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Wie schmeckt Manuka-Honig?

Manuka-Honig gehört zu den teuersten Honigsorten der Welt und wird seit Jahren mit einem Ruf als Superfood und Wundermittel beworben. Ein Glas aus dem Bioladen kostet schnell so viel wie mehrere Kilo gewöhnlicher Honig, und auf dem Etikett stehen Zahlenkombinationen wie MGO 400+ oder UMF 15+, die auf den ersten Blick eher nach Laborbefund als nach Frühstückszutat aussehen. Ich habe mir angeschaut, wie Manuka-Honig eigentlich schmeckt, woher er stammt und was von den vielen Gesundheitsversprechen tatsächlich belegt ist.

Wie schmeckt Manuka-Honig genau?

Manuka-Honig schmeckt fein-herb bis würzig und hat eine samtig-geschmeidige Konsistenz, wie die Apotheken Umschau in ihrer Einordnung beschreibt. Die Farbe reicht von hellem bis zu dunklem Braun, je nach Sorte und Erntegebiet. Im direkten Vergleich zu einem milden Blütenhonig wirkt Manuka-Honig deutlich kräftiger und weniger blumig-süß, mit einer leicht erdigen, fast mineralischen Note, die manche an Karamell oder Malz erinnert. Wer helle Sorten wie Akazien- oder Rapshonig gewohnt ist, wird von der Intensität beim ersten Löffel überrascht.

Die zähe, dichte Textur fällt zusätzlich auf: Manuka-Honig lässt sich schwerer vom Löffel gießen als klassischer Honig und bleibt beim Streichen eher stehen, statt zu verlaufen.

Herkunft und Herstellung: der Manuka-Strauch in Neuseeland

Der Honig stammt aus dem Nektar des Manuka-Strauchs (botanisch Leptospermum scoparium, auch als Südseemyrte bezeichnet), der laut Verbraucherzentrale vor allem in Bergregionen Neuseelands sowie in Teilen Australiens wächst. Die weiß bis rosa blühenden Sträucher stehen oft in abgelegenen, dicht bewachsenen Gebieten, weshalb Imker ihre Bienenstöcke laut Apotheken Umschau teils per Hubschrauber dorthin transportieren müssen.

Die eigentliche Honigproduktion läuft wie bei jedem anderen Honig ab: Bienen sammeln den Nektar der Manuka-Blüten und verarbeiten ihn in ihren Stöcken zu Honig. Charakteristisch für die Manuka-Blüte ist dabei, dass während dieses Prozesses in besonders hoher Konzentration der Stoff Methylglyoxal (MGO) entsteht, der dem Honig seine Sonderstellung verschafft.

Biene auf weißer Blüte des Manuka-Strauchs in Neuseeland
Der Manuka-Strauch blüht nur wenige Wochen im Jahr, in dieser Zeit sammeln Bienen den Nektar für den späteren Honig

MGO und UMF: Wie die Qualität von Manuka-Honig bewertet wird

Weil nicht jeder Manuka-Honig gleich viel Methylglyoxal enthält, hat sich am Markt eine eigene Bewertungsskala etabliert. Der MGO-Wert gibt die tatsächlich gemessene Menge Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig an, ein Etikett mit „MGO 400+“ garantiert also mindestens 400 Milligramm pro Kilogramm. Zum Vergleich: Gewöhnlicher Honig enthält laut Apotheken Umschau meist nur um die 20 Milligramm MGO pro Kilogramm, während Manuka-Honig auf bis zu 1.200 Milligramm pro Kilogramm kommen kann, also ein Vielfaches mehr.

Daneben gibt es das Gütesiegel UMF (Unique Manuka Factor), das von der neuseeländischen Unique Manuka Factor Honey Association vergeben wird und neben MGO auch weitere Inhaltsstoffe berücksichtigt. In Australien zertifiziert die Australian Manuka Honey Association nach eigenen Kriterien. Beide Siegel sollen echten, hochwertigen Manuka-Honig von Mischprodukten unterscheidbar machen, ersetzen aber keine unabhängige Laborprüfung.

Was ist dran an den Gesundheitsversprechen?

Kaum eine Honigsorte wird so offensiv mit gesundheitlichen Wirkungen beworben wie Manuka-Honig, von der Stärkung der Abwehrkräfte bis zur Wundheilung. Ein Blick in die Untersuchungen zeigt allerdings deutliche Unterschiede zwischen Werbeaussage und Beleglage.

Für die äußerliche Wundbehandlung mit sterilisiertem, medizinischem Manuka-Honig gibt es tatsächlich wissenschaftliche Evidenz: Eine große Übersichtsarbeit mit rund 3.000 Patientinnen und Patienten aus 26 Studien fand laut Apotheken Umschau eine schnellere Wundheilung bei Verbrennungen im Vergleich zu klassischen Wundauflagen, weshalb medizinischer Manuka-Honig in europäischen Kliniken eingesetzt wird. Dieser medizinische Honig ist jedoch ein eigens sterilisiertes Medizinprodukt und nicht mit dem Honigglas aus dem Supermarkt oder Bioladen zu verwechseln, unsteriler Speisehonig ist zur Behandlung offener Wunden ungeeignet.

Bei den Versprechen rund um das Lebensmittel Manuka-Honig sieht es dagegen deutlich dünner aus. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es in der EU gesetzlich verboten ist, in der Werbung zu suggerieren, ein Lebensmittel könne eine Krankheit heilen oder lindern. Eine Untersuchung des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) prüfte 24 gewöhnliche Honige und 11 Manuka-Honige aus 21 Betrieben und beanstandete 28 Produkte wegen unzulässiger gesundheitsbezogener Werbeaussagen wie „stärkt die Abwehrkräfte“, „wertvoll bei der Verdauung“ oder pauschaler Wundheilungsversprechen direkt auf dem Honigglas. Auch für die oft angepriesene Wirkung bei Erkältung und Husten reicht die Studienlage laut Apotheken Umschau nicht aus, um Manuka-Honig hier als wirksamer als gewöhnlichen Honig einzustufen. Ähnlich wie bereits beim Gesundheitsversprechen rund um Kombucha zeigt sich also ein deutliches Auseinanderklaffen zwischen Marketing und tatsächlich belegter Wirkung.

Wie jeder andere Honig ist auch Manuka-Honig reich an Zucker und sollte Säuglingen im ersten Lebensjahr wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus nicht gegeben werden.

Preis und Echtheit: warum Manuka-Honig so teuer ist

Der hohe Preis hat einen handfesten Grund: Laut Apotheken Umschau liegt die jährliche Manuka-Honig-Produktion bei nur etwa 1.700 Tonnen, während weltweit deutlich größere Mengen unter diesem Namen verkauft werden, ein Missverhältnis, das Fälschungen und gestreckte Ware begünstigt. Für ein 250-Gramm-Glas werden laut Verbraucherzentrale bis zu 80 Euro fällig, ein Vielfaches des Preises von Sortenhonigen aus heimischer Produktion.

Wer beim Kauf sichergehen will, achtet auf ein unabhängig vergebenes UMF- oder Australian-Manuka-Honey-Association-Siegel statt sich allein auf die Bezeichnung „Manuka“ im Produktnamen zu verlassen. Ganz ähnlich wie bei anderen als besonders gesund beworbenen Süßungsmitteln, etwa Agavendicksaft, lohnt sich auch bei Manuka-Honig ein nüchterner Blick auf Herkunftsnachweis und tatsächlichen Inhalt, bevor man den hohen Preis bezahlt.

Am Ende bleibt Manuka-Honig vor allem eines: ein kräftig-würziger, sehr dickflüssiger Honig mit nachgewiesenermaßen hohem Methylglyoxal-Gehalt, dessen medizinischer Nutzen sich bislang auf die äußerliche Anwendung mit sterilisierten Spezialprodukten beschränkt. Wer ihn einfach nur als besonders intensiven Brotaufstrich mag, liegt damit genauso richtig wie jemand, der wegen der Zahlen auf dem Etikett zugreift.

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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