Start Popkultur Sweetroll (Skyrim) – was steckt hinter dem berühmten Wachen-Gebäck?

Sweetroll (Skyrim) – was steckt hinter dem berühmten Wachen-Gebäck?

Glasiertes Süßgebäck auf einem rustikalen Holztisch in mittelalterlicher Tavernenatmosphäre, Symbolbild für den Sweetroll aus Skyrim

Wer in The Elder Scrolls V: Skyrim auch nur ein paar Stunden durch Himmelsrand gezogen ist, kennt garantiert den Satz einer Stadtwache: „Lasst mich raten, jemand hat eure Süßigkeit geklaut.“ Gemeint ist damit der Sweetroll, ein fiktives Süßgebäck, das seit Jahrzehnten durch die Spiele von Bethesda geistert und sich zu einem der bekanntesten running Gags der Firmengeschichte entwickelt hat.

Was ist der Sweetroll überhaupt?

In der Spielwelt von Tamriel ist der Sweetroll ein einfaches Süßgebäck, das je nach Titel unterschiedlich aussieht und heißt. In Skyrim (2011) wird er als kleines, glasiertes Kuchenstück dargestellt, das optisch an einen Gugelhupf erinnert und im Spiel als Nahrungsmittel aufgesammelt und gegessen werden kann. Die deutsche Lokalisierung hat für das englische Original übrigens nicht immer denselben Begriff verwendet: In Morrowind wurde „Sweetroll“ schlicht als „Gebäck“ übersetzt, in Oblivion als „Milchsemmel“, in Skyrim dann als „Süßkuchen“. In neueren Titeln wie The Elder Scrolls Online und Legends einigte man sich schließlich auf den Begriff „Süßkringel“. In der Oberschicht von Cyrodiil und Himmelsrand gilt das Gebäck im Spiel als beliebte Nascherei, während es in der kargen Provinz Morrowind kaum eine Rolle spielt.

Das Zitat, das zum Meme wurde

Berühmt wurde der Sweetroll aber nicht wegen seines Aussehens, sondern wegen eines einzigen Wachen-Spruchs. Wenn Spieler in Skyrim mit gezückter Waffe oder verdächtigem Verhalten auffallen, kommentieren die Stadtwachen das gerne süffisant, und eine der Zeilen lautet eben „Lasst mich raten, jemand hat eure Süßigkeit geklaut.“ Der Satz ergibt im jeweiligen Kontext oft überhaupt keinen Sinn, gerade das macht ihn so denkwürdig, und er hat sich neben „Ich nahm einen Pfeil ins Knie“ zu einem der meistzitierten Skyrim-Sprüche in der Community entwickelt. Auf Plattformen wie dem GameStar-Forum tauchen entsprechende Zitatsammlungen bis heute regelmäßig auf, wenn Spieler über ihre liebsten Skyrim-Momente diskutieren.

Ein jahrzehntealter running Gag bei Bethesda

Was viele nicht wissen: Der Sweetroll ist kein Einfall, der erst mit Skyrim entstanden ist. Die Ursprünge reichen zurück bis zu The Elder Scrolls: Arena von 1994, dem allerersten Teil der Reihe. Dort war die Sweetroll-Geschichte Teil der Charaktererstellung: Eine Frage schilderte, wie ein Bäcker der Spielfigur ein Sweetroll schenkt, woraufhin eine Bande gleichaltriger Kinder das Gebäck einfordert und mit Prügel droht, je nachdem wie man reagiert, wird die Klasse der Figur mitbestimmt. Dieselbe Szene tauchte später in ähnlicher Form auch in Daggerfall und Morrowind wieder auf. Bethesda hat den Gag über die Jahre immer wieder in andere Spielereihen herübergerettet, in Fallout 3 etwa bekommt die Hauptfigur an ihrem Geburtstag im Vault ein Sweetroll geschenkt, das ihr der Tunichtgut Butch anschließend abluchsen will. Auch in Starfield taucht das Gebäck als Gegenstand wieder auf, wenn auch ohne die klassische Diebstahl-Pointe. Für Fans ist der Sweetroll damit längst mehr als ein Item, er ist ein kleines Wiedererkennungszeichen, an dem man ein Bethesda-Spiel fast erkennen kann, ähnlich wie das ebenfalls von Bethesda stammende Nuka-Cola aus Fallout als running Gag über mehrere Spiele hinweg funktioniert.

Vom Bildschirm in die eigene Küche

Wie bei vielen ikonischen Fantasy-Speisen hat sich rund um den Sweetroll eine kleine Nachback-Szene gebildet. Zahlreiche Hobbyköche haben eigene Rezepte veröffentlicht, die versuchen, dem Gugelhupf-artigen Aussehen aus dem Spiel möglichst nahezukommen, meist auf Basis von Hefeteig oder einem lockeren Rührteig mit Zuckerguss obenauf, geschmacklich irgendwo zwischen Zimtschnecke und klassischem Napfkuchen. Bethesda selbst hat den Trend längst aufgegriffen: Auf Spielemessen wie der PAX wurden schon echte, essbare Sweetrolls an Fans verteilt, eine Art greifbarer In-Joke für alle, die den Wachen-Spruch aus dem Spiel im Kopf haben. Ein offizielles Rezept oder eine Backanleitung gibt es an dieser Stelle bewusst nicht, wer selbst experimentieren möchte, findet im Netz aber längst eine ganze Reihe an Fan-Varianten, von der einfachen Zimtschnecke bis zum aufwendig gewürzten Gebäck mit Kardamom und Nelken.

Gibt es den Sweetroll wirklich zu kaufen?

Ein offizielles, dauerhaft im Handel erhältliches „Sweetroll“-Produkt gibt es bislang nicht, anders als bei manch anderer Popkultur-Süßigkeit ist der Sweetroll bis heute vor allem ein Spielgegenstand und Fan-Projekt geblieben, kein lizenziertes Konsumprodukt. Das unterscheidet ihn zum Beispiel von der Wonka Bar aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“, die es längst als reale Schokolade zu kaufen gibt, oder dem Everlasting Gobstopper, der ebenfalls als echtes Bonbon im Handel existiert. Der Sweetroll bleibt damit vor allem das, was ihn seit 1994 ausmacht: ein kleiner, absurder Insider-Witz, den Bethesda von Spiel zu Spiel weiterträgt, und der bei Fans offenbar nie an Charme verliert.