Start Fleisch Wie schmeckt Wal(fleisch)?

Wie schmeckt Wal(fleisch)?

Dünn geschnittenes Walfleisch als Sashimi auf einem Teller angerichtet

<h2>Geschmacksprofil</h2>
<p>Walfleisch wird von den meisten, die es probiert haben, in eine ungewöhnliche Ecke einsortiert: irgendwo zwischen <strong>magerem Rindfleisch und Fisch</strong>. Die Faserstruktur und die tiefrote, fast schwarzrote Farbe erinnern an ein gutes Steak, das Aroma kippt aber je nach Walart und Körperteil deutlich Richtung Meer. Färöische Esser beschreiben zubereitetes Grindwalfleisch oft als zart und "wie sehr gutes Rind, nur mit einer leichten fischigen Note". Bei anderen Walarten und schlechter Zubereitung kippt der Geschmack schnell ins Tranige, was viele Mitteleuropäer als unangenehm empfinden.</p>
<p>Wichtig für die Einordnung: Ein <strong>Wal ist ein Meeressäugetier und kein Fisch</strong>. Entsprechend zählt Walfleisch kulinarisch zu den roten Fleischsorten und nicht zu Seafood, auch wenn der Lebensraum den Geschmack mitprägt. Serviert wird es roh als Sashimi, kurz angebraten, geräuchert oder – auf den Färöern traditionell – mit Kartoffeln gekocht und mit Senf gereicht.</p>

<h2>Wer isst heute noch Walfleisch?</h2>
<p>Kommerziell und traditionell gegessen wird Walfleisch vor allem in vier Regionen: <strong>Japan, Norwegen, Island und auf den Färöer-Inseln</strong>. Hinzu kommt der Subsistenzfang von Inuit-Gemeinschaften in Grönland und Alaska, der unter eigenen Ausnahmeregeln läuft und nicht dem kommerziellen Handel dient.</p>
<p>Auf den Färöern ist die Jagd unter dem Namen <strong>Grindadráp</strong> bekannt: Grindwale (die trotz des Namens zu den Delfinen zählen) werden in Buchten getrieben und dort von der örtlichen Bevölkerung gemeinschaftlich erlegt. Das Fleisch wird nicht verkauft, sondern innerhalb der Gemeinschaft verteilt. In Norwegen und Island dagegen handelt es sich um regulären, kommerziellen Walfang mit staatlich festgelegten Fangquoten für Zwerg- und Finnwale.</p>

<h2>Die Kontroverse um den Walfang</h2>
<p>Seit der Saison 1985/86 gilt ein <strong>internationales Walfangmoratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC)</strong>, das den kommerziellen Fang großer Wale untersagt. Ausnahmen bestehen für wissenschaftlichen Walfang und für den Subsistenzfang indigener Gemeinschaften. Norwegen hat gegen das Moratorium formal Einspruch eingelegt und war dadurch nie daran gebunden, Island berief sich zeitweise auf wissenschaftliche Ausnahmen, bevor es zum kommerziellen Fang zurückkehrte.</p>
<p>Am größten war der Bruch bei Japan: Das Land verließ die IWC zum <strong>30. Juni 2019</strong> und nahm direkt danach den kommerziellen Walfang in den eigenen Hoheitsgewässern und der Wirtschaftszone wieder auf, mit einer selbst festgelegten Quote von 227 Großwalen für das erste Jahr. Zuvor hatte Japan Walfang jahrzehntelang unter dem Deckmantel der "wissenschaftlichen Forschung" betrieben, was international scharf kritisiert wurde. Auch Norwegen und Island erhöhten ihre Fangquoten in den vergangenen Jahren wieder, wobei die tatsächlich gefangene Zahl an Tieren die Quote regelmäßig unterschreitet, weil sich die Jagd für viele Reedereien wirtschaftlich kaum noch lohnt.</p>
<p>Tierschutzorganisationen kritisieren neben dem Artenschutzaspekt vor allem die Tötungsmethode bei der Grindwaljagd auf den Färöern, bei der ganze Gruppen in Buchten getrieben werden. Befürworter verweisen dagegen auf die jahrhundertealte Tradition und die begrenzte Anzahl betroffener Tiere im Vergleich zur Fischerei insgesamt.</p>

<h2>Gesundheitsrisiko: Schwermetalle im Fleisch</h2>
<p>Unabhängig von der ethischen Debatte gibt es ein handfestes toxikologisches Problem: Grindwale stehen am Ende einer langen Nahrungskette und reichern dadurch <strong>Methylquecksilber, PCB und das DDT-Abbauprodukt DDE</strong> in Muskel- und vor allem Speckgewebe an. Die färöische Gesundheitsbehörde hat deshalb wiederholt vor dem Verzehr gewarnt. Nach ihren Berechnungen überschreitet bereits eine einzige Mahlzeit von 250 Gramm Grindwalfleisch die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit empfohlene wöchentliche Höchstmenge an Methylquecksilber um ein Vielfaches.</p>
<p>Konkret rät die Behörde <strong>Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch komplett vom Verzehr ab</strong>, wegen möglicher Schäden an der neurologischen Entwicklung des Fötus. Für die übrige Bevölkerung wird empfohlen, Grindwalfleisch und -speck nur noch selten zu essen, statt wie früher als regelmäßigen Bestandteil der Ernährung. Damit ist Walfleisch eines der wenigen Lebensmittel, bei denen eine offizielle Gesundheitsbehörde aktiv vom eigenen kulturellen Traditionsgericht abrät.</p>

<h2>Einordnung</h2>
<p>Wer Walfleisch probiert, tut das heute fast ausschließlich in Japan, Norwegen, Island oder auf den Färöern, denn ein internationaler Handel damit findet praktisch nicht statt. Geschmacklich bewegt es sich zwischen kräftigem Rind und Fisch, wobei Qualität und Zubereitung stark schwanken. Die Debatte um Walfleisch lässt sich kaum auf eine einzige Frage reduzieren: Sie berührt Artenschutz, kulturelle Tradition, internationales Recht und, im Fall der Grindwale, ganz konkret die eigene Gesundheit.</p>
<p>Ähnlich kontrovers diskutiert wird der Verzehr von <a href="https://www.wie-schmeckt.de/fleisch/baerenfleisch/">Bärenfleisch</a>, das in einigen Ländern ebenfalls zwischen Tradition und Artenschutz steht. Wer sich generell für seltene, wild lebende Fleischsorten interessiert, findet mit <a href="https://www.wie-schmeckt.de/fleisch/rentier/">Rentierfleisch</a> und <a href="https://www.wie-schmeckt.de/fleisch/krokodilfleisch/">Krokodilfleisch</a> zwei weitere Beispiele, bei denen Herkunft und Zubereitung ähnlich stark über den Geschmack entscheiden.</p>