
Wer Star Trek auch nur oberflächlich kennt, hat es garantiert schon einmal in einem Glas leuchten sehen: Romulanisches Ale, im Original Romulan Ale genannt, in der deutschen Synchronisation auch als Romulanerbräu bekannt. Ein tiefblaues, hochprozentiges Getränk, das in der Föderation offiziell verboten ist und trotzdem in fast jeder Star-Trek-Serie irgendwann auf dem Tisch landet. Genau dieser Widerspruch macht es zu einem der bekanntesten running gags im ganzen Franchise.
Ein Nationalgetränk, das eigentlich verboten ist
Im Star-Trek-Universum gilt Romulanisches Ale als das Nationalgetränk des Romulanischen Sternenimperiums, grob vergleichbar mit terranischem Bier, nur deutlich stärker. Laut Handlung ist es seit den 2280er-Jahren im Föderationsraum verboten, weil es bei Menschen und Klingonen einen extrem starken Kater mit heftigen Kopfschmerzen und weiteren Nebenwirkungen auslöst. Genau dieses Verbot ist der Witz an der Sache: Figuren wie Captain Kirk oder Dr. McCoy besitzen und trinken es immer wieder, ganz offensichtlich unter der Hand beschafft. Schon in der Classic-Folge „The Enemy Within“ trinkt Kirk das Getränk, um sich nach einer Erkundung in eisiger Kälte aufzuwärmen, später taucht es in „Star Trek: The Next Generation“ in der Folge „Unification“ sogar als diplomatisches Geschenk auf.
Kirks Geburtstagsgeschenk in „Der Zorn des Khan“
Die bekannteste Szene mit Romulanischem Ale stammt aus dem Kinofilm Star Trek II: Der Zorn des Khan von 1982. Zu Kirks Geburtstag bringt ihm Dr. McCoy eine Flasche eines bestimmten Jahrgangs mit und schenkt sie ihm mit einem Augenzwinkern, angeblich aus rein medizinischen Gründen. Das Getränk ist zu diesem Zeitpunkt längst illegal, was die Szene erst richtig komisch macht: Der ranghöchste Offizier der Flotte bekommt Schmuggelware von seinem eigenen Bordarzt geschenkt. Diese Mischung aus Verbot, Prestige und Schmunzeln hat das Getränk über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der Fan-Kultur gemacht.
Gibt es Romulanisches Ale auch wirklich zu kaufen?
Ja und nein. Ein offizielles, kanonisches Rezept gibt es nicht, schließlich ist das Getränk komplett erfunden. Trotzdem haben verschiedene Lizenzhersteller im Lauf der Jahre reale Produkte unter dem Namen „Romulan Ale“ auf den Markt gebracht, vor allem in den USA. Darunter finden sich unter anderem Energy-Drinks in Fan-Aufmachung, die dank ihrer Fangemeinde teils zu deutlich überhöhten Preisen gehandelt werden, etwa auf Amazon.de als Import. Geschmacklich orientieren sich diese Produkte meist an Zitrus- oder Anis-Noten, echte Konsistenz zum Serien-Original gibt es naturgemäß nicht, denn im Film wird nie erklärt, wonach das Zeug eigentlich schmecken soll. Die blaue Farbe ist dabei praktisch das einzige Merkmal, auf das sich alle Produkte einigen.
Fans mixen sich ihr eigenes Ale
Weil es kein offizielles Rezept gibt, ist die Fangemeinde selbst kreativ geworden. In einschlägigen Star-Trek-Foren und auf Fanseiten kursieren seit Jahren DIY-Cocktail-Varianten, die alle auf demselben Prinzip beruhen: Blue Curaçao sorgt für die charakteristische blaue Farbe, kombiniert mit Wodka, hochprozentigem Rum oder auch Amaretto und Wermut, je nach Rezeptvariante. In einem deutschsprachigen Sci-Fi-Forum witzelt ein Nutzer treffend, dass „echtes“ Ale ja eigentlich schon blau aus dem Braukessel kommen müsste und damit streng genommen gar kein Cocktail sein dürfte, ein Hinweis darauf, wie sehr sich die Community mit solchen Details beschäftigt. Wer selbst mixen will, sollte die Wirkung von Blue Curaçao dabei nicht unterschätzen, das Zeug hat es in sich.
Ein wiederkehrendes Motiv der Popkultur
Romulanisches Ale reiht sich in eine lange Liste fiktiver Getränke ein, die real gar nicht existieren können und trotzdem ein Eigenleben entwickelt haben. Das Prinzip „auffällig gefärbte Fantasie-Flüssigkeit, die im Universum eine besondere Bedeutung hat“ taucht in der Science-Fiction immer wieder auf, nicht nur bei Star Trek. Ähnlich wie beim Duff Bier aus den Simpsons oder dem Slurm aus Futurama lebt der Reiz vor allem davon, dass Fans jahrzehntelang darüber spekulieren, wie so etwas wohl schmecken würde, und die Antwort am Ende immer offenbleibt. Bei aller Fiktion lohnt sich für alle, die sich für echte blaue oder hochprozentige Getränke interessieren, auch ein Blick auf reale Spirituosen wie in unserem Vergleich von Mezcal und Tequila, wo der Unterschied zwischen zwei tatsächlich existierenden Agavenspirituosen erklärt wird.
Am Ende bleibt Romulanisches Ale genau das, was gute Popkultur-Requisiten oft ausmacht: ein Detail, das nie wirklich erklärt wird, aber gerade deshalb im Gedächtnis bleibt. Ob als Schmuggelware in der Föderation, als Geburtstagsgeschenk unter Freunden oder als selbst gemixter Cocktail auf der nächsten Convention, das leuchtende Blau hat sich seinen Platz in der Science-Fiction-Kultur redlich verdient.



