Beim Tag des Weines ist die Terminlage unübersichtlich. Im deutschen Sprachraum kursiert der 25. Mai, daneben begeht die deutsche Weinwirtschaft einen eigenen Tag des Deutschen Weins im Frühjahr, und international gibt es weitere Daten. Ein offizieller Termin existiert nicht.
Interessanter als die Datumsfrage ist ohnehin, was auf dem Etikett steht. Kaum ein Lebensmittel ist in Deutschland so detailliert geregelt wie Wein, und kaum eines wird so häufig missverstanden.
Die Qualitätsstufen sind keine Geschmacksurteile
Das deutsche Weinrecht kennt eine Stufenleiter, die von der einfachen Grundstufe bis zum Prädikatswein reicht. Entscheidend für die Einordnung ist das Mostgewicht, gemessen in Grad Öchsle, also der Zuckergehalt des Traubenmostes zum Zeitpunkt der Lese.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Die Prädikate bauen darauf auf:
- Kabinett: die Einstiegsstufe der Prädikatsweine, je nach Rebsorte ab etwa 73 bis 76 Grad Öchsle
- Spätlese: ab rund 85 bis 90 Grad Öchsle
- Auslese: ab etwa 92 bis 100 Grad Öchsle, ausgelesene vollreife Trauben
- Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein: die Spitze, mit deutlich höheren Anforderungen
Der entscheidende Unterschied zur Grundstufe: Prädikatsweine dürfen nicht angereichert werden, also nicht mit Zucker aufgebessert. Was im Glas an Alkohol landet, muss vollständig aus dem Zucker der Traube stammen.
Ein häufiges Missverständnis: Spätlese heißt nicht automatisch süß. Das Prädikat sagt nur etwas über die Reife der Trauben aus. Ob der Zucker später zu Alkohol vergoren wird oder als Restsüße im Wein bleibt, ist eine getrennte Entscheidung im Keller. Eine trockene Spätlese ist völlig normal.

Wann ein Wein trocken heißen darf
Die Geschmacksangaben sind europaweit über Restzuckerwerte definiert, und die Grenzen sind enger, als viele denken:
- Trocken: höchstens 4 Gramm Zucker je Liter, oder bis 9 Gramm, wenn die Gesamtsäure höchstens 2 Gramm darunter liegt
- Halbtrocken: bis 12 Gramm je Liter, unter Säurebedingung bis 18 Gramm
- Lieblich: bis 45 Gramm je Liter
- Süß: ab 45 Gramm je Liter
Die Säureklausel bei trocken und halbtrocken ist der Grund, warum zwei Weine mit demselben Zuckerwert unterschiedlich eingestuft sein können. Dahinter steckt Sensorik: Säure überdeckt Süße. Ein säurebetonter Riesling mit 8 Gramm Restzucker schmeckt tatsächlich trockener als ein säurearmer Wein mit 5 Gramm.
Deutschland in Zahlen
Die Größenordnung des deutschen Weinbaus:
- Rebfläche 2025: 101.965 Hektar, ein Rückgang um 1.330 Hektar gegenüber dem Vorjahr
- Davon 70.884 Hektar Weißwein und 31.081 Hektar Rotwein
- Weinerzeugung 2025: 7,55 Millionen Hektoliter, 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr
- Riesling belegt fast ein Viertel der gesamten Rebfläche
Regional ist die Verteilung sehr ungleich. Rheinhessen und Pfalz stellen zusammen rund 51 Prozent der Ernte, Baden und Württemberg weitere 26 Prozent. Die übrigen neun Anbaugebiete teilen sich den Rest.
Der Rückgang der Fläche ist dabei kein Ausreißer, sondern ein Trend. Weinbau in Steillagen rechnet sich zunehmend schlechter, weil die Handarbeit teuer und der Absatz rückläufig ist.
Neu auf dem Etikett
Seit dem 8. Dezember 2023 müssen Weine, die ab diesem Datum erzeugt wurden, ein Zutatenverzeichnis und eine Nährwertkennzeichnung tragen. Bis dahin war Wein davon ausgenommen, was ihn gegenüber praktisch allen anderen Lebensmitteln bevorzugte. Zulässig ist auch ein digitaler Weg über einen Code auf dem Etikett.
Ebenfalls kennzeichnungspflichtig ist Sulfit, sobald bestimmte Gehalte überschritten werden. Schwefel wird zum Schutz vor Oxidation zugesetzt, die Höchstmengen hängen von Weintyp, Qualitätsstufe und Zuckergehalt ab.
Wein hat eine lange Vorgeschichte
Dass Wein in Deutschland überhaupt angebaut wird, geht auf die Römer zurück, und im Mittelalter war er in vielen Regionen Alltagsgetränk statt Genussmittel. Wie das aussah, steht im Beitrag zu Wein im Mittelalter. Das noch ältere alkoholische Getränk war Met, der auf Honig statt Trauben beruht.
Eine eigene Kategorie sind aufgespritete Weine wie Portwein, bei denen die Gärung durch Alkoholzugabe gestoppt wird und deshalb viel Restzucker bleibt.
Im Herbst kommt außerdem der junge, noch gärende Wein auf den Tisch, traditionell zum Erntedankfest und zum Martinstag, an dem der Most früher offiziell als Wein galt.
Weitere Termine dieser Art stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.

