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Wie schmeckt Litschi?

Litschi

Litschis liegen meistens in kleinen Netzen im Supermarkt, mit ihrer auffällig roten, rauen Schale, unter der sich niemand so recht etwas vorstellen kann, der die Frucht noch nicht probiert hat. Dabei gehört Litschi zu den aromatischsten Früchten überhaupt, in China wird sie seit Jahrtausenden angebaut und war schon Kaiserinnen ihren Preis wert. Wie sie schmeckt, woher sie kommt und worauf man beim Essen achten sollte, schaue ich mir hier genauer an.

Wie schmeckt Litschi genau?

Litschi schmeckt intensiv süß und gleichzeitig blumig-parfümiert, mit einer feinen säuerlichen Note, die das Ganze angenehm frisch hält. Am ehesten lässt sich das Aroma als Mischung aus Weintraube und Rose beschreiben, manche schmecken auch einen Hauch Muskat oder Erdbeere heraus. Genau dieses parfümierte, an Rosenwasser erinnernde Aroma ist es, weshalb Litschi so oft in Parfüms und Desserts auftaucht.

Die Süße ist dabei kein plumpes Zuckeraroma, sondern wirkt leicht, saftig und erfrischend, fast wie eine Mischung aus Frucht und Blütenduft in einem Bissen. Wer Litschi zum ersten Mal isst, ist oft überrascht, wie parfümiert eine Frucht schmecken kann, ohne dabei aufdringlich zu wirken.

Aussehen und Konsistenz

Unter der rauen, roten bis rosa-roten Schale mit ihrer charakteristischen noppigen Struktur verbirgt sich ein Kontrast, der beim ersten Öffnen fast überrascht: durchscheinend-weißes, glänzendes Fruchtfleisch, saftig und von der Konsistenz her einer entkernten Weintraube nicht unähnlich. Die Schale selbst ist nicht essbar und lässt sich mit den Fingern oder einem kleinen Messer leicht abziehen.

In der Mitte jeder Frucht sitzt ein einzelner, glatter brauner Kern, der ebenfalls nicht gegessen wird. Er lässt sich beim Essen einfach aus dem Fruchtfleisch herauslösen, ähnlich wie bei einer Kirsche oder Pflaume, nur dass das Fruchtfleisch bei der Litschi das Innere komplett umschließt.

Litschis mit roter, noppiger Schale, einige geöffnet mit sichtbarem Kern
Die raue rote Schale lässt sich leicht abziehen und gibt den Blick auf das saftige Fruchtfleisch frei

Herkunft: eine Liebesfrucht aus China

Die Litschi stammt ursprünglich aus Südchina, wo sie bereits seit mehr als 2000 Jahren kultiviert wird. In China gilt sie traditionell als eine Art Liebesfrucht und genoss am Kaiserhof einen legendären Ruf. Die bekannteste Geschichte dazu dreht sich um Yang Guifei, die berühmte Lieblingskonkubine von Kaiser Xuanzong aus der Tang-Dynastie im 8. Jahrhundert. Sie war so vernarrt in frische Litschis aus ihrer südchinesischen Heimat, dass der Kaiser eigens ein Netz aus Poststationen und Pferdekurieren einrichten ließ, damit die empfindlichen Früchte innerhalb weniger Tage frisch von Guangdong bis an den kaiserlichen Hof gebracht werden konnten, eine logistische Meisterleistung allein für den Geschmack einer einzigen Frau.

Von China aus verbreitete sich der Litschibaum erst spät in andere Regionen, nach Myanmar etwa Ende des 17. Jahrhunderts, nach Indien und Thailand rund hundert Jahre später. Heute wird Litschi auch in Madagaskar, Südafrika, Vietnam und Teilen Südeuropas angebaut, wobei China weiterhin der wichtigste Erzeuger ist. Ähnlich wie bei der Jujube handelt es sich also um eine Frucht mit jahrtausendealter chinesischer Anbautradition, die erst in der Neuzeit ihren Weg auf den Weltmarkt fand.

Nährwerte: reich an Vitamin C

Litschi ist ausgesprochen reich an Vitamin C, je nach Quelle und Reifegrad liefern 100 Gramm zwischen 40 und 100 Milligramm, also einen beträchtlichen Teil des Tagesbedarfs. Dazu kommen kleinere Mengen an B-Vitaminen wie Folsäure, sowie Kalium, Kupfer und Magnesium. Mit rund 70 bis 75 Kalorien pro 100 Gramm ist sie dabei vergleichsweise leicht, ähnlich wie die Guave, die ebenfalls für ihren hohen Vitamin-C-Gehalt bekannt ist.

Frische Litschis reifen nach der Ernte nicht mehr nach, weshalb sich ein Kauf nur lohnt, wenn die Schale bereits kräftig rot bis rosa gefärbt und nicht braun oder ausgetrocknet wirkt. Im Kühlschrank halten sie sich, luftig verpackt, etwa eine bis zwei Wochen.

Ein Wort zu unreifen Litschis

Ein Punkt, den ich der Vollständigkeit halber erwähnen möchte: Unreife Litschis enthalten den Stoff Hypoglycin A, der den Blutzuckerspiegel senken kann. In der nordindischen Region um Muzaffarpur kam es deshalb über Jahre hinweg zu schweren, teils tödlichen Erkrankungen bei unterernährten Kindern, die in der Erntesaison größere Mengen unreifer Litschis auf nüchternen Magen gegessen hatten. Für den ganz normalen Verzehr reifer Litschis aus dem europäischen Supermarkt, wie man ihn hier kennt, besteht dieses Risiko nicht, es betrifft ausschließlich unreife Früchte unter sehr spezifischen Bedingungen. Trotzdem sollte man Litschis grundsätzlich erst essen, wenn sie wirklich reif sind.

Wie man Litschi am besten isst

Am einfachsten schält man die Schale mit den Fingern ab, ähnlich wie bei einer Mandarine, und isst das Fruchtfleisch pur, direkt um den Kern herum. Litschi passt gut in Obstsalate, macht sich aber auch hervorragend in asiatisch inspirierten Desserts, in Sorbets oder als fruchtige Ergänzung zu herzhaften Gerichten mit Ingwer oder Chili. Auch in Cocktails, etwa dem klassischen Litschi-Martini, sorgt ihr parfümiertes Aroma für eine unverwechselbare Note.

Wer exotische Früchte mit ähnlich langer Geschichte mag, findet auch bei der Drachenfrucht oder der Kiwi interessante Parallelen, beide stammen ursprünglich ebenfalls aus China und haben sich von dort aus erst im Lauf der letzten anderthalb Jahrhunderte über die ganze Welt verbreitet.

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