Start Kurioses Wie schmeckt Katzenfutter?

Wie schmeckt Katzenfutter?

Eine Schale mit Katzennassfutter auf einer Küchenarbeitsplatte

Wer schon einmal eine Dose Katzenfutter geöffnet hat, kennt diesen kurzen Moment des Innehaltens: Der Geruch ist intensiv, oft fischig, und die Konsistenz erinnert verdächtig an Pastete oder Leberwurst. Kein Wunder, dass sich in den letzten Jahren immer wieder Leute finden, die aus reiner Neugier einen Löffel probieren, meistens vor laufender Kamera oder zumindest fürs eigene Blog-Protokoll. Ich habe mir angeschaut, woraus Katzenfutter eigentlich besteht, wie es tatsächlich schmeckt und warum es trotzdem keine gute Idee ist, es sich regelmäßig selbst aufzutischen.

Was steckt drin, und warum ist der Fleischanteil so hoch?

Katzen sind, anders als Hunde, obligate Karnivoren. Das bedeutet nicht nur, dass sie Fleisch bevorzugen, sondern dass ihr Stoffwechsel ohne tierisches Eiweiß schlicht nicht funktioniert. Hunde können zur Not auch mit einem höheren Getreide- oder Gemüseanteil zurechtkommen, Katzen nicht. Entsprechend fällt die Rezeptur von Katzenfutter aus: Der Fleisch- und Innereienanteil liegt bei guten Nassfutterprodukten oft bei 60 bis über 90 Prozent, ergänzt um Fisch wie Thunfisch oder Lachs, der vor allem als Geschmacksträger dient. Kohlenhydrate spielen praktisch keine Rolle, weil Katzen sie physiologisch nicht brauchen, anders als es bei manchem Trockenfutter mit hohem Getreideanteil aus Kostengründen den Anschein macht.

Eine Zutat taucht auf jeder Katzenfutter-Verpackung auf, die man auf keiner Lebensmittelverpackung für Menschen findet: Taurin. Die Aminosäure ist für Katzen essenziell, weil sie sie im Gegensatz zu Menschen und Hunden kaum selbst herstellen können. Fehlt Taurin dauerhaft, drohen Herzmuskelschwäche und Erblindung, weshalb hochwertiges Katzenfutter gezielt damit angereichert wird. Für den menschlichen Körper ist die zugesetzte Menge weder schädlich noch von irgendeinem Nutzen, sie ist schlicht ein Zusatz, der ausschließlich auf die Katze zugeschnitten ist.

Wie schmeckt Katzenfutter tatsächlich?

Wer Selbstversuche mit Katzenfutter im Netz nachliest, stößt immer wieder auf ähnliche Beschreibungen. Nassfutter mit Lachs riecht demnach oft „nicht wirklich fischig“, sondern zunächst eher neutral, bevor sich beim Kauen doch eine deutliche, intensive Fischnote mit Leberwurst-artigem Unterton durchsetzt. Eine Kalbfleisch-Variante wurde in einem dokumentierten Test mit Bratensoße verglichen, allerdings mit Fleischstücken statt Gemüse, und löste trotz „ganz okay“ empfundenem Geschmack leichtes Unwohlsein aus. Thunfisch-Varianten mit gelierter Hülle schnitten in solchen Vergleichen meist noch am mildesten ab, weil das Gelee die Schärfe des Fischgeschmacks etwas abfedert.

Konsistenzmäßig wird Katzennassfutter fast durchgängig mit Pastete, Presswurst oder Corned Beef verglichen: fein püriert oder in kleine Stückchen geschnitten, eingebettet in eine gallertartige oder sämige Sauce. Erhitzt man es, wie in einem der dokumentierten Versuche geschehen, wird der Geruch nach übereinstimmenden Berichten deutlich strenger und aufdringlicher. Trockenfutter dagegen schmeckt in solchen Berichten eher fade, leicht getreidig und fettig, mit einer krossen, aber wenig aufregenden Textur, die stark an günstiges Tierfutter-Pellet erinnert.

Insgesamt bleibt der Eindruck: salzig-umami und ungewürzt. Katzenfutter enthält kein zugesetztes Salz oder Gewürze im Sinne menschlicher Küche, der intensive Geschmack kommt allein aus konzentriertem Fleisch, Fisch und Innereien. Für an gesalzene, gewürzte Speisen gewöhnte Geschmacksnerven wirkt das meistens ungewohnt „leer“, auch wenn der Fisch- oder Fleischgeschmack selbst durchaus präsent ist.

Warum Katzenfutter kein Essen für Menschen ist

Manche Hersteller werben mit dem Begriff „Lebensmittelqualität“, was bei Verbrauchern schnell den Eindruck erweckt, das Futter sei im Zweifel auch für Menschen unbedenklich. Rechtlich ist das jedoch eine Illusion: Sobald Fleisch, selbst wenn es von einem gesunden, für den menschlichen Verzehr zugelassenen Tier stammt, die Schwelle in einen Futtermittelbetrieb überschreitet, verliert es automatisch seinen Lebensmittelstatus und wird zu einem sogenannten Kategorie-3-Material. Diese Trennung zwischen Lebensmittelrecht und Futtermittelrecht ist in Deutschland und der EU strikt geregelt, unabhängig davon, wie hochwertig die verwendeten Rohstoffe tatsächlich sind.

Katzenfutter ist damit lebensmittelrechtlich nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen oder geprüft. Es unterliegt anderen Hygiene-, Kontroll- und Kennzeichnungsvorschriften als Lebensmittel, und es gibt keinerlei Zulassung, die einen gelegentlichen oder gar regelmäßigen Verzehr durch Menschen absichert. Wer es aus Neugier probiert, tut das auf eigenes Risiko, mit unklarem Ausgang für Magen und Verdauung, wie auch etliche der dokumentierten Selbstversuche mit leichter Übelkeit im Nachgang bestätigen. Eine Ernährungsempfehlung lässt sich daraus in keine Richtung ableiten.

Ein Trend mit langer Vorgeschichte

Der Reiz, Tierfutter zu probieren, ist kein neues Phänomen des Internetzeitalters. Schon lange kursieren Anekdoten darüber, dass Menschen in Notzeiten oder aus schierer Neugier zu Dosenfutter griffen, und auch heute berichten Foren und Blogs regelmäßig von entsprechenden Selbstversuchen. Anders als bei echten Delikatessen mit ausgefallenem Geschmacksprofil, wie man sie etwa bei rohem Lachs als Sashimi findet, geht es beim Katzenfutter-Test selten um kulinarischen Genuss. Es ist eher verwandt mit anderen kuriosen Geschmacksfragen, die auf wie-schmeckt.de behandelt werden, etwa wie Blut oder Urin schmecken: Fragen, die weniger aus Appetit als aus reiner Neugier gestellt werden.

Am Ende bleibt Katzenfutter genau das, wofür es gemacht wurde: eine auf die Physiologie einer Katze zugeschnittene Mischung aus viel Fleisch, wenig Kohlenhydraten und ein paar Zusatzstoffen wie Taurin, die für den Menschen weder schmackhaft komponiert noch zugelassen ist. Die Katze am Napf wird das vermutlich anders sehen.