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Wie schmecken Skorpione?

Frittierte Skorpione am Spieß auf einem Nachtmarkt in Peking

Wer über einen Nachtmarkt in Peking schlendert, kommt an ihnen kaum vorbei: kleine, dunkle Spieße mit mehreren frittierten Skorpionen, manchmal noch zappelnd aufgereiht, bevor sie in die Fritteuse wandern. Für viele Reisende ist der Anblick der Schreckmoment des Chinaurlaubs, für andere die ultimative kulinarische Mutprobe für ein gutes Foto. Aber wie schmecken Skorpione eigentlich wirklich, wenn man den ersten Ekel überwunden hat?

Wie schmecken frittierte Skorpione?

Wenig überraschend ist der Verzehr kein Festmahl: Von einem Spieß mit mehreren Tieren bleibt am Ende nur eine kleine Menge essbares Fleisch übrig. Reisende, die den Snack in Peking probiert haben, beschreiben die Portion pro Tier als kaum größer als ein bis zwei geschrumpelte Bonbons, die man vom Spieß knabbert. Durch das heiße Fett wird der Chitinpanzer knusprig und bricht ähnlich leicht wie eine dünne Chipshülle, darunter verbirgt sich wenig Substanz. Der Eigengeschmack gilt als vergleichsweise neutral und leicht salzig, geprägt vor allem vom Frittieröl und eventuellen Gewürzen. Die Textur, knusprig außen und leicht faserig innen, steht dabei klar im Vordergrund, nicht ein intensives Aroma.

Skorpion-Spieße als Streetfood-Klassiker in Peking

Berühmt wurde der frittierte Skorpion vor allem durch Pekings Nachtmärkte, allen voran die Wangfujing Snack Street und den Donghuamen Night Market, der bereits seit 1984 existiert und ausschließlich abends und nachts öffnet. Dort reihen sich die Skorpionspieße neben Maden, Heuschrecken, Seepferdchen und weiteren exotischen Ständen, darunter auch Froschschenkel und Schlangenfleisch, die ebenfalls zum festen Repertoire der Verkaufsstände zählen. Häufig werden die Tiere lebendig aufgespießt, bevor sie frisch in Öl frittiert werden. Für die meisten Einheimischen sind diese Stände dabei eher eine Attraktion für Touristen als alltägliches Essen: Skorpion probiert man einmal, um zu Hause davon erzählen zu können, nicht als regelmäßigen Snack.

Die Größe der angebotenen Tiere variiert dabei deutlich, von kleinen, kaum fingerlangen Exemplaren bis zu deutlich kräftigeren Skorpionen, die dementsprechend auch mehr Fleisch liefern. Verkauft werden sie meist in Portionen zu drei oder mehr Tieren pro Spieß, direkt aus der heißen Fritteuse, oft ergänzt um etwas Salz oder eine würzige Sauce. Für viele Reisende ist weniger der Geschmack selbst als das Erlebnis der Grund, es überhaupt zu probieren: ein Nachtmarktbummel als kulinarische Mutprobe, über die man anschließend gerne erzählt.

Wird das Gift beim Frittieren wirklich unschädlich?

Die Sorge liegt nahe, schließlich tragen Skorpione ihr Gift in einer Drüse am letzten Schwanzsegment. Es besteht überwiegend aus neurotoxisch wirkenden Peptiden, den sogenannten Scorpaminen, ergänzt durch Enzyme wie Phospholipasen und biogene Amine wie Serotonin und Histamin. Da es sich dabei chemisch um Eiweißverbindungen handelt, verlieren sie bei den hohen Temperaturen des Frittierens ihre Struktur und damit ihre Wirkung, ganz ähnlich wie Eiweiß beim Erhitzen fest wird und sich chemisch verändert. Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme wird der Stachel mit der Giftblase bei der Zubereitung vielerorts ohnehin vorab entfernt. Etwas beruhigend kommt hinzu: Nur eine kleine Zahl der weltweit bekannten Skorpionarten ist für Menschen überhaupt gefährlich, die meisten Stiche verlaufen bei Erwachsenen vergleichsweise mild. Vollkommen ohne Risiko ist der Verzehr trotzdem nicht: Wer selbst wild gefangene Tiere unbekannter Herkunft frittieren würde, ginge ein deutlich größeres Risiko ein als beim Kauf an einem etablierten Marktstand mit Erfahrung in der Zubereitung.

Nährstoffe und die Debatte um alternative Proteinquellen

Streng genommen sind Skorpione keine Insekten, sondern Spinnentiere, werden aber in der Ernährungsdebatte häufig in einem Atemzug mit essbaren Insekten genannt, wenn es um alternative Proteinquellen geht. Dieses Thema haben wir bereits im Artikel Wie schmecken Insekten (Mehlwürmer und Grillen)? ausführlicher behandelt. Weltweit essen schätzungsweise zwei Milliarden Menschen regelmäßig Insekten, mehr als 1900 Arten gelten insgesamt als essbar. In der EU sieht die Rechtslage für Skorpione bislang anders aus als für Mehlwürmer, Heuschrecken, Grillen und Buffalowürmer: Nur diese vier Insektenarten sind aktuell als neuartige Lebensmittel zugelassen, Skorpione stehen nicht auf dieser Liste. In Deutschland tauchen sie deshalb bislang eher als Kuriosität im Feinkosthandel auf, etwa als schokolierte Einzelstücke, für die teils Preise von fast 300 Euro pro 100 Gramm aufgerufen werden, und nicht als ernstzunehmende Proteinquelle für den Massenmarkt. Wie bei anderen essbaren Arthropoden dürfte das vor allem an der geringen Verfügbarkeit und dem hohen Ekelfaktor für europäische Verbraucher liegen, weniger an tatsächlichen Nährwerten: Ähnlich wie bei Insekten und Krebstieren steckt auch im Fleisch von Skorpionen vergleichsweise viel Eiweiß, während das Exoskelett Mineralstoffe wie Calcium liefert.

Am Ende bleibt der frittierte Skorpion, was er für die meisten Reisenden schon immer war: weniger ein Grundnahrungsmittel als ein kulinarisches Souvenir, der knusprige Beweis, dass man sich auf dem Nachtmarkt einmal getraut hat.