Am 20. Mai fallen zwei Termine zusammen: der Weltbienentag und der Tag des Honigs. Der erste ist ein UN-Beschluss, der zweite hängt sich thematisch an, und beide meinen dasselbe Thema von zwei Seiten, einmal vom Tier und einmal vom Produkt her.
Warum der 20. Mai
Das Datum ist der Geburtstag von Anton Janša, geboren 1734 in Krain im heutigen Slowenien. Janša gilt als Pionier der modernen Bienenzucht und war der erste Lehrer für Imkerei an der Wiener Hofimkerei. Slowenien brachte den Vorschlag in die Vereinten Nationen ein, seit 2018 wird der Tag begangen.
Der Anlass ist ernst gemeint: Bestäubung durch Insekten ist eine Voraussetzung für einen erheblichen Teil der weltweiten Nahrungsmittelproduktion. Damit steht der Tag in derselben Reihe wie der Welternährungstag, bei dem es ebenfalls um Versorgung geht und nicht um Genuss.
Zehn Nahaufnahmen, vier Antworten pro Bild. Die ersten sind machbar, ab der Mitte wird es unangenehm.
Deutschland deckt nur gut ein Drittel des eigenen Bedarfs
Die deutschen Zahlen sind größer, als die meisten vermuten, und trotzdem reichen sie nicht:
- 143.000 Imkerinnen und Imker
- 964.000 Bienenvölker
- zusammen rund 32.000 Tonnen Honig im Jahr
- das entspricht etwa 37 Prozent des deutschen Bedarfs
Fast zwei Drittel des hier verzehrten Honigs werden also importiert. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch weltweit, und die eigene Erzeugung kommt dagegen nicht an. Auffällig ist auch die Struktur: Bei knapp einer Million Völkern und 143.000 Imkern kommen im Schnitt rund sieben Völker auf einen Imker. Die deutsche Imkerei ist überwiegend Hobby, nicht Gewerbe.
Was die Honigverordnung vorschreibt
Honig ist ein streng geregeltes Naturprodukt, dem nichts zugesetzt und nichts entzogen werden darf. Die wichtigsten Kennzahlen:
- Wassergehalt höchstens 20 Prozent. Darüber beginnt Honig zu gären, weil Hefen wieder aktiv werden
- HMF höchstens 40 Milligramm je Kilogramm. Hydroxymethylfurfural ist ein Zuckerabbauprodukt, das bei Erhitzung und langer Lagerung entsteht
- Angabe des Ursprungslandes ist seit 2004 Pflicht
Der HMF-Wert ist dabei der eigentlich interessante Parameter, weil er wie ein Frischezeugnis funktioniert. Niedriger HMF-Gehalt bedeutet frisch und naturbelassen, ein hoher Wert weist auf Erwärmung oder lange Lagerung hin. Genau deshalb gehört Honig nicht in heißen Tee, jedenfalls nicht, solange er kocht.
Strenger als die Verordnung ist das Zeichen Echter Deutscher Honig: Dort sind höchstens 18 Prozent Wassergehalt erlaubt.
Warum Honig kristallisiert
Dass Honig fest wird, ist kein Fehler, sondern die Regel. Er ist eine übersättigte Zuckerlösung, und das Verhältnis von Fructose zu Glucose entscheidet über das Tempo. Glucose kristallisiert leicht, Fructose bleibt flüssig.
Deshalb wird Rapshonig mit seinem hohen Glucoseanteil binnen Wochen steinhart, während Akazienhonig mit viel Fructose jahrelang flüssig bleibt. Wer kristallisierten Honig wieder flüssig haben will, erwärmt ihn schonend im Wasserbad bei höchstens 40 Grad, weil darüber Enzyme zerstört werden und der HMF-Gehalt steigt.

Wie lange das Ganze überhaupt haltbar ist, klärt der Beitrag dazu, wie lange Honig haltbar ist. Die kurze Antwort: praktisch unbegrenzt, das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Formsache.
Ein Hinweis, der wirklich wichtig ist
Säuglinge unter zwölf Monaten dürfen keinen Honig bekommen. Er kann Sporen des Bakteriums Clostridium botulinum enthalten, die im noch unreifen Darm von Säuglingen auskeimen und dort ein Nervengift bilden können. Für ältere Kinder und Erwachsene ist das kein Problem, weil die etablierte Darmflora das verhindert. Erhitzen hilft nicht zuverlässig, weil die Sporen hitzestabil sind.
Sortenhonige schmecken sehr unterschiedlich
Wie stark sich Honige unterscheiden, unterschätzen viele. Die Spanne reicht von mild und blumig bis harzig, malzig oder scharf. Ausführlich steht das im Beitrag dazu, wie Honig schmeckt. Ein Extremfall ist Manuka-Honig, der medizinisch beworben wird und dessen Preis in keinem Verhältnis zum Geschmack steht.
Historisch war Honig lange das einzige verfügbare Süßungsmittel, und aus ihm entstand das älteste alkoholische Getränk Europas. Wie das schmeckte, steht im Beitrag zu Met, dem Honigwein des Mittelalters.
Weitere Termine dieser Art stehen in unserer Übersicht der kulinarischen Feiertage.
Quellen
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Honig, Erzeugung und Zahlen
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Honig, was bedeuten die Angaben auf dem Etikett?
- Bundeszentrum für Ernährung: Die Regeln hinter dem Honig-Glas
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Honige und Imkereierzeugnisse

