Start Nüsse Wie schmecken Paranüsse?

Wie schmecken Paranüsse?

Paranüsse sind die Riesen unter den Nüssen: groß, schwer, cremig und so kalorienreich, dass schon eine Handvoll ein kleines Sattmacher-Wunder ist. In jeder guten Studentenfutter-Mischung liegen sie meist ein bisschen unterrepräsentiert herum, dabei haben sie geschmacklich und botanisch einiges zu bieten, das die meisten anderen Nüsse nicht mitbringen. Ich erkläre, wie Paranüsse schmecken, warum sie fast ausschließlich aus dem Regenwald stammen und wieso man mit dem Verzehr wirklich vorsichtig sein sollte.

Wie schmecken Paranüsse?

Paranüsse haben einen intensiven, nussig-erdigen Geschmack mit deutlich buttrigen Noten. Durch ihren hohen Fettanteil von rund 67 Gramm pro 100 Gramm ist die Konsistenz beim Kauen fast schon cremig, fast wie eine feste Nussbutter, die langsam zerfällt. Eine leichte, kaum wahrnehmbare Süße rundet das Aroma ab, ohne dass die Nuss süßlich wirkt. Roh schmecken sie milder, geröstet entfalten sie deutlich mehr Röstaromen und eine leicht harzige Tiefe, die an Kakao oder dunkle Schokolade erinnert. Wer schon einmal eine Macadamianuss probiert hat, kennt dieses schwere, buttrige Mundgefühl, Paranüsse gehen geschmacklich in eine ähnliche Richtung, sind aber erdiger und weniger süß.

Herkunft: Riesenbäume im Amazonas-Regenwald

Der Paranussbaum (Bertholletia excelsa) zählt zu den größten Bäumen des Amazonas-Regenwaldes und kann über 50 Meter hoch werden, mit einem Stammdurchmesser von bis zu zwei Metern. Er wächst vor allem in Brasilien, Bolivien und Peru, wobei der brasilianische Bundesstaat Pará der Nuss ihren deutschen Namen gegeben hat. Die Früchte reifen in einer runden, extrem harten Holzkapsel, die einer kleinen Kokosnuss ähnelt und in der 10 bis 25 Nüsse fächerförmig wie Orangenspalten angeordnet sind. Diese Kapseln widerstehen laut Wikipedia selbst kräftigen Hammerschlägen, was erklärt, warum man Paranüsse nie in ihrer Originalverpackung im Supermarktregal findet.

Warum Paranüsse kaum aus Plantagen stammen

Anders als Mandeln oder Walnüsse lassen sich Paranüsse kaum kommerziell anbauen. Der Grund liegt in einer verblüffend komplizierten ökologischen Kette: Die Blüten des Baumes lassen sich nur von wenigen, besonders kräftigen Bienenarten öffnen, allen voran die Prachtbienen (Euglossini), die selbst wiederum auf bestimmte Orchideenarten des Regenwaldes angewiesen sind, um sich fortzupflanzen. Fehlen die Orchideen, fehlen die Bienen, und ohne Bienen gibt es keine Bestäubung und keine Früchte. Als Landwirte versuchten, Paranussbäume in Plantagen-Reihen zu pflanzen, blieb der Ertrag deshalb verschwindend gering. Auch die Verbreitung der Samen ist an ein Tier gebunden: Agutis, große amazonische Nagetiere, sind die einzigen Tiere mit Zähnen kräftig genug, um die Kapseln zu knacken. Sie fressen einen Teil der Nüsse und vergraben den Rest als Vorrat, aus dem später neue Bäume keimen. Aus diesem Grund stammt der weitaus größte Teil der weltweit gehandelten Paranüsse bis heute aus Wildsammlung im Regenwald statt aus Plantagenanbau, ganz ähnlich wie bei manch anderer exotischer Frucht aus derselben Region, etwa der Tonkabohne.

Geöffnete Paranusskapsel mit fächerförmig angeordneten Nüssen im Regenwald

Eine Ernte mit echtem Risiko

Die Ernte der Paranüsse ist ein Knochenjob mit einer Gefahr, die man einer Nuss auf den ersten Blick nicht zutraut. Die holzigen Kapseln können bis zu drei Kilogramm wiegen und rund 20 Zentimeter Durchmesser erreichen. Sie fallen ungebremst aus Baumkronen in bis zu 50 Metern Höhe zu Boden, meist während der Regenzeit zwischen November und März, wenn die Erntesaison beginnt. Sammlerinnen und Sammler, die im Wald unter den Bäumen unterwegs sind, um die heruntergefallenen Kapseln aufzusammeln, tragen deshalb ein reales Verletzungsrisiko durch herabstürzende Früchte, ein Umstand, der in der Region durchaus ernst genommen wird und die Arbeit der Erntehelfer erschwert.

Selen: gesunder Bonus mit klarer Obergrenze

Paranüsse gelten als die ergiebigste pflanzliche Selenquelle überhaupt. Je nach Bodenbeschaffenheit am Wuchsort enthalten 100 Gramm zwischen 100 und 200 Mikrogramm Selen, wie unter anderem die AOK berichtet. Da die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) einen Tagesbedarf von nur 60 bis 70 Mikrogramm ansetzt, reichen tatsächlich schon ein bis zwei Paranüsse aus, um den gesamten Tagesbedarf zu decken. Das klingt zunächst nach einem Gesundheits-Booster, ist aber gleichzeitig der Grund, vorsichtig zu sein: Wer regelmäßig mehr als eine Handvoll isst, riskiert eine chronische Selenüberversorgung. Mögliche Folgen sind laut DGE unter anderem Haarausfall, brüchige Nägel, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und ein charakteristischer Knoblauchgeruch der Atemluft. Die DGE empfiehlt deshalb, es bei maximal ein bis zwei Paranüssen pro Tag zu belassen, schwangere und stillende Frauen sowie Kinder sollten laut mehreren Quellen ganz auf Paranüsse verzichten. Das ist eine deutlich engere Grenze als bei der Erdnuss, von der man getrost eine ganze Portion essen kann, ohne über den Nährstoffgehalt nachdenken zu müssen.

Wer Paranüsse also in den Speiseplan einbaut, sollte sie eher als Gewürz denn als Snack betrachten: ein, zwei Stück gehackt über den Salat oder ins Müsli, das genügt völlig, um vom intensiven Aroma und dem Selengehalt zu profitieren, ohne es zu übertreiben.

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