Wer denkt, mit Kaffee aus Schleichkatzenkot sei die Grenze des Absurden erreicht, unterschätzt den Markt für Luxusgetränke. Es gibt eine Steigerung, und sie arbeitet mit dem größten Landsäugetier der Welt. Black Ivory Coffee wird aus Bohnen hergestellt, die den Verdauungstrakt eines Elefanten durchlaufen haben, und er ist regelmäßig als teuerster Kaffee der Welt betitelt worden.
Wie er hergestellt wird
Das Prinzip ist dasselbe wie beim Kopi Luwak, nur mit anderen Dimensionen. Arabica-Kaffeekirschen werden zusammen mit anderem Futter an Elefanten verfüttert. Die Tiere verdauen das Fruchtfleisch, die harten Kerne passieren den Verdauungstrakt und werden mit dem Kot ausgeschieden. Anschließend werden sie herausgesammelt, gewaschen, getrocknet und geröstet.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Physiologie. Elefanten sind Pflanzenfresser mit einer sehr langen Verdauungspassage von rund einem bis anderthalb Tagen. In dieser Zeit wirken Fermentationsprozesse und Enzyme deutlich länger auf die Bohne ein als bei einer Schleichkatze. Der Effekt auf die Eiweißstruktur der Bohne ist entsprechend ausgeprägter.
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Wie er schmeckt
Die Beschreibungen ähneln denen des Kopi Luwak, sind aber noch eine Stufe extremer: praktisch keine Säure, keine Bitterkeit, dafür schokoladig, malzig und mit einer deutlich fruchtig-tropischen Note, die manche an Kirsche oder Tamarinde erinnert. Der Körper ist voll, der Abgang lang und weich.
Der Grund für die fehlende Bitterkeit ist derselbe wie beim Katzenkaffee: Verdauungsenzyme spalten einen Teil der Eiweiße auf, und Eiweißbruchstücke sind an der Bitterstoffbildung beim Rösten beteiligt. Weniger davon bedeutet weniger Bitterkeit im fertigen Kaffee.
Und die Einordnung fällt ebenfalls gleich aus: In der Spezialitätenbewertung gilt eine klare Säure als Qualitätsmerkmal, nicht als Fehler. Ein Kaffee ohne Säure ist damit nicht automatisch besser, sondern anders. Wer das nachvollziehen will, findet die Zusammenhänge im Artikel dazu, warum Kaffee sauer schmeckt.
Warum er so teuer ist
Der Preis liegt im Bereich von rund 2.000 Euro pro Kilogramm, eine einzelne Tasse kostet in den wenigen Hotels, die ihn führen, einen deutlich zweistelligen Betrag. Dafür gibt es einen sehr handfesten Grund, und der ist rein rechnerisch.
Die Ausbeute ist katastrophal. Aus rund 33 Kilogramm verfütterten Kaffeekirschen entsteht am Ende etwa ein Kilogramm verkaufsfähiger Kaffee. Der Rest geht verloren: Bohnen werden zerkaut, sie werden nicht wiedergefunden, sie sind beschädigt oder von der Qualität her unbrauchbar. Dazu kommt, dass das Einsammeln und Auslesen von Hand geschieht, und zwar aus Elefantendung.
Ursprung: Nordthailand. Genau dort steht der Punkt — daneben 250 weitere Lebensmittel und Gerichte, jedes an seinem Herkunftsort.
Die Jahresproduktion liegt entsprechend im Bereich von wenigen hundert Kilogramm weltweit. Das ist weniger, als eine mittlere Rösterei an einem Tag verarbeitet.

Der Unterschied beim Tierschutz
Hier verläuft die interessanteste Trennlinie zum Kopi Luwak. Beim Katzenkaffee ist die massenhafte Käfighaltung von Schleichkatzen ein dokumentiertes und gut belegtes Problem. Beim Black Ivory Coffee ist die Ausgangslage anders: Das Projekt in Nordthailand arbeitet nach eigenen Angaben mit Elefanten in einer Auffangstation und finanziert daraus deren Versorgung mit.
Zwei Punkte bleiben trotzdem offen. Erstens ist die Nutzung von Elefanten in der Tourismusbranche generell umstritten, und die Grenze zwischen Auffangstation und Attraktion ist nicht immer scharf. Zweitens gilt hier dasselbe Echtheitsproblem wie beim Kopi Luwak: Bei einer Ware, von der es weltweit nur wenige hundert Kilogramm gibt, ist jedes Angebot außerhalb der offiziellen Vertriebswege mit Vorsicht zu genießen.
Ist das hygienisch bedenklich?
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.
Fünf Lebensmittel, eine Weltkarte: Setz den Pin dorthin, wo sie ursprünglich herkommen. Je näher am Ursprung, desto mehr Punkte. Mit dabei: Black Ivory Coffee.
Nein. Die Bohnen werden gründlich gewaschen und anschließend bei deutlich über 200 Grad geröstet. Keime überstehen diesen Prozess nicht. Der Ekelfaktor ist eine Kopfsache, das mikrobiologische Risiko bei ordentlicher Verarbeitung praktisch null.
Lohnt sich das?
Als Getränk: eher nicht. Man bekommt einen sehr weichen, säurefreien Kaffee mit ungewöhnlicher Fruchtnote, der in einer Blindverkostung gegen einen guten Spezialitätenkaffee aus transparenter Herkunft keineswegs zwangsläufig gewinnt.
Als Erzählung: absolut. Black Ivory Coffee gehört in dieselbe Kategorie wie essbares Blattgold und Ambra: Produkte, deren Wert fast vollständig aus Seltenheit und Herkunftsgeschichte entsteht. Der Unterschied zum teuersten Gewürz der Welt ist dabei aufschlussreich: Beim Safran zahlt man für Handarbeit und ein unersetzliches Aroma, hier für eine Ausbeutequote und eine gute Geschichte.
Zum Weiterspielen: Kaffee kommt aus Äthiopien, dieser hier nicht. In Zungo, unserem Ratespiel mit Weltkarte setzt du den Pin dafür auf die Weltkarte.



