Wer die Harry-Potter-Bücher kennt, hat vermutlich als Erstes an Schokofrösche gedacht, kurz nachdem Ron Weasley im Zug nach Hogwarts sein Pausenbrot auspackt. Der Chocolate Frog gehört zu den bekanntesten Süßigkeiten der Zauberwelt, gleich nach den Bertie Botts Bohnen jeder Geschmacksrichtung. Anders als bei den Bohnen ist die reale Version aber kein Ratespiel, sondern ziemlich genau das, was der Name verspricht: eine Tafel Milchschokolade in Froschform.
Wie der Schokofrosch ins Buch kam
Die erste Erwähnung findet sich bereits im ersten Band, in der Szene im Hogwarts-Express, als Ron Harry mit Süßigkeiten aus dem Süßigkeitenwagen versorgt. Harry kennt Schokofrösche nicht und erschrickt kurz, als seiner scheinbar lebendig wird und vom Tisch hüpft. Im Buch wird das damit erklärt, dass die Frösche nur direkt nach dem Öffnen der Verpackung kurz „anspringen“, bevor sie sich wie gewöhnliche Schokolade verhalten. In den Filmen wurde daraus ein dauerhafter Verzauberungseffekt gemacht, was einige Fans bis heute durcheinanderbringt, wenn sie das Buch danach lesen.
Verkauft werden die Frösche im Hogwarts-Express und in den Süßwarenläden von Hogsmeade, laut Beschreibung des Harry-Potter-Lexikons von HP-FC handelt es sich um eine „beliebte Zaubersüßigkeit in Form von realitätsgetreuen Fröschen, bestehend aus Schokolade“. Der eigentliche Clou steckt aber nicht im Frosch selbst, sondern in der Verpackung.
Die Sammelkarte ist der eigentliche Grund, warum man ihn kauft
Jeder Chocolate Frog wird mit einer Sammelkarte berühmter Hexen und Zauberer ausgeliefert. In der Buchversion sind die Bilder darauf animiert, die abgebildete Person kann kurz aus dem Rahmen verschwinden, und auf der Rückseite steht ein kurzer biografischer Text. Zu den Motiven zählen Figuren wie Albus Dumbledore, Circe, Merlin oder Paracelsus, eine Mischung aus reiner Fantasy und Anspielungen auf reale historische Alchemisten. Schüler in Hogwarts sammeln und tauschen die Karten, ähnlich wie man es von Fußballsammelbildern kennt, und auch Harry selbst freut sich später im Buch über Schokofrösche als Geschenk von Hermine und Hagrid.
Diese Kombination aus Süßigkeit und Sammelobjekt ist im Grunde ein klassisches Marketingprinzip, das lange vor Harry Potter existierte, nur eben magisch verpackt.
Was man heute wirklich kaufen kann
Die reale, lizenzierte Version gibt es unter anderem im Warner Bros. Studio Tour London zu kaufen, wo sie als eines der beliebtesten Souvenirs gilt, sowie über den offiziellen Lizenznehmer Jelly Belly Candy Company in Naschläden und Onlineshops in Deutschland und der Schweiz. Es handelt sich um eine einzeln verpackte Tafel aus Milchschokolade mit Puffreis, meist rund 15 Gramm schwer. Der Kakaoanteil in der Milchschokolade liegt laut Zutatenlisten mehrerer Anbieter bei mindestens 25 Prozent, dazu kommen Vollmilchpulver, Kakaomasse, Zucker und ein Soja-Emulgator. Jeder Packung liegt eine von rund 16 bis 17 verschiedenen Hologramm-Sammelkarten bei, mit Motiven wie Dumbledore, Rowena Ravenclaw oder Helga Hufflepuff.
Preislich bewegt sich das Ganze zwischen etwa 5 Euro im deutschen Fachhandel und umgerechnet rund 10 Euro direkt im Studio Tour in London, dort teils sogar mit Keramikdose für über 20 Euro.
Wie schmeckt der Schokofrosch also wirklich?
Recht unspektakulär, ehrlich gesagt. Wer eine besonders raffinierte Schokolade erwartet, wird enttäuscht: Geschmacklich bewegt sich der Chocolate Frog im Bereich solider, aber einfacher Vollmilchschokolade, wie man sie aus dem Supermarktregal kennt, ergänzt um einen leichten Crunch durch den Puffreis. Der Kakaoanteil von 25 Prozent ist eher niedrig angesetzt, entsprechend süß und mild fällt der Geschmack aus. Fans, die das Produkt in Rezensionen und Foren bewerten, sind sich meistens einig: Man kauft den Frosch nicht wegen der Schokolade, sondern wegen der Sammelkarte und dem Wiedererkennungswert aus den Büchern und Filmen.
Frösche aus Schokolade gab es schon vorher
Interessant ist, dass die Grundidee, Schokolade in Froschform zu gießen, nicht von J.K. Rowling erfunden wurde. In Australien bringt der Hersteller Cadbury seit 1930 den Freddo Frog auf den Markt, ursprünglich entwickelt vom damals 18-jährigen MacRobertson’s-Mitarbeiter Harry Melbourne. Die taz beschrieb das britische Pendant treffend als kleinen, günstigen Schokofrosch, der wegen einer besonderen EU-Ausnahmeregelung sogar ganz ohne Kakaobutter als Schokolade verkauft werden darf. Mit gerade einmal rund 18 Gramm ist auch Freddo denkbar klein. Rowling griff mit den Chocolate Frogs also eine Süßigkeitenform auf, die es in der echten Welt längst gab, und verpasste ihr lediglich die Magie und die Sammelkarte.
Wer sich durch die Süßigkeiten der Zauberwelt probiert, landet ohnehin schnell bei den nächsten Klassikern: dem Butterbier aus den Drei Besen oder dem goldglänzenden Felix Felicis, dem Glückstrank, der in den Büchern für ganz andere Aufregung sorgt als eine Tafel Schokolade.
