Muskatnuss steckt in Kartoffelpüree, Béchamelsauce und weihnachtlichem Gebäck, wird dabei aber fast immer nur in winzigen Mengen verwendet. Das hat einen guten Grund. Ich habe mir angeschaut, wie Muskatnuss tatsächlich schmeckt, warum eine Überdosis gefährlich werden kann und was Muskatblüte damit zu tun hat.
Wie schmeckt Muskatnuss genau?
Muskatnuss schmeckt warm-würzig, leicht süßlich und holzig-erdig, mit einer feinen, fast schon harzigen Schärfe im Nachgeschmack. In kleinen Mengen wirkt sie rund und dezent, ähnlich wie eine Mischung aus Zimt und Pfeffer, mit einem Hauch nussiger Süße. Frisch geriebene Muskatnuss ist dabei deutlich intensiver und aromatischer als bereits gemahlenes Pulver aus dem Glas, das schnell an Aroma verliert, weil die ätherischen Öle rasch verfliegen.
Verwendet man zu viel Muskatnuss, kippt der Geschmack schnell ins Bittere und Seifige, ein deutliches Zeichen, dass man die Dosierung überschritten hat. Genau deshalb wird das Gewürz fast überall nur sparsam eingesetzt, meist reicht ein feiner Hauch, um einem Gericht die charakteristische Tiefe zu geben, ohne den Eigengeschmack zu dominieren.
Zehn Gewürze als Nahaufnahme. Ganze Körner sind machbar, gemahlen wird es zur Ratesache.
Warum Muskatnuss in großen Mengen gefährlich ist
Muskatnuss enthält den Stoff Myristicin, der in kleinen, kulinarisch üblichen Mengen unbedenklich ist, in größeren Dosen jedoch halluzinogen und toxisch wirkt. Bereits ab etwa zwei ganzen Muskatnüssen kann es zu Übelkeit, Herzrasen, Verwirrtheit und starken Kreislaufproblemen kommen, in Einzelfällen wurden auch schwerere Vergiftungen dokumentiert. Aus diesem Grund raten Fachleute eindringlich davon ab, Muskatnuss als vermeintlich harmlose Rauschdroge zu missbrauchen, ein Trend, der gelegentlich in sozialen Medien kursiert.
Muskatnuss und Muskatblüte: zwei Gewürze, eine Frucht
Muskatnuss ist der harte, ovale Samenkern der Frucht des Muskatnussbaums. Um diesen Kern liegt ein leuchtend rotes, netzartiges Gewebe, das getrocknet als eigenständiges Gewürz unter dem Namen Muskatblüte (Mace) verkauft wird. Muskatblüte schmeckt ähnlich wie Muskatnuss, aber feiner, milder und etwas pfeffriger, und wird traditionell vor allem in hellen Saucen verwendet, weil sie im Gegensatz zu gemahlener Muskatnuss keine dunklen Punkte hinterlässt.
Verwendung in der Küche
Klassisch wird Muskatnuss in Kartoffelpüree, Spinat, Béchamelsauce und Kürbisgerichten frisch darübergerieben. In der Weihnachtsbäckerei ergänzt sie sich hervorragend mit Zimt und Piment, auch im klassischen Eierlikör und in manchen Glühweinrezepten sorgt sie für die charakteristische, warme Würze. Am besten kauft man ganze Muskatnüsse und reibt sie erst kurz vor der Verwendung mit einer feinen Reibe frisch, das macht geschmacklich einen deutlichen Unterschied gegenüber fertigem Pulver.
Muskatnuss als mittelalterliches Luxusgut
Dass Muskatnuss heute für wenige Euro im Regal liegt, ist historisch die Ausnahme. Im Mittelalter zählte sie zu den teuersten Handelswaren überhaupt, weil sie ausschließlich von den Molukken kam und über eine lange Kette von Zwischenhändlern nach Europa gelangte. Wer sie verwendete, demonstrierte damit Vermögen. Warum trotzdem stark gewürzt wurde und was am verbreiteten Mythos vom übertünchten verdorbenen Fleisch dran ist, steht im Beitrag über Gewürze im Mittelalter.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine Muskatnussvergiftung wende dich bitte umgehend an einen Arzt, eine Ärztin oder die Giftnotrufzentrale.

