reich an Antioxidantien
Granatapfelkerne liefern pro 100 Gramm etwa 80 bis 85 Kilokalorien und enthalten nennenswerte Mengen Vitamin C, Vitamin K sowie Folsäure. Bekannt ist die Frucht vor allem für ihren hohen Gehalt an Polyphenolen, sekundären Pflanzenstoffen mit antioxidativer Wirkung, denen in zahlreichen Studien positive Effekte auf Herz-Kreislauf-Gesundheit zugeschrieben werden, auch wenn die Studienlage zu konkreten Gesundheitsversprechen weiterhin uneinheitlich ist.
Verwendung in der Küche
Frische Kerne eignen sich hervorragend für Salate, Joghurt oder als Topping für Desserts, ihre Säure und Knackigkeit bilden einen schönen Kontrast zu cremigen oder milden Speisen. In der levantischen und persischen Küche wird zudem Granatapfelmelasse verwendet, ein eingekochter, sirupartiger Saft mit intensiv süß-säuerlicher, fast schon würziger Note, der klassischen Gerichten wie Muhammara oder Fesenjan seine charakteristische Tiefe verleiht.
Wer Granatapfel zum ersten Mal probiert, sollte die Kerne langsam kauen und den kleinen harten Samen mit durchbeißen, viele spucken ihn versehentlich aus, verpassen dabei aber einen Teil der nussigen Textur, die zum Gesamterlebnis dazugehört.
Zum Weiterspielen: Aufgeschnitten erkennt den Granatapfel fast jeder. Neun weitere Nahaufnahmen in unserem Bilderquiz sind deutlich schwerer: Erkennst du diese 10 Lebensmittel?

