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Kann man Blattgold essen?

Ein Steak mit Goldüberzug, ein Cocktail mit glitzernden Flocken, ein Dessert, das im Restaurantlicht aufblitzt: Essbares Gold ist das wohl reinste Statussymbol, das die Gastronomie zu bieten hat. Es kostet viel, sieht spektakulär aus und leistet für den Geschmack exakt nichts. Genau das ist der Punkt.

Kann man Blattgold essen?

Ja. Gold ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff unter der Nummer E 175 zugelassen und darf als Farbstoff verwendet werden. Geregelt ist das in der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 über Lebensmittelzusatzstoffe, die in ihren Anhängen festlegt, welcher Zusatzstoff in welchen Lebensmitteln eingesetzt werden darf.

Die Zulassung ist dabei eng gefasst. E 175 ist nicht allgemein für Lebensmittel freigegeben, sondern im Wesentlichen für Überzüge von Süßwaren, für Schokoladendekor und für Likörspezialitäten. Eine zahlenmäßige Höchstmenge gibt es nicht, es gilt das Prinzip quantum satis, also so viel wie technologisch nötig und nicht mehr.

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Käse mit lebenden Maden, Kaffee aus Katzenkot: zwölf Lebensmittel, die es entweder gibt oder eben nicht.

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Wie schmeckt Blattgold?

Nach nichts. Und das ist keine Untertreibung, sondern der zentrale Punkt: Gold ist chemisch außerordentlich reaktionsträge. Es löst sich nicht in Magensäure, geht keine Verbindungen ein und interagiert nicht mit den Geschmacksrezeptoren. Es hat weder Eigengeschmack noch Geruch.

Auch die Textur trägt nichts bei. Blattgold für Lebensmittel ist rund 0,1 Mikrometer dünn, also etwa ein Tausendstel der Dicke eines menschlichen Haares. Es zerfällt bei der geringsten Berührung und ist im Mund schlicht nicht spürbar. Wer es isst, isst optisch, nicht sensorisch.

Geöffnetes Blattgoldbuch mit hauchdünnen Goldblättchen zwischen Seidenpapier
Bei rund 0,1 Mikrometer Dicke zerfallen die Blättchen bei der kleinsten Berührung. Verarbeitet wird deshalb mit weichem Pinsel und Pinzette, nie mit den Fingern.

Was mit dem Gold im Körper passiert

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Nichts. Metallisches Gold in der Reinheit, die für Lebensmittel vorgeschrieben ist, wird vom Verdauungstrakt nicht aufgenommen und unverändert wieder ausgeschieden. Es wird nicht verstoffwechselt, reichert sich nicht an und entfaltet keine Wirkung. Das ist der Grund, warum die Zulassung als Zusatzstoff überhaupt möglich ist.

Umgekehrt heißt das auch: Sämtliche Werbeversprechen, die Blattgold gesundheitliche Wirkungen zuschreiben, entbehren einer Grundlage. Ein Stoff, der den Körper unverändert passiert, kann weder entgiften noch stärken noch verjüngen.

Der Punkt, an dem es gefährlich wird

Es gibt eine Fallgrube, und die ist real. Nicht jedes Blattgold ist Lebensmittelblattgold. Im Vergolderhandwerk wird häufig sogenanntes Schlagmetall oder Blattmessing verwendet, eine Legierung aus Kupfer und Zink, die optisch kaum zu unterscheiden ist. Auch legiertes Blattgold mit niedrigerem Feingehalt enthält andere Metalle.

Herkunft

Ursprung: Kanazawa, Japan. Genau dort steht der Punkt — daneben 250 weitere Lebensmittel und Gerichte, jedes an seinem Herkunftsort.

Auf der Karte zeigen251 Punkte · eine Weltkarte

Für Lebensmittel zugelassen ist nur Gold mit hohem Reinheitsgrad, dem allenfalls Silber (E 174) beigemischt sein darf. Praktisch heißt das: Nur Produkte verwenden, die ausdrücklich als Lebensmittel gekennzeichnet sind und die E-Nummer tragen. Dekorationsgold aus dem Bastelbedarf gehört nicht auf den Teller.

Warum überhaupt jemand Gold isst

Die Tradition ist deutlich älter als das Instagram-Zeitalter. Schon im Mittelalter und in der Renaissance wurden Speisen an fürstlichen Tafeln vergoldet, teils als Demonstration von Reichtum, teils weil Gold in der damaligen Medizin eine Rolle spielte. In der ayurvedischen Tradition existiert der Einsatz von Blattgold ebenfalls seit Jahrhunderten.

Ein bis heute erhältliches Beispiel ist der Danziger Goldwasser, ein Kräuterlikör mit schwebenden Goldflocken, dessen Rezeptur ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Modern ist daran nur die Reichweite: Was früher der Hof sah, sehen heute Millionen Menschen in einem Video.

Dunkles Schokoladendessert auf weißem Teller, belegt mit glänzendem essbarem Blattgold
Der gesamte Effekt ist optisch. Geschmacklich trägt das Gold nichts bei, weder Aroma noch Textur.

Was es kostet

Erstaunlich wenig, gemessen am Effekt. Weil die Blättchen so dünn sind, reicht ein Gramm Gold für eine sehr große Fläche. Ein Heftchen mit mehreren Blättchen Lebensmittelblattgold liegt im niedrigen zweistelligen Eurobereich, und ein einzelnes Blättchen deckt bereits ein ganzes Dessert.

Ratespiel

Fünf Lebensmittel, eine Weltkarte: Setz den Pin dorthin, wo sie ursprünglich herkommen. Je näher am Ursprung, desto mehr Punkte. Mit dabei: Blattgold.

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Die spektakulären Preise entstehen nicht durch das Gold, sondern durch das Drumherum. Wenn ein vergoldetes Steak oder eine vergoldete Eiscreme dreistellige Summen kostet, bezahlt man die Inszenierung, den Standort und die Aufmerksamkeit. Der Materialwert des Goldes ist in solchen Rechnungen eine Randnotiz.

Womit man es vergleichen kann

Blattgold ist der Extremfall einer Zutat, die ausschließlich über die Erzählung funktioniert. Ähnlich verhält es sich bei anderen Statusprodukten, bei denen der Preis mit dem sensorischen Erlebnis nur locker zusammenhängt: beim Kopi Luwak etwa, dessen Ruf sich auf die Herstellungsgeschichte stützt statt auf Blindverkostungen.

Beim teuersten Gewürz der Welt ist es dagegen umgekehrt: Dort steckt hinter dem Preis tatsächlich ein enormer Arbeitsaufwand und ein Aroma, das sich durch nichts ersetzen lässt. Wer Eindruck machen will, nimmt Gold. Wer Geschmack will, nimmt Safran.

Zum Weiterspielen: Essbares Blattgold kommt fast vollständig aus einer einzigen Stadt. Welche das ist, kannst du in Zungo anklicken.

Raphael
Raphael
Seit 2018 beschreibe ich auf wie-schmeckt.de, wie Lebensmittel schmecken, inzwischen über 400 davon. Mich interessiert weniger die Bewertung als die Beschreibung: Wie fasst man Geschmack so in Worte, dass ihn sich jemand vorstellen kann, der es nie probiert hat? Daneben werte ich aus, wonach in Deutschland tatsächlich gesucht wird, zuletzt im Geschmacksreport 2026. Für Rückfragen und Datenanfragen bin ich über das Kontaktformular erreichbar.
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